Bundeswehr-Universität:Wissenschaft für Jedermann

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Wie läuft eine Hubschrauber-Mission ab? Was wird beim Projekt "Archimedes" erforscht? Einen Tag hat die Bundeswehr-Uni Neubiberg ihre Türen geöffnet - für 30.000 Tauben begann der Tag früh.

Elisa Holz

Der Tag der offenen Tür an der Bundeswehr-Universität hat früh begonnen - zumindest für 30.000 Brieftauben. Zum Auftakt der Veranstaltung stiegen sie um halb acht von dem noch völlig verlassenen Gelände in Neubiberg auf und machten sich auf den Weg nach Nordrhein-Westfalen. Die diensthabenden Feuerwehrleute waren wegen des frühen Starts denn auch die einzigen, die das Spektakel zu sehen bekamen. "Das ganze war in 30 Sekunden vorbei", beschwichtigte später ein Feuerwehrmann alle Besucher, die hinterher auf der Suche nach den Tauben über das weitläufige Gelände der Universität irrten.

Zu Beginn des Tags der offenen Tür an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg stiegen 30.000 Brieftauben in die Luft. (Foto: Claus Schunk)

Aber die Tauben waren ja nur Dekoration gewesen, sollte es an diesem Tag doch eigentlich um die "Welt der Wissenschaft und Technik" gehen. Das Programm des Tages unter diesem Motto füllte ein dickes Heft und lockte neben den Bürgermeistern von Neubiberg und Ottobrunn auch Landrätin Johanna Rumschöttel und Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) auf den Campus nach Neubiberg.

Dieser war nicht nur gekommen, um den Tag der offenen Tür zu eröffnen, sondern auch um eine Statue seines Onkels, des Bildhauers Elmar Dietz, einzuweihen. Ein vor der Mensa stramm stehender Zeus, in der erhobenen Faust eine Handvoll Blitze. Ein Glück, dass kurz vor Ankunft des Ministers einer Mitarbeiterin der Universität aufgefallen war, dass jemand der Bronzestatue eine Unterhose in brauner Tarnfarbe angezogen hatte. Schnell wurde Zeus seines Unterkleids entledigt.

Ein symbolischer Akt an einem Tag, an dem es ums Enthüllen ging. Die Fakultäten der Universität hatten ihre Labore und Forschungsstätten für die zahlreichen Besucher geöffnet, um die vielfältige wissenschaftliche Arbeit in Theorie und Praxis vorzustellen. Zu hören gab es zahlreiche Vorträge und zu begutachten viele Prototypen und Modelle wie zum Beispiel eine extrem stabile "Leonardo-Brücke" aus Holz oder überflutende Becken, anhand derer die Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen ihre Projekte im Bereich Hochwasserschutz und Wasserbau wie das Prater-Kraftwerk an der Isar vorstellte.

Vortrag von TV-Moderator Bublath

Groß war auch der Andrang als die Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik eine militärische Mission im Hubschrauber simulierte. Zwei wissenschaftliche Assistenten im Cockpit des Simulators hatten den Auftrag, unterstützt von vier Drohnen einen Trupp Soldaten aufzulesen und weiterzutransportieren. "Der Kommandeur wird bald ziemlich beansprucht sein", erklärte ein Wissenschaftler. Trotz der anspruchsvollen Aufgabe gelang es den Wissenschaftlern, neun digitale Soldaten ohne Zwischenfälle an Bord zu holen.

Komplizierter erschien da schon die Anforderung des Projekts "Archimedes", das es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit einem riesigen Ballon die Beschaffenheit der Atmosphäre um den Mars zu messen. Aber wie soll man einen Ballon aufblasen, der klein gefaltet in einer Kapsel über dem Mars schwebt? Das ist die zentrale Frage, an der Helmut Rapp, Leiter des Instituts für Leichtbau, und seine Studenten schon seit Jahren forschen und dabei immer wieder kleine Rückschläge hinnehmen mussten.

Eine gewisse Desillusionierung lag auch dem Vortrag "Das Ende der Naturwissenschaften?" des Physikers und TV-Moderators Joachim Bublath im Audimax zugrunde. "Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viele Menschen in diesen Hörsaal passen und wie leer er oft ist", bemerkte Uni-Präsidentin Merith Niehuss und lobte Bublath selbstkritisch dafür, Wissenschaft so eingängig vermitteln zu können. Aber eine Universität ist natürlich kein TV-Studio, die Tore zu ihrer Welt der Wissenschaft und Technik stehen dem Volk eben nur an Tagen wie diesen offen.

© SZ vom 28.06.2010 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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