Bundestagswahl im Landkreis MünchenHahn und die CSU siegen, die AfD gewinnt

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Wahlsieger: Der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Hahn - hier bei der Wahlparty seiner Partei in München - gewinnt zum fünften Mal das Direktmandat im Wahlkreis München-Land.
Wahlsieger: Der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Hahn - hier bei der Wahlparty seiner Partei in München - gewinnt zum fünften Mal das Direktmandat im Wahlkreis München-Land. Lorenz Mehrlich

Zum fünften Mal in Folge holt sich der CSU-Abgeordnete das Direktmandat im Wahlkreis München-Land. Die AfD verdoppelt ihren Stimmenanteil, bleibt aber hinter Grünen und SPD auf Rang vier.

Von Laura Geigenberger, Bernhard Lohr, Martin Mühlfenzl, Anna-Maria Salmen, Landkreis München

Die CSU ist die große Gewinnerin der Bundestagswahl im Landkreis München. Im Vergleich zur Wahl 2021 legten die Christsozialen im Wahlkreis München-Land nach Auszählung von 451 von 455 Wahlbezirken (Stand: 22.20 Uhr) um 6,4 Prozentpunkte zu, sie kommen auf 39,1 Prozent. Ihr Abgeordneter Florian Hahn, der seit 2009 dem Bundestag angehört, hat sich mit 43,1 Prozent der Erststimmen zum fünften Mal in Folge das Direktmandat gesichert und konnte damit sein Ergebnis von vor dreieinhalb Jahren um 3,9 Prozentpunkte steigern. Zweite Gewinnerin ist die Alternative für Deutschland (AfD), die erstmals zweistellig im Landkreis ist und mit 11,7 Prozent nach 5,3 Prozent ihr Ergebnis mehr als verdoppelte. Die Wahlbeteiligung lag bei 84,8 Prozent.

In einer ersten Reaktion auf die Prognose um kurz nach 18 Uhr sagte Florian Hahn auf der Wahlparty in der CSU-Zentrale, er hoffe auf ein Zweierbündnis aus Union und SPD. „Das Wichtigste wäre eine stabile Regierung.“ Mit den Liberalen im Bundestag könnte wieder eine Dreierkoalition drohen – für den Ottobrunner nach drei Jahren Ampel ein Graus. Seine Sympathie für die Liberalen sei daher „begrenzt“.

Grünen-Frontmann Anton Hofreiter, der sein Erststimmenergebnis von 2021 (20,4 Prozent) knapp nicht halten konnte und auf 19,6 Prozent kam, gibt sich beim Eintreffen im Münchner Landratsamt verhalten. Er sei zufrieden mit dem „extrem aktiven“ Wahlkampf des hiesigen Grünen-Kreisverbands. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir etwas stärker abschneiden, aber wenn man sich überlegt, wo wir noch im Herbst letzten Jahres in Umfragen gestanden sind, ist es ein erträgliches Ergebnis.“

Verhalten zufrieden: der Grünen-Abgeordnete Anton Hofreiter mit Blick auf den Wahlausgang.
Verhalten zufrieden: der Grünen-Abgeordnete Anton Hofreiter mit Blick auf den Wahlausgang. Claus Schunk

Ob die Grünen Teil der neuen Regierung werden, darüber will er nicht spekulieren. „Ich bin prinzipiell der Meinung, dass demokratische Parteien immer gesprächs- und koalitionsfähig sein sollen und dass wir vor allem eine Regierung brauchen, die große Herausforderungen angeht mit Blick auf das, was möglich, sinnvoll und notwendig ist“, so Hofreiter, der der Union dazu gratuliert, als „stärkste Partei und Fraktion“ Gewinnerin der Wahl zu sein. Von ihr erwarte er die Bildung einer „stabilen“ Regierung angesichts „gigantischer Herausforderungen“ durch das Agieren von US-Präsident Donald Trump und dem bröckelnden transatlantischen Bündnis.

