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Bürgerhaus Garching:Bühne frei auf der Baustelle

Obwohl die Sanierung des Garchinger Bürgerhauses noch nicht abgeschlossen ist, finden dort wieder Kulturveranstaltungen statt. Lärmintensive Arbeiten sollen in der Spielpause im August erledigt werden

Thomas Gotterbarm verfügt über die Gabe, Dinge auf den Punkt zu bringen: "Wichtig ist, dass der Vorhang aufgeht", sagt er. Einen Tag, bevor der Kulturbetrieb im Garchinger Bürgerhaus wieder startet, steht der neue Kulturreferent am Mittwoch im großen Saal. Rings um ihn arbeiten Handwerker, die Bühnentechnik testet die Beleuchtung und eben, ob der Vorhang aufgeht. Einige Männer tragen gerade die Stühle herein. Auf den ersten Blick sieht alles noch nach Baustelle aus, sich hier eine Kulturveranstaltung vorzustellen, fällt schwer. Aber die Veranstaltungen werden stattfinden. Simone Peters von der Bauabteilung der Stadt versichert: "Alle sicherheitsrelevanten Dinge sind abgeklärt."

Die Neuerungen sind für die Zuschauer eher zu spüren als zu sehen, auffällig sind allerdings die Rohre des neuen Belüftungssystems.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Sanierung des Bürgerhauses beschäftige die Stadt nun schon seit fünf Jahren, sagt Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). Er könne sich vorstellen, dass mancher beim ersten Besuch enttäuscht sein werde, weil noch nicht alles fertig ist. Aber es handle sich eben um eine Großbaustelle. "Jedes Zahnrädchen muss ins andere greifen", sagt Gruchmann, und wenn das nicht passt, gibt es Verzögerungen. Die machen nicht nur Zeitpläne zunichte, sondern verteuern das Projekt auch. Aus den anfangs geplanten 4,4 Millionen Euro zur Renovierung sind mittlerweile fast zehn Millionen Euro geworden. "Aber ich habe dazugelernt", sagt Gruchmann.

Hereinspaziert: Kulturreferent Thomas Gotterbarm heißt Gäste willkommen, auch wenn noch nicht alles fertig ist.

(Foto: Stephan Rumpf)

Solche Baustellen müssten zügig in einem Rutsch durchgezogen werden. Die halbjährige Pause im vergangenen Jahr, um den Spielplan aufrecht zu erhalten, "das war kontraproduktiv", sagt der Bürgermeister. Doch er hofft, dass noch in diesem Jahr alle Arbeiten abgeschlossen sind. Dann werde es auch eine große feierliche Wiedereröffnung geben.

Simone Peters hat die Sanierung von Anfang an betreut. Zusammen mit ihrem Kollegen Maximilian Lang und dem Architekten Christoph Hilligloh erläutert sie, was schon alles passiert ist. Die Dächer sind saniert und gedämmt, die Fassade erneuert, einige wenige Holzfenster ausgetauscht, der neue Parkettboden ist verlegt, aber noch mit Spanplatten abgedeckt, neue Oberlichter sind eingebaut, die Beleuchtung wurde auf moderne LEDs umgestellt, die Lüftungsanlage ist neu, ebenso wie die Heizungsanlage und die Elektrik. Zudem gibt es im Haus jetzt ein innovatives Kühlkonzept, das die entstandene Wärme zur Kühlung verwendet. "Das gibt es erst drei oder vier Mal in Deutschland", sagt Lang. Dafür habe es auch Zuschüsse vom Bund gegeben. Was so schnell aufgezählt ist, war jedoch mit einem Riesenaufwand verbunden. "Dafür liegen wir nicht schlecht in der Zeit", sagt Peters.

Die Arbeiten werden weitergehen unter laufendem Kulturbetrieb.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Es waren eben viele Kleinigkeiten", antwortet Architekt Hilligloh auf die Frage, warum sich die Fertigstellung so verzögert. Das Haus wurde 1977 gebaut, Hilligloh spricht von einer "Bausubstanz, mit der man so nicht gerechnet hat", zum Beispiel seien die Flachdächer anders gebaut gewesen als heute üblich. Gerade von der technischen Infrastruktur her musste doch viel erneuert werden. Außerdem gab es laut Peters Brandschutzmängel. Aber die seien jetzt behoben und die Fluchtwege seien auch verbessert worden. Und es wurde alles so vorbereitet, dass eines Tages auch die Bühnentechnik nachrüsten kann. Aber noch funktioniere alles, sagt Gotterbarm, "und es ist unsere Verpflichtung, es so lange zu nutzen, wie es irgendwie geht". Gotterbarm erwartet, dass der Veranstaltungsbesucher "die Neuerungen nicht sieht, aber man spürt sie". Etwa die bessere Luft im Sommer, wenn sonst immer wieder Klagen laut wurden, dass es zu stickig im Saal war.

Der Kulturreferent berichtet, dass die Stadt noch versucht habe, den Mietvertrag für das Theaterzelt zu verlängern, als absehbar war, dass doch nicht alle Arbeiten bis Mitte Mai fertig sein würden. "Aber das Zelt war schon wieder weitervermietet", sagt Gotterbarm. Gleich nach der Auftaktveranstaltung am Donnerstag mit "Jump" wird am Wochenende das Stück "Die Drei von der Tankstelle" gespielt und auch eine Kindervorstellung wird es geben.

Die Bauarbeiten werden unter dem Kulturbetrieb weiterlaufen. Die noch ausstehenden lärmintensiven Arbeiten sind für die Spielpause im August geplant, auch der Boden soll dann noch einmal geschliffen und geölt werden. Das Restaurant und einige Büroräume werden in einem zweiten Bauabschnitt umgebaut, die Arbeiten dazu sind gerade in Planung - und der Keller kommt ganz zum Schluss. Auch die Bücherei muss noch warten, bis der neue Lesegarten fertig ist. Rundherum ist ebenfalls noch viel zu tun: Eine neue Bushaltestelle, ein Stellplatz für die Busse der Künstler, zusätzliche Fahrradstellplätze und die Außenbeleuchtung fehlen noch, Bepflanzung sowieso. Aber dann kann gefeiert werden. Termin noch unbekannt.