bedeckt München 17°

Brunnthal:Potenziale entdecken

Im Ort soll die Fernwärme eine größere Rolle spielen

Von Bernhard Lohr, Brunnthal

Ein Fachbüro wird in Brunnthal ermitteln, wie groß bei Privathaushalten und Gewerbebetrieben der Wärmebedarf und die Bereitschaft, diesen über Fernwärme aus klimafreundlichen Quellen zu decken. Die Verbraucher sollen über Konzepte einer Fernwärmenutzung informiert werden. Der Gemeinderat hat das so beschlossen. Der Initiator des Antrags, Grünen-Gemeinderat Michael Lechner, sagte, dass Brunnthal mit seinen benachbarten Geothermie-Anlagen und Wäldern, die als Energiequelle Biomasse liefern könnten, gute Chancen bei der Energiewende habe.

Doch Bürgermeister Stefan Kern (CSU) stellte infrage, dass mit solch einer solchen Untersuchung irgendetwas erreicht werden könne. Er berichtete von vielen Gesprächen etwa mit der Energieversorgung Ottobrunn (Evo), den früheren Betreibern der Geothermieanlage in Kirchstockach und der Bioenergie Taufkirchen, die alle mit der ernüchternden Erkenntnis geendet seien, dass sich ein Wärmenetz in einer Flächengemeinde wie Brunnthal nicht lohne. Bei einer Kalkulation habe sich gezeigt, dass der CO₂-Ausstoß durch den Strombedarf für die Pumpen höher sei als die CO₂-Einsparung durch den Verbrauch regenerativer Energie. Schließlich habe die Evo zugesagt, zumindest Verbraucher anzubinden, bei denen Versorgungsleitungen vorbeiliefen. Doch habe eine Befragung in Kirchstockach nur einen Interessenten ergeben. "Man braucht einen, der das wirklich umsetzen will", sagte Kern, der empfahl auf eine Expertise des Landkreises zu warten, die ebenfalls Aufschluss über Fernwärmepotenziale bieten soll.

Michael Lechner hielt dagegen und sagte, dass von Ende 2025 an keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden dürften. Der CO₂-Preis auf Heizöl und Benzin werde 2030 auf 180 Euro pro Tonne steigen. Solarthermie werde ebenso gefördert wie der Aufbau von Biomasseheizkraftwerken. "Unter diesen Gegebenheiten muss die Gemeinde Brunnthal hier voranschreiten und die Basis für eine regenerative Wärmeversorgung schaffen." Absolut hilfreich wäre, die Kosten für Fernwärmeanschlüsse zu ermitteln. Matthias Amtmann (UBW) nannte es ein "Zukunftsprojekt", Brunnthal bis 2030 "energieautark" zu machen.

Während Christina Schmidt (CSU) sich skeptisch äußerte und konstatierte, dass viele keinen Mehrwert in einer Fernwärmeversorgung sähen, sagte Andreas Langner (CSU), dass in Oberhaching an vielen Orten Fernwärmeleitungen verlegt würden. Ein Fachmann sollte dem Gemeinderat die Hintergründe erläutern. Schließlich stimmte der Gemeinderat einstimmig für den Grünen-Antrag.

© SZ vom 21.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite