Bürgerversammlung Aschheimer dürfen ihre Wünsche äußern

Aschheimer werden aktiv, etwa 2018 beim Bürgerentscheid zum Drittelerlass. Die Gemeinde hofft auch beim Flächennutzungsplan auf rege Beteiligung.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Gemeinde reagiert auf das gestiegene Interesse der Bürger an der Kommunalpolitik und startet eine Online-Umfrage. Die Ergebnisse sollen in den neuen Flächennutzungsplan einfließen

Von Irmengard Gnau, Aschheim

Wo fehlen in Aschheim und Dornach noch Radwegeverbindungen? Welche Wohnformen werden in Zukunft gebraucht, Einzelappartements oder doch eher Familienhäuser? Braucht es weitere Zebrastreifen an bestimmten Straßen? Welche Treffpunkte und Orte wünschen sich die Menschen für ihre Freizeit? Über solche und weitere Fragen sollten sich die Aschheimer in den kommenden Monaten Gedanken machen. Denn die Kommune will ihren Flächennutzungsplan überarbeiten, also neu festlegen, wie sie das Gemeindegebiet für die kommenden 15 bis 20 Jahre aufteilen wird - und dabei sollen die Bürger tatkräftig mitwirken.

Dafür bietet der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München seit Neuestem eine Online-Umfrage an, die ganz auf die Gegebenheiten der einzelnen Gemeinde zugeschnitten ist. Aschheim wäre die erste Kommune im Landkreis, die mit diesem Mittel ihre Bürger in den Planungsprozess miteinbezieht; aktuell testet gerade die Gemeinde Taufkirchen an der Vils diese Form der Bürgerbeteiligung. Die Umfrage soll zentrale Fragen zu Aschheims Zukunft umfassen und auf der Homepage der Gemeinde, wie auch des Planungsverbands zu finden sein. Die Fragen arbeitet der Planungsverband gemeinsam mit der Gemeinde aus; online geht der Fragebogen voraussichtlich frühestens im Herbst. Die Anregungen der Bürger sollen dann in das formelle Verfahren einfließen, an dessen Ende der Gemeinderat den neuen Flächennutzungsplan beschließt, erklärte Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) bei der Bürgerversammlung am Montag.

Zwar hatte sich nicht jeder einzelne der inzwischen 9796 Aschheimer - mit Haupt- und Nebenwohnsitzen - im Kulturellen Gebäude eingefunden, doch die Bürgerversammlung war mit etwa 200 Menschen überaus gut besucht. Insgesamt lässt sich beobachten, dass viele Aschheimer in der jüngeren Vergangenheit mit besonderem Interesse verfolgen, welche Wege ihre Gemeinde kommunalpolitisch einschlägt, nicht nur bei den beiden Bürgerentscheiden, die 2016 und 2018 stattfanden. Die Gemeinde versucht auch mit Aktionen wie der geplanten Bürgerbeteiligung merklich, auf dieses Interesse zu reagieren.

Gleichwohl kamen bei der Versammlung auch einige der zuletzt strittigen Themen wieder zur Sprache. Die Erschließung von Altstraßen etwa wird die Kommune noch einige Zeit beschäftigen. Der Gemeinderat hat zuletzt beschlossen, keine weiteren Straßen abzurechnen, bis die Staatsregierung in dieser Sache eine rechtssichere Regelung vorgelegt hat. Der Drittelerlass für betroffene Anlieger, für den sich im vergangenen Jahr in einem Bürgerentscheid eine Mehrheit der abstimmenden Aschheimer ausgesprochen hat, wird laut Glashauser umgesetzt, zu viel gezahlte Erschließungsbeiträge würden in den kommenden Wochen zurückgezahlt. Einige weitere Altstraßen lässt die Gemeinde noch einmal auf ihren Ausbauzustand hin prüfen.

Auch der neue Rewe-Markt am östlichen Ortseingang erregt noch immer manche Gemüter. Befürchtungen hinsichtlich des Verkehrs hätten sich zwar nicht bewahrheitet, sagte Glashauser, und auch der Leiter des zweiten Marktes im Norden der Gemeinde zeige sich trotz der neuen Konkurrenz zufrieden. Ein Bürger kritisierte gleichwohl den Flächenverbrauch durch den neuen Markt. Er hätte sich zumindest eine Tiefgarage und Wohnungen auf dem Gebäude gewünscht.

Mit dem Rathaus wird sich der Gemeinderat in seiner Sitzung an diesem Donnerstag noch einmal befassen. Das Gremium hat nach langer Abwägung beschlossen, den Altbau an der Münchner Straße durch einen größeren Neubau zu ersetzen.