AfD-Mann Gerold Otten hätte seine Partei nach eigenen Worten gerne noch stärker gesehen und konnte sich bei der Wahlparty in Ottobrunn einen Seitenhieb auf die SPD nicht verkneifen: „Besonders wichtig ist, dass wir die SPD aus ihren Fraktionsräumen verdrängen werden.“ Mit Blick auf eine mögliche Kenia-Koalition sagte Otten, der zum dritten Mal in den Bundestag einziehen wird: „Das wird eine der erfolglosesten Regierungen aller Zeiten. Das ist kein guter Tag für Deutschland.“

Haben was zu feiern: die AfD und ihr Bundestagsabgeordneter Gerold Otten (Mitte) bei der Wahlparty in Ottobrunn.
Haben was zu feiern: die AfD und ihr Bundestagsabgeordneter Gerold Otten (Mitte) bei der Wahlparty in Ottobrunn. Sebastian Gabriel

Weniger dramatisch als auf Bundesebene fällt im Landkreis München der Absturz der Sozialdemokraten aus, gleichwohl die SPD mit ihrem Direktkandidaten Korbinian Rüger auch im direkten Münchner Umland Verluste hinnehmen muss: Die Partei verliert 4,2 Prozentpunkte und kommt nur noch auf 13,0 Prozent. Auch ihr Kandidat Korbinian Rüger muss gegenüber 2021 (15,2 Prozent) bei den Erststimmen leichte Einbußen einstecken und kommt nur noch auf 13,3 Prozent.

Die krachende Niederlage seiner Partei nimmt der SPD-Kreisvorsitzende nach außen gelassen hin. „Das Ergebnis ist genau so, wie ich es erwartet habe“, sagt er im Foyer des Landratsamtes. „Aber klar: Das Ergebnis ist beschissen.“ Olaf Scholz sei dennoch der richtige Kanzlerkandidat gewesen und die SPD habe – auch im Landkreis München – einen guten Wahlkampf gemacht. „Ich wüsste auch nicht, was wir hätten anders machen sollen.“ Die SPD, so Rüger, werde auf Bundesebene bei der Koalitionsbildung ihrer staatspolitischen Verantwortung nachkommen. „Wie sie es immer getan hat.“

Für die Linken ist es das „bestmögliche“ Ergebnis

Einen regelrechten Einbruch erlebte am Sonntag die FDP in ihrem einstigen Stammland, wo sie mit ihrem Direktkandidaten Thomas Klaue von 14,4 auf nur noch 6,3 Prozent abrutschte; Klaue kam nur auf  4,3 Prozent. Diese Bundestagswahl sei für seine Partei in der Tat ein „Ritt auf Messers Schneide“, sagte der Pullacher nach der ersten Prognose, der die FDP gerne in einer künftigen Bundesregierung sähe. „Es geht darum, dass unser Land eine Regierung bekommt, an der eine liberale Stimme beteiligt ist.“

Sind am Sonntag nur Zuschauer im Landratsamt: Hans Ertl, Otto Bußjäger und Florian Ernstberger (von links) von den Freien Wählern.
Sind am Sonntag nur Zuschauer im Landratsamt: Hans Ertl, Otto Bußjäger und Florian Ernstberger (von links) von den Freien Wählern. Claus Schunk

Otto Bußjäger, Direktkandidat der Freien Wähler, gibt sich am Wahlabend zufrieden: „So wie es ausschaut, gibt es einen Wechsel, und der tut dem Land gut.“ Dass sein eigener Listenplatz für den Einzug in den Bundestag nicht reicht, war ihm eigenen Worten zufolge bewusst. Wichtiger als sein persönliches Ergebnis sei ihm ohnehin eine schnelle Regierungsbildung. „Wir brauchen Stabilität und Halt.“ Die Freien Wähler kommen im Landkreis auf 2,1 Prozent nach 3,8 vor dreieinhalb Jahren, Bußjäger holte bei den Erststimmen 3,0 Prozent.

Linken-Direktkandidatin Katinka Burz bezeichnet das Ergebnis ihrer Partei als das „bestmögliche“. Auch im Landkreis München konnte die Linke im Vergleich zu 2021 deutlich zulegen und kommt auf 5,0 Prozent (2021: 2,2 Prozent); auch Burz legte bei den Erststimmen zu und erreichte 4,1 Prozent. „Das sind für uns großartige Zahlen“, so die Kirchheimerin; vor allem bei jungen Menschen hätte die Partei reüssieren können. Im Bundestag gelte es nun mit „starker Stimme und starken Meinungen“ gute Oppositionspolitik zu machen.

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SZ PlusVon Iris Hilberth

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