Bürgerversammlung:Rücksichtnahme ist die erste Bürgerpflicht

In Taufkirchen kommen sich Fußgänger, Radler und Autofahrer an mehreren Stellen in die Quere. Rathauschef Sander verspricht bei der Bürgerversammlung Verbesserungen, die Polizei erinnert an die Straßenverkehrsordnung

Von Angela Boschert, Taufkirchen

Klagen über rasende Radler, abgedrängte Fußgänger, fehlende oder zugestellte Querungen für Straßen sowie immer wieder der Aufruf zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme haben die Bürgerversammlung in Taufkirchen geprägt. Etwa 55 Bürger hatten sich am Mittwochabend im Festsaal des Ritter-Hilprand-Hofs eingefunden und erfuhren von Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei), dass die Gemeindefinanzen durch die Corona-Maßnahmen und auch den Neubau der Grundschule sichtlich belastet seien. Dafür würden seit 2015 die Gewerbesteuereinnahmen stetig angestiegen.

Bei der Vorstellung der Einwohnerzahlen - 214 Sterbefälle gegenüber 173 Geburten - betonte Sander, im Vergleich zum Jahr 2000 lebten jetzt nur 0,2 Prozent mehr Menschen in Taufkirchen. Im Bürgerbegehren "Stopp der Verstädterung" heiße es hingegen, die Zahl sei "von 1500 um das Zwölffache auf über 18 000" gestiegen. Er habe nachgesehen: 1500 Einwohner zählte Taufkirchen im Jahr 1960, im Jahr 1840 sogar nur 526. "Man sollte den Menschen zutreffende Informationen liefern und nicht versuchen, mit dem willkürlichen Zusammenstellen von Aussagen und Fakten falsche Eindrücke zu erwecken", betonte Sander. Der Gemeinderat habe sich bei der Ablehnung des Bürgerbegehrens an die Aussagen des Rechtsanwalts gehalten. Anders als behauptet, verpflichte das Baugesetzbuch die Gemeinde, "Bauleitpläne aufzustellen, sobald es für die städtebauliche Ordnung erforderlich ist".

Bürgerversammlung: Die Mindestabstände einzuhalten, war kein Problem bei der Versammlung im Ritter-Hilprand-Hof.

Die Mindestabstände einzuhalten, war kein Problem bei der Versammlung im Ritter-Hilprand-Hof.

(Foto: Claus Schunk)

Die Bürger würden schon nächstes Jahr bei der Fortschreibung des Flächennutzungsplans an der weiteren Entwicklung ihrer Gemeinde beteiligt. Die Telekom baue endlich das Glasfasernetz für Privathaushalte aus, die Verwaltung versuche, das auch für Bergham und Winnig zu erreichen. Auch gebe es im Kulturzentrum jetzt eine induktive Höranlage, lauteten einige der Neuigkeiten aus dem Mund des Bürgermeisters.

Als die Bürger das Wort hatten, appellierte Dagmar Bräuer an die Gemeinderäte: "Stattet auch die Kitas für unter Sechsjährige mit Luftfiltern aus". Bei den Schulen ist Taufkirchen dabei, wie Sander berichtet hatte. Dieser musste grinsen, als Michael Schanz fragte, wann die sozialgerechte Bodennutzung - also die Verpflichtung für Bauherren, auch preisgünstigen Wohnraum zu errichten - in Taufkirchen gelte. Vorgestern habe er den Gemeinderäten den Entwurf einer Taufkirchner "Richtlinie zu sozialgerechter Bodennutzung - Sobon" geschickt.

Vielfach wurde der Wunsch nach Hilfen zum Queren von Straßen geäußert, etwa zwischen altem und neuem Einkaufszentrum in Taufkirchen Am Wald (Michael Knappmann). Saskia Hahnenkamp wies auf eine weitere Gefahrenzone hin. Um die Straße Am Heimgarten von und zur Finkenstraße überqueren zu können, sei der Gehweg abgesenkt. Leider werde dieses Parkverbot häufig nicht eingehalten und parkende Autos, Wohnwagen und Anhänger behinderten dort das sichere Überqueren der Straße Am Heimgarten. Sie bat zudem eindringlich, man möge den Verkehr auf dem Postweg regulieren: "Ich fühle mich dort nicht sicher!" Die Autos seien zu schnell, ihre Kinder würden ins Bachbett oder ins Feld springen, damit die Autos vorbeifahren könnten. Bauamtsleiter Stefan Beer versprach mehr Kontrollen und auch, eine Geschwindigkeitsbegrenzung im ganzen Gebiet zu prüfen.

Bürgerversammlung: Bürgermeister Ullrich Sander.

Bürgermeister Ullrich Sander.

(Foto: Claus Schunk)

Auch den Hinweis von Julian Köttschau, in der Rathausstraße den Fokus auf Fußgänger, spielende Kinder und Ältere sowie die Lenkung von Radfahrern und Autoverkehr zu legen, will die Gemeinde laut Sander verfolgen.

Für mehr Miteinander und gegenseitige Rücksichtnahme warb der Bürgermeister insbesondere bei den Radlern. Dass sie sportmäßig in hohem Tempo und als Kolonne an ihm vorbei fahren, ängstigt Dietmar Lange und einen weiteren Bürger. Sander versprach mehr Kontrollen und Polizeihauptkommissar Siegfried Graf von der Unterhachinger Inspektion erinnerte erneut an Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht."

In einer ersten Fassung des Textes hieß es irrtümlich, dass beim Kindergarten Wawuschel der Gehweg abgesenkt sei und Autos, Wohnwagen und Anhänger an dieser Stelle parkten. Dort gibt es weder einen Gehweg noch geparkte Autos.

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