Süddeutsche Zeitung

Florian Hahn:Auffallend zurückhaltend

Der wiedergewählte CSU-Bundestagsabgeordnete bleibt dem Trubel am Wahlabend in der Parteizentrale weitgehend fern.

Von Stefan Galler

Der Braten war frühzeitig aufgegessen, CSU-Generalsekretär Markus Blume hatte sich durch eine Assistentin pünktlich zur Übertragung der Elefantenrunde aus Berlin eine der letzten Portionen gesichert. Doch auch ohne Fleischeinlage war die Stimmung in der CSU-Parteizentrale am Sonntagabend in der Parkstadt Schwabing gar nicht so schlecht, wie es das Ergebnis der Bundestagswahl von rund 32,5 Prozent in Bayern vermuten lässt. Vor allem deshalb, weil viele junge Christsoziale gekommen waren und sich Aperol-Spritz, Weißwein und Bier schmecken ließen. Einer schaute in trauter Runde am Biertisch in sein Handy und brüllte dann los: "In München-Land sind wir klar vor Hofreiter, da hat sich der ganze Scheiß echt mal rentiert." Offenbar einer derjenigen, die für Florian Hahn in den vergangenen Wochen massiv Straßenwahlkampf gemacht haben. Der Putzbrunner konnte sein Direktmandat im Landkreis souverän verteidigen, obwohl noch vor ein paar Tagen Umfragen veröffentlicht worden waren, in denen es hieß, es werde ein Fotofinish zwischen ihm, dem Grünen Anton Hofreiter und dem Sozialdemokraten Korbinian Rüger geben. Letztendlich erhielt Hahn dann sogar mehr Stimmen als die beiden Konkurrenten zusammen.

Und doch wirkte der stellvertretende Generalsekretär am Sonntag alles andere als gelöst. Er hielt sich weitgehend fern vom Trubel im Erdgeschoss, während Kollege Blume fast den gesamten Abend im Kreis von Parteikollegen und Journalisten verbrachte. Womöglich trieben Hahn die Verluste seiner Partei und auch seine eigenen um, immerhin hatte er 2017 noch 43,5 Prozent der Erststimmen auf sich vereint, diesmal pendelte er sich unter 40 Prozent ein.

Hahn bedankte sich bei den Bürgern des Landkreises für einen "tollen Vertrauensbeweis" und bestätigte die Aussage des jungen Parteifreundes vom Biertisch: "Die Arbeit hat sich offensichtlich gelohnt, sowohl im Wahlkampf, als auch während der abgelaufenen Legislatur."

Hahn hatte sich ordentlich ins Zeug gelegt, war präsent wie kein anderer Kandidat. Ein Umstand, den auch Nicola Gehringer ansprach: Die Landesgeschäftsführerin der Jungen Union (JU) war schon früh am Abend bester Dinge gewesen, dass Hahn sich letztendlich durchsetzen würde: "Ich bin ganz ehrlich, es wäre auch nicht gerecht, wenn Hofreiter, der sich überhaupt nicht für seinen Wahlkreis interessiert, das Rennen macht", sagte die Neubibergerin.

Abgesehen vom bisherigen und künftigen Abgeordneten Hahn und der JU-Funktionärin Gehringer war von den Christsozialen aus dem Landkreis nur der 23 Jahre alte Listenkandidat Quentin Wolf in die Parteizentrale gekommen. Weder die bayerische Bau- und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer aus Unterhaching, noch der Haarer Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch standen Hahn zur Seite.

Dieser warf dann noch einen Blick auf das CSU-Gesamtergebnis: "Die Freien Wähler haben uns im bürgerlichen Lager geschadet, die AfD ist zwar kleiner, aber immer noch viel zu groß", analysierte er und setzte einen kleinen Seitenhieb in Richtung Schwesterpartei: "Wir verlieren zwar prozentual weniger stark als die CDU, aber deren Abwärtstrend geht nicht spurlos an der CSU vorüber."

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SZ vom 27.09.2021/lb
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