Einen seiner wichtigsten Grundsätze hat Eduard Boger von der Oma gelernt: "Sie sagte immer, dass ich etwas lernen soll, denn Wissen, das sei das Einzige, was man mir nicht nehmen kann." Die Großmutter des Putzbrunner CSU-Gemeinderates wusste, wovon sie spricht: Nach dem Krieg war die Familie als Russlanddeutsche enteignet und nach Sibirien in die Gefangenschaft deportiert worden. Bogers Vater war als Kind Zwangsarbeiter im Gulag. Erst 1955 kamen die Bogers frei, siedelten sich in Kirgistan an, wo 1971 Eduard zur Welt kam. Wenige Jahre später ermöglichte Willy Brandts Ost-Politik die Rückkehr nach Westdeutschland.
Seit mehr als zwölf Jahren lebt der 46-Jährige mit seiner Frau und den beiden Kindern, 13 und 10 Jahre alt, in Putzbrunn. Seine Familiengeschichte hat ihn geprägt, sagt Boger. "Obwohl meine beiden Kinder aufs Gymnasium gehen, würde ich sie nie zwingen, das Abitur zu machen. Wichtig ist es aber, praktisch zu sein und entweder Dinge zu erlernen, die dir irgendwann weiterhelfen. Oder zumindest zu wissen, wer dir dabei hilft, das Problem zu lösen."
Die rechte Hand von Florian Hahn kennt auch Markus Söder
Damit spielt der Geschäftsführer des Bundeswahlkreises München-Land darauf an, dass er selbst vernetzt ist wie nur wenige Kommunalpolitiker im Landkreis - und genau das auch nutzen möchte für seine Gemeinde, falls er am 4. März zum Bürgermeister gewählt werden sollte. Als rechte Hand von Florian Hahn im Bundestagswahlkampf kennt er nicht nur die hiesigen Entscheidungsträger, sondern auch Persönlichkeiten wie den designierten Ministerpräsidenten Markus Söder.
Boger weiß Bescheid über die politischen Themen in allen 29 Kreisgemeinden, das bringt sein Job mit sich. Er ist in ständigem Austausch mit Landrat Christoph Göbel, kennt demnach auch die Pläne der Landkreisverwaltung. Deshalb rechnet er sich keine schlechten Chancen aus, Amtsinhaber Edwin Klostermeier (SPD) diesmal vor größere Probleme zu stellen als 2012 bei seinem ersten Versuch. Denn mittlerweile hat sich der quirlige Organisator in der Gemeinde bekannt gemacht: Er ist nicht nur seit der Kommunalwahl 2014 Gemeinderat, sondern Teil des Vorstands des Schützenvereins "D'Wendlstoana", engagiert sich in der Kirchenverwaltung St. Stephan, ist Mitglied in den Fördervereinen der Freiwilligen Feuerwehr und des Salberghauses.
Vor allem in seiner Rolle als Sportschütze geht Boger auf: In sechs Disziplinen ist er aktiv, darunter die olympischen Kategorien Luftpistole und Sportpistole. 2012 eroberte er den Titel des Bezirksschützenkönigs, regelmäßig geht er bei bayerischen Meisterschaften an den Start.
Sein ehrenamtliches Engagement prägt seine politische Einstellung, Boger betont die Notwendigkeit, mitzutun in der Gesellschaft, um den Zusammenhalt zu stärken: "Ich möchte ein Bewusstsein wecken, sich einzubringen." Bayern und insbesondere der Großraum München ziehe Leute an, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch, weil die Leute "das Urige und Hemdsärmelige" schätzten. So sei es vor allem der Burschenverein, der das Gemeindeleben immens bereichere. "Aber was tut die Gemeinde für die Burschen?", fragt der CSU-Politiker. Er plädiert dafür, die Vereine mehr zu unterstützen und Bürokratie abzubauen, schließlich könne es nicht sein, dass ein Maibaumtransport an Papierkram scheitere.
Womit man schon mittendrin ist in Eduard Bogers Wahlprogramm. Denn auch seine Ideen für die Bekämpfung der Wohnungsnot haben mit einer Entlastung der Verwaltung und dem Abbau von Bürokratie zu tun. Sein Motto: "Nicht der Mensch soll sich an ein System anpassen, sondern das System an den Menschen." Deshalb müsse man auch weg von flacher Bebauung und der daraus folgenden Versiegelung großer Flächen.
Boger will die Verwaltung neu ausrichten: "Eine Top-Chance."
ür die Zukunft sei es kaum darstellbar, riesige flache Verkaufsflächen wie jene im Gewerbegebiet bei Oedenstockach hinzustellen: "Drüber müsste man etwas für die Allgemeinheit bauen, beispielsweise sozialverträglichen Wohnraum." Vor allem um jene müsse man sich kümmern, "denen ein Gehalt gar nicht reicht und zwei Gehälter kaum reichen, um die Preise im Umland zu bezahlen", sagt Boger. "Diesen Menschen droht Altersarmut." Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen empfiehlt Boger, die Gemeinde solle "jeden Quadratmeter Boden kaufen, den sie bekommen kann."
Zentraler Punkt in Bogers Kampagne ist die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde: "Wir konkurrieren hier mit der gesamten Metropolregion, wenn wir die Qualität unserer Angebote aufrechterhalten wollen, brauchen wir Geld." Der CSU-Kandidat meint damit die Kinderbetreuung, die größer werdende Herausforderung, Senioren selbstbestimmtes Wohnen im Alter zu gewähren und die "riesige Welle Demenz", die auf die Gesellschaft zurolle.
Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu stützen, regt Boger die Anstellung eines Wirtschaftsreferenten an: "Ein Wechsel an der Spitze wäre eine Top-Chance, die Verwaltung für die Zukunft auszurichten." Zudem müsse mehr Gewerbe angelockt werden, etwa durch eine entsprechende Infrastruktur wie die Verlängerung der Hermann-Oberth-Straße hin zur A 99. "Wir wollen Hohenbrunn mit seinem Munagelände etwas entgegensetzen."
Auch bei Bogers Ideen in Sachen Verkehr spielt die Nachbargemeinde eine wichtige Rolle: Mittlerweile ist er der festen Überzeugung, dass nur eine Zusammenarbeit mit Hohenbrunn zu einer Umfahrung führen könne, die den alten Ortskern entlasten würde. "Dies Straße müsste außerhalb der A 99 verlaufen und würde ein kurzes Stück über Hohenbrunner Flur führen." Zuletzt habe es erstmals Signale von den Nachbarn gegeben, dass man diesbezüglich gesprächsbereit sei.
Dann betont Boger noch, dass keineswegs Amtsinhaber Klostermeier alleine zu loben sei, wenn Putzbrunn künftig dem MVV-Innenraum angehört: "Bei allem Respekt: Das ist eine Entscheidung von acht Landkreisen und der Stadt München. Unser Bürgermeister hat da nichts damit zu tun." Was nichts daran ändere, dass "wir alle froh über diese Veränderung" seien.
