Es ist jetzt schon ein Haus mit Geschichte, obwohl dafür bislang nur Pläne existieren. Seit Monaten tobt ein heftiger Streit zwischen der Gruppierung Wir in Pullach (WIP) und dem Rest des Gemeinderats über die Notwendigkeit dieses Bauvorhabens. Bevor am 25. Februar der Wähler bei einem Bürgerentscheid klärt, ob sich die Gemeinde sozialen Wohnungsbau an der Heilmannstraße leisten soll, hatten Gegner und Befürworter am Donnerstag bei einer Diskussionsveranstaltung unter der Moderation des BR-Journalisten Dietmar Gaiser ("Jetzt red i") Gelegenheit, sich die Argumente beider Seiten anzuhören und zu Wort zu melden. Am Ende der Veranstaltung im vollbesetzten Sportheim waren die meisten der etwa 200 Besucher so schlau wie zuvor. "Das haben wir alles schon gewusst", sagte eine Pullacherin.

Veranstalter der Debatte war die WIP, die zu Beginn ein professionell gestaltetes Video zeigte, in dem sie ihre Argumente gegen den sozialen Wohnungsbau wiederholte. Nicht gezeigt wurde das von Grünen-Gemeinderat Fabian Müller-Klug mit Unterstützung von CSU, SPD und FDP gedrehte Video, in dem die Befürworter des Bauvorhabens die Sinnhaftigkeit des sozialen Wohnungsbaus erklären, wie sie es seit Wochen schon auf Flyern, im Internet und im Gemeinderat getan haben.
Gemeinderat Reinhard Vennekold, der zusammen mit Christine Salfer die WIP auf dem Podium vertrat, stellte abermals klar, dass für seine Gruppierung der Schulbau, das neue Schwimmbad und die Sanierung des Bürgerhauses Priorität hätten. Kosten insgesamt: 73 Millionen Euro, was kaum Spielraum für weitere Projekte biete. Außerdem seien die Baukosten mit 8300 Euro pro Quadratmeter und der Mietpreis von "18 Euro pro Quadratmeter" exorbitant hoch, zumal vor dem Hintergrund einer "dramatischen Entwicklung, der Rücklagen", die "nur noch 15 Millionen" betragen würden.

Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) und FDP-Gemeinderat Alexander Betz widersprachen deutlich, vor allem, was die Daten betraf, die Vennekold ins Spiel brachte. Die 8300 Euro Baukosten pro Quadratmeter seien "nicht falsch", sagte Tausendfreund, allerdings seien darin auch die Kosten für das Grundstück und die Mehrwertsteuer miteingerechnet. "Ohne das Grundstück landen wir bei 6000 Euro", sagte Tausendfreund. Die 18 Euro Miete für den Quadratmeter seien indes grundfalsch. Hierzu gebe es noch nicht einmal einen Gemeinderatsbeschluss: "Wir peilen aber 12,50 Euro an."
Im Laufe des Abends korrigierten Tausendfreund und Betz nach und nach die Darstellungen der WIP, auch was die Höhe der Rücklagen anbelangt. Die Debatte blieb bis zum Ende friedlich, abgesehen von Geplänkeln. So etwa regte sich Bürgermeisterin Tausendfreund über eine im WIP-Video zu vernehmende Behauptung von Beate von Bergwelt auf. Laut Kämmerer betrügen die Rücklagen 15 bis 38 Millionen Euro, "aber so genau weiß man das auch nicht", sagt die WIP-Vertreterin im Video. Das sei schnippisch gesagt, hielt ihr daraufhin die Bürgermeisterin vor und korrigierte die Rücklagenspange auf 15 bis 59 Millionen Euro. Pullachs Kämmerer André Schneider, der im Publikum saß, schüttelte angesichts der Behauptungen der WIP-Vertreter mehrmals am Abend den Kopf. Am Dienstag im Gemeinderat werde er den genauen Rücklagenstand bekanntgeben, sagte Schneider der SZ; und der betrage 51,7 Millionen Euro, das 100-fache der gesetzlich festgeschriebenen Mindestrücklage.
Später stellte das Publikum zahlreiche Detailfragen. Es ging um Planungskosten, Verzinsung und Bodenrichtwert. Mehrmals monierten Redner, dass es sich bei dem Bau um ein Luxusobjekt handle, eines mit Fußbodenheizung, Parkett und beheizbaren Handtuchhaltern. Bei einem Luxusprojekt, so antwortete die Bürgermeisterin, würde die Gemeinde keine staatlichen Zuschüsse erhalten. Ein Bürger verglich die reinen Baukosten in Höhe von 6000 Euro pro Quadratmeter mit denen von Projekten anderer Kommunen, in Neufahrn etwa, wo für 2050 Euro gebaut worden sei. Darauf antwortete ein Eigentümer einer Münchner Wohnbaugesellschaft: "Mit 2000 Euro kann niemand Wohnungen bauen." Tausendfreund: "Dieses Projekt ist fantastisch und passt so gut zu Pullach, dass wir es umsetzen sollen. Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir das nicht täten."