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Bundeswehr-Uni:Blaupause für bezahlbares Wohnen

Im Gleichschritt: Ministerin Kerstin Schreyer, Uni-Präsidentin Merith Niehuss und Oberst Hans-Jürgen Neubauer (von rechts) bei der Besichtigung am Freitag in Neubiberg.

(Foto: Claus Schunk)

Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer informiert sich auf dem Campus darüber, wie kostengünstig und effizient Häuser errichtet werden können.

Von Martin Mühlfenzl, Neubiberg

Die Ministerin steht am Rande des Schwimmbeckens mit den Wänden und dem Boden aus Stahl, das leicht silbern glänzt. Dann sagt Kerstin Schreyer: "Baden gehe ich nicht, sonst heißt es gleich: Der Ministerin steht das Wasser bis zum Hals." Und Bayerns Bauministerin ist ohnehin nicht zum Badevergnügen auf das Gelände der Universität der Bundeswehr in Neubiberg gekommen und schon gar nicht, um sich Kritik abzuholen - sondern vielmehr einige Inspirationen, wie ein Campus der Zukunft und vor allem das Bauen der Zukunft aussehen könnte.

Uni-Präsidentin Merith Niehuss und Oberst Hans-Jürgen Neubauer führen Schreyer, die selbst ungefähr 500 Meter Luftlinie entfernt in Unterhaching wohnt, über das geschichtsträchtige Areal. Einst war das Uni-Gelände ein militärischer Flughafen, seit 1973 wird hier gelehrt, studiert, geforscht - und die allermeisten der etwas mehr als 3000 Studierenden leben auch hier auf dem Campus.

Etwa in den fünf neuen Häusern mit 180 Appartements, die Niehuss und Neubauer Bayerns Staatsministerin für Bauen, Wohnen und Verkehr von der CSU zuerst zeigen. Mit ein bisschen zu geringem Corona-Abstand geht es in eines der Häuser, die Zimmer sind schlicht gehalten, aber funktional. Viel mehr als die Inneneinrichtung interessieren Schreyer ohnehin die Details der Errichtung.

Erst 2019 sind die Häuser nach nur zwei Jahren Bauzeit in Modulbauweise fertiggestellt worden. "Das ist ein Beschleunigungsfaktor von 3,5", sagt Oberst Neubauer, der das Kompetenzzentrum Baumanagement München im Bundesamt für Infrastruktur der Bundeswehr leitet und somit für alle Baumaßnahmen bei der Universität der Bundeswehr in Neubiberg verantwortlich zeichnet. "Wir haben bei diesen Häusern auch den finanziellen Rahmen halten können und für etwa 3000, 3500 Euro je Quadratmeter gebaut", sagt der Oberst.

Seit Jahrzehnten wird die Universität immer weiter entwickelt - und unter der Leitung von Präsidentin Merith Niehuss, die seit 2005 im Amt ist, in noch schnellerem Tempo als zuvor. Die Zahl der Studierenden wächst immer weiter, auch die der Frauen, es kommen immer mehr Studienfächer hinzu. Mittlerweile wird hier am Autonomen Fahren, an der Luft- und Raumfahrt, der Cyber-Sicherheit geforscht und natürlich das Bauingenieurwesen gelehrt.

Aus Neubiberg kommen also Fachkräfte, die Kerstin Schreyer dringend benötigt. Auch der Freistaat, sagt die Ministerin, habe seine Bemühungen beim Wohnungsbau massiv intensiviert; nicht zuletzt der Großraum München benötige "noch schneller" bezahlbaren Wohnraum. Allerdings fehlten auch ihrem Resort "die Köpfe", nicht die Projekte.

Mehr als 20 Millionen Euro werden jährlich verbaut

Auf dem Campus der Bundeswehr-Uni in Neubiberg, sagt Oberst Neubauer, begleiteten stets 20 bis 30 Mitarbeiter des Bauamtes München die Projekte, anders seien diese nicht zu realisieren. Mehr als 20 Millionen Euro würden hier Jahr für Jahr verbaut, in neue Hörsäle, Labore, Wohnungen oder das neue Schwimmbad, in dem auch Soldaten behandelt werden sollen, die versehrt von Einsätzen zurückkehren. Es könnten künftig auch gerne 70 bis 80 Millionen sein, sagt Neubauer.

Auf dem Übungsplatz ein wenig vom Schwimmbad entfernt stehen Gerätschaften, meist schwarz-rot-gold angemalt, die eher an Folterinstrumente erinnern. Hier sollen weitere Appartements gebaut werden, sagt Neubauer, die würden auch dringend benötigt, schließlich plane Präsidentin Niehuss, in den kommenden Jahren weitere Fakultäten und Studiengänge anzusiedeln. Mehr Menschen heißt zwangsläufig mehr benötigter Wohnraum. Ein Problem, dass die Menschen im Landkreis München nur zu gut kennen.

Modulares Denken könne dabei helfen, sagt Präsidentin Niehuss auf dem Sportplatz. Vielleicht könne die Universität der Bundeswehr bei der Lösung des Problems eine Art Blaupause anbieten. Auf dem Übungsplatz sollen 500 neue Wohnungen entstehen. In nur drei Jahren.

© SZ vom 25.07.2020/sab

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