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Brunnthals Grüne und der Windkraftkritiker:Beziehungskrise

Windrad bei Welshofen, 2019

Ein Frevel oder schlicht notwendig: Windkraftanlage im Forst.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Grüne hadern mit Bürgermeisterkandidat, der Windkraft im Hofoldinger Forst ablehnt.

In dem mit aller Härte ausgetragenen Konflikt um Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst finden sich die Grünen plötzlich an der Seite von Windkraft-Gegnern wieder. Denn die Grünen sind Teil eines Vier-Parteien-Bündnisses, das Bürgermeisterkandidat Jürgen Gott von den Parteifreien Wählern Brunnthal (PWB) unterstützt, der sich vehement gegen den Bau auch nur einer einzigen Windkraftanlage in dem Wald wehrt.

Gott spricht von "Wahnsinn", weil der "schöne große Forst" sonst zerstört werde. Die Grünen in Brunnthal sehen das klar anders. Das Bündnis aufkündigen wollen sie deshalb bisher aber nicht.

Lange hielt sich Grünen-Gemeinderätin Hilde Miner bedeckt, wie sie zu dem von der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Hofoldinger Forst ausgehandelten Ziel steht, vier Windräder zu errichten. Der Wald sei schützenswert, sagte sie immer, betonte aber zugleich die Bedeutung der Windkraft im Kampf gegen den Klimawandel. Mittlerweile sagt sie deutlich: "Ich meine, dass der Nutzen der vier Windkraftanlagen bei weitem das übertrifft, was sich an Nachteilen finden lässt." Die von den Gegnern vorgebrachten Befürchtungen, der Wald werde zum Industriegebiet, ließen sich in keiner Weise halten. Es sei erstaunlich, wie ohne mit den Wimpern zu zucken Autobahnen gebaut und Gewerbegebiete ausgewiesen würden, doch bei der Windkraft heiße es plötzlich: "Halt, Schluss mit der Naturzerstörung."

Das hat erst diese Woche auch Jürgen Gott gerufen, der mit Hilfe von PWB, UBW, SPD und auch den Grünen den amtierenden CSU-Bürgermeister Stefan Kern aus dem Amt drängen will. Gott stand am Dienstag auf der Demonstration, bei der 150 Windkraftkritiker lautstark Druck für einen Komplett-Ausstieg aus den Windkraft-Plänen machten, in vorderster Front. Auf die Frage, wie er zur Windkraft stehe, sagte er: "Natürlich gegen die Windradl." Auf Nachfrage zieht er Beteuerungen der Energieagentur Ebersberg-München und der Arge-Vertreter in Zweifel. Es würde am Ende nicht bei vier Windrädern bleiben, sagt er. Und es würde Wald in beträchtlichem Maß zerstört, wenn die langen Rotorblätter angeliefert oder ausgetauscht würden.

Rodung fürs Gewerbegebiet

Dass vor Jahren für das Gewerbegebiet Brunnthal-Nord Bannwald gerodet wurde, hält Gott dagegen im Rückblick für vertretbar. Das sei an der Autobahn, sagt er, dieser Wald sei nicht so hochwertig gewesen. Dass seine Meinung mit Grünen-Positionen schwer vereinbar ist, sieht Gott auch. Er werde mit Miner reden, um eine gemeinsame Linie zu finden.

Im Grünen-Ortsverband wird auch bereits diskutiert, wie man mit Gott umgehen soll. Miner sagt, sie sei nach den bisherigen Erfahrungen zuversichtlich, dass ihr Bürgermeisterkandidat für Fakten und Argumente zugänglich sei. Meinungsverschiedenheiten gehörten auch zur Demokratie. "Schauen wir mal, wo die Reise hingeht." In Brunnthal entscheidet der Gemeinderat nächsten Mittwoch über den Verbleib in der Arge.