TaufkirchenEin Quereinsteiger übernimmt das Rathaus

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Sebastian Thoma freut sich auf den 4. Mai. An diesem Tag übernimmt er als Bürgermeister die Geschäfte im Taufkirchener Rathaus.
Sebastian Thoma freut sich auf den 4. Mai. An diesem Tag übernimmt er als Bürgermeister die Geschäfte im Taufkirchener Rathaus. Claus Schunk
  • Sebastian Thoma übernimmt am 4. Mai als Quereinsteiger das Bürgermeisteramt in Taufkirchen. Er gewann die Stichwahl mit 58 Prozent gegen seine SPD-Konkurrentin.
  • Das "Quartier am Bahnhof" mit Wohnungen für fast 2000 Menschen steht ganz oben auf seiner Agenda, obwohl viele Bürger dagegen sind.
  • Der 64-jährige promovierte Physiker trat erst 2024 in die CSU ein und bezeichnet die Finanzlage der Gemeinde als "prekär".
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Der 64-jährige Siemens-Manager Sebastian Thoma trat erst 2024 in die CSU ein. Er bezeichnet die Finanzlage Taufkirchens als „prekär“. Ganz oben auf seiner Prioritätenliste steht das „Quartier am Bahnhof“.

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

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Sebastian Thoma sitzt an diesem Vormittag auf einer Bank in der Sonne. Hinter ihm die nahezu verwaiste Lindenpassage, vor ihm die ebenso unansehnliche Eschenpassage. Wahrlich, es gibt schönere Ecken in Taufkirchen für ein Treffen mit dem künftigen Bürgermeister der Gemeinde. Und doch hat Sebastian Thoma diesen Ort bewusst gewählt. Zum einen, weil die verwahrlosten Einkaufszentren ein Beweggrund waren, derentwegen der 64-Jährige im vergleichsweise hohen Alter in die Lokalpolitik gegangen ist. Zum anderen, weil die Ladenpassagen samt dem umliegenden Gewerbegebiet – zusammengefasst unter dem Projekt „Quartier am Bahnhof“ – ganz oben auf seiner To‑do‑Liste stehen werden, wenn er am 4. Mai die Geschäfte im Rathaus übernimmt.

„Das ist mit Abstand das wichtigste Projekt in der Gemeinde und eine Riesenchance für Taufkirchen“, sagt Sebastian Thoma. Was er nicht sagt, aber sehr wohl weiß: Viele Menschen im Ort lehnen die aktuellen Pläne strikt ab. Vorgesehen ist, das gut zwölf Hektar große Areal am Bahnhof in ein Quartier mit Wohnungen für fast 2000 Menschen sowie Büros, Gastronomie und soziale Einrichtungen umzuwandeln. Dagegen sammelte die Initiative Lebenswertes Taufkirchen (ILT) bereits genügend Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die aus ihrer Sicht drohende „Gigantomanie“.  Der Gemeinderat erklärte das Begehren jedoch für unzulässig – eine Entscheidung, gegen die derzeit geklagt wird. Gleichzeitig plant der Gemeinderat ein eigenes Ratsbegehren zum Bahnhofs-Quartier. „Ein Schritt, den ich ausdrücklich begrüße“, sagt Sebastian Thoma. Wobei er sich „sehr sicher“ sei, dass eine Mehrheit für die Fortsetzung der Planung stimmen werde.

Das „Quartier am Bahnhof“ ist freilich nur ein Punkt auf der To-Do-Liste des künftigen Rathauschefs. Darüber hinaus stehen dort ein geplantes Wohngebiet rund um ein Seniorenheim am Hachinger Bach, gegen das sich ebenfalls Widerstand in der Bevölkerung regt, sowie der derzeit auf Eis gelegte Neubau der Mittelschule. Und als wären das nicht genug der Herausforderungen, erwartet den Bürgermeister in spe auch noch eine Finanzlage, die er selbst als „prekär“ bezeichnet. „Im Grunde können wir uns als Gemeinde nichts leisten.“

Und doch betont Thoma, freue er sich „riesig“ auf die kommenden Aufgaben. Zumal er bis vor gut einem halben Jahr selbst nicht damit gerechnet hätte, dass er seinen Posten als Siemens-Manager für den Chefsessel im Rathaus aufgeben würde. Denn seinerzeit war Thomas Vieweg als Bürgermeisterkandidat der CSU gesetzt. Doch dann wurde der Polizeidirektor in eine Taskforce zum Aufbau des neuen Drohnenabwehrzentrums in Erding berufen, worauf er seine Bewerbung zurückzog. In aller Eile brauchte die CSU einen neuen Kandidaten und wählte in Sebastian Thoma einen Neuling in der Kommunalpolitik.

Sebastian Thoma ist erst 2014 in die CSU eingetreten

Der promovierte Physiker ist erst 2024 in die Partei eingetreten – aus zwei Gründen, wie er sagt. Zum einen sei er damals unzufrieden mit der Ampel-Politik gewesen. Zum anderen habe er in seinem Heimatort – insbesondere in der Eschen- und Lindenpassage – gemerkt, „welches Potenzial Taufkirchen hat, aber dass gleichzeitig nichts passiert“.

Nach einem Wahlkampf mit zahlreichen Haustürbesuchen holte Thoma am 8. März 38,4 Prozent der Stimmen. Zwei Wochen später setzte er sich in der Stichwahl mit 58 Prozent gegen Naciye Özsu (SPD) durch. „Ich wusste, dass es in Taufkirchen eine starke CSU-Basis gibt“, sagt der künftige Bürgermeister, der seit 1993 in der Gemeinde lebt. „Aber dass ich so gut abschneide, hat mich überrascht und sehr gefreut.“

Zugleich spüre er seit seiner Wahl eine „große Erwartungshaltung“, sagt Sebastian Thoma. Diese empfinde er aber nicht als Bürde, sondern als Ansporn. „Es hat mich extrem gereizt, am Ende meiner beruflichen Karriere noch mal die Chance zu bekommen, Dinge in meiner Heimatgemeinde positiv zu verändern.“ Sagt’s, und blickt hinüber zur Eschenpassage, die Lindenpassage im Rücken – zwei Orte, die dringend einer solchen positiven Veränderung bedürfen.

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