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Brunnthal:Eine Stiftung als Bauherr überzeugt

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Die "Josef und Luise Kraft-Stiftung" wurde 1986 per Testament als Erbin des namensgebenden Münchner Ehepaars gegründet, um das Unternehmen Kraft-Baustoffe fortzuführen. Sie ist Inhaberin aller Unternehmen der Kraft-Gruppe an acht Standorten. Der Jurist Harald Mosler führt die gemeinnützige Stiftung. Schon zu Lebzeiten hatte sich das kinderlose Ehepaar Kraft der Krankheit Multiple Sklerose gewidmet und festgelegt, die Stiftung solle die "Förderung mittelloser und unterstützungswürdiger alter Menschen" zum Ziel haben. Unterstützt werden Projekte gegen Altersdiskriminierung, Altersarmut und Vereinsamung, die Nachhaltigkeit versprechen, aber auch Wissenschaft und Forschung, getreu Josef Krafts Motto: "Meine Vision ist eine Gesellschaft, in der das Alter wie die Jugend gefeiert wird." ABO

Der Gemeinderat goutiert Planungen für ein Zentrallager der Kraft-Baustoffe in Kirchstockach

Von Angela Boschert, Brunnthal

Da war selbst Bürgermeister Stefan Kern (CSU) am Vorabend seines Urlaubs verblüfft: Die 19 Gemeinderatsmitglieder befürworteten einstimmig, die Planungen für ein Zentrallager mit Verwaltungsräumen weiterzuverfolgen, das auf der Fläche der Kompostieranlage in Kirchstockach errichtet werden soll. Das Konzept sieht ein begrüntes Gebäude vor und deutlich weniger Lärm, Staub und Verkehr. Die Gemeinde darf mit mehr Gewerbesteuern und Unterstützung bei Seniorenprojekten rechnen. Denn der Bauherr ist die Josef und Luise Kraft-Stiftung.

Kraft-Baustoffe, deren Eigentümer die Stiftung ist, braucht ein neues Zentrallager, weil die Kraft-Lastwagen derzeit zu verschiedenen Standorten fahren müssen, um eine Baustelle mit allen Materialien beliefern zu können, erklärte Stiftungsvorstand Harald Mosler in der Sitzung am Mittwoch. Das zwischen Vergärungsanlage im Norden und Geothermie im Süden geplante Zentrallager auf dem Ganser-Gelände würde zeitaufwendige Fahrten sparen. Das Besondere an dem neuen Lager mit etwa 20 500 Quadratmeter Grundfläche erläuterte Michael Wimmer von 03 Architekten, München: In das etwa zwölf Meter hohe Gebäude fahren die Lastwagen der Lieferanten durch die Zufahrt im Norden hinein, werden bei geschlossenen Hallentüren entladen und verlassen das Gelände auf kürzestem Wege wieder. Die Lastwagen werden innerhalb der Lagerhalle mit Baustoffen von Holz und Dämmstoffen bis zu Trockenwänden beladen. Die Dächer und Fassaden des rechtwinkligen Gebäudes werden begrünt und mit Photovoltaik-Panels versehen. Im sogenannten Animal Added Design sollen ökologische Nischen am Gebäude geschaffen werden. Anfallendes Regenwasser soll vor Ort versickern und könnte in das westlich gelegene Biotop eingeleitet werden. Ob und wie die nahe Geothermieanlage für Synergieeffekte, etwa Heizen, genutzt werden kann, muss noch per Gutachten geklärt werden.

Das Projekt verspricht vielerlei Entlastung: Starke Reduktion von Staub, Geruch und Lärm auf dem Gelände und in der Nachbarschaft, weil das Lager und die Ladezonen in der Halle liegen. Der jetzige Kompostierplatz entfalle, dort führen keine Maschinen mehr umher. Kirchstockach werde als Siedlungsgebiet aufgewertet, sagte Architekt Wimmer in seiner Präsentation, und es entstünden 50 Arbeitsplätze. Die Anwohner hatten bereits zu Beginn des vergangenen Jahres eine Unterschriftenliste pro Kraft-Lagerhalle an Bürgermeister Kern übergeben, sagte Matthias Ganser von der Ganser Umwelt-Gruppe.

Bürgermeister Kern und viele Gemeinderäte zeigten sich gleichwohl besorgt wegen der Verkehrsbