bedeckt München 20°

Bürgerzentrum Neubiberg:Alles dreht sich um die Tiefgarage

Neubiberg, Haus für Weiterbildung, Eröffnung der Ausstellung der Entwürfe zum Bürgerzentrum; 17 Architektenentwürfe werden gezeigt,

Preisgerichtsvorsitzender Herbert Meyer-Sternberg und Bürgermeister Günter Heyland mit dem Modell des Siegerentwurfs.

(Foto: Angelika Bardehle)

Bei der Informationsveranstaltung gehen die Architektenentwürfe für den Rathausneubau fast unter. Stattdessen gibt es viele Fragen zur umstrittenen Verlegung von Parkplätzen.

Von Angela Boschert, Neubiberg

Was ist den Neubibergern wichtig? Ein schönes Bürgerzentrum als attraktive Ortsmitte oder ebenerdige Parkplätze und Vermeidung von Tiefgaragenausfahrten? Bei der Informationsveranstaltung zum "Bürgerzentrum Neubiberg 2022" am Dienstagabend wurden die Ein- und Ausfahrten, Größe und Platzzahl der Tiefgarage sowie die Notwendigkeit oberirdischer Stellplätze diskutiert. Die anwesenden drei Preisträger des Architektenwettbewerbs, die ihre Entwürfe persönlich vorstellten, erhielten jedoch kaum Anfragen und Anregungen zur Gestaltung der Gebäude und des Ensembles aus altem Rathaus, Haus für Weiterbildung, Rathausneubau und zugehörigen Freiflächen.

Den Putzbrunner Ralf Trotter bewegte, wie man als Gehbehinderter - Trotter sitzt selbst im Rollstuhl und ist Mitglied im Behindertenbeirat des Landkreises - aus der Tiefgarage heraus kommen werde, wenn die Aufzüge kaputt seien. Architekt Jan Spreen vom Münchner Büro Spreen Architekten Partnerschaft, das im Wettebewerb den ersten Preis erhalten hatte, erläuterte, der Bau sei barrierefrei und es gebe einen Aufzug für das alte Rathaus mit Haus für Weiterbildung und einen für den Rathausneubau. Das Bürgerbüro und der Sitzungssaal seien von außen barrierefrei zu erreichen. Wenn erforderlich, gebe es oberirdisch genug Platz für einen behindertengerechten Parkplatz.

Kostenschätzungen nennt die Gemeinde erst auf Nachfrage

Mehrfach wurde nach den Kosten des gesamten Projekts gefragt, für die Bauamtsleiter Christian Einzmann zunächst keine Zahl nannte. Der Preisgerichts-Vorsitzende und Architekt Herbert Meyer-Sternberg erläuterte, dass im Wettbewerb Vorentwürfe entstanden seien, die nach wirtschaftlichen Aspekten machbar sein müssten, aber keine Kostenaufstellung enthielten. Soweit aktuell kalkulierbar, liegen die Kosten bei "grob geschätzten ca. 4,5 Millionen" für die Sanierung des Hauses für Weiterbildung plus "derzeit hochgerechneten circa 15,63 Millionen Euro für das Rathausprojekt" einschließlich Tiefgarage, so Einzmann auf SZ-Nachfrage.

Anja Brinkmann dachte an Kinder: "Was ist mit Leuten, die nur am Maibaum-Parkplatz kurz halten wollen, um ihre Kinder rauszulassen, damit die zur Grundschule rüber laufen", fragte sie. Ob die Tiefgaragen-Ausfahrt an der Kinderkrippe Kiwi vorbei führen müsse, interessierte Sabine Schönefeld. Spreen erklärte, die Tiefgarage mit Einfahrt an der Hauptstraße und Ausfahrt an der Wittelsbacherstraße vermeide sowohl Wendeverkehr innen als auch eine Kreuzungsproblematik an der Hauptstraße. Man könne die Ausfahrt einhausen, was laut Einzmann aber kaum nötig sein wird, weil zum Garten der Krippe "ein genügend großer Abstand" bestehe.

Wegen der Parkplätze läuft ein Bürgerbegehren

Die Tiefgarage, die Spreen als "trivial einfach und funktional" beschrieb, blieb Thema. Der Neubiberger JU-Vorsitzende Max Lilge erfragte die Zahl der Tiefgaragenstellplätze, die "dauerhaft der Öffentlichkeit zur Verfügung" stehen. Einzmann verwies auf den Informationsflyer zur Tiefgarage vom Januar. Es seien permanent elf Plätze für öffentliche Nutzung sowie an Arbeitstagen ab mittags ständig mehr, da Parkplätze der Rathaus-Teilzeitkräfte dann öffentlich genutzt werden können. Von den aktuell 30 Parkplätzen am Maibaum seien baurechtlich auch 25 dem Haus für Weiterbildung zuzurechnen.

"Die HfW-Parkplätze sind nicht gekennzeichnet", kritisierte Lilge, der mit der JU bereits mehr als tausend Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Erhalt der 30 oberirdischen Parkplätze am Maibaumparkplatz gesammelt hat. "Ich kämpfe für oberirdische Parkplätze, weil niemand, der nur schnell ein Rezept in der Apotheke abgeben will, in eine Tiefgarage fährt", stimmte Michael Roth, Inhaber des Geschäftes "Vom Fass" und Mitglied im Gewerbeverband, zu. CSU-Mitglied Léon Bogner ging es um den Maibaum-Parkplatz als Festplatz. Auf seine Frage, ob es möglich sei, nur einen Teil zu begrünen und den anderen geteert zu lassen, meinte Spreen trocken: "Dazu sage ich nichts, ich will mich nicht in den Tiefgaragen-Krieg hier einmischen." Die Wettbewerbsbeiträge sind noch bis Freitag im Haus für Weiterbildung zu sehen.

© SZ vom 15.03.2018/wkr

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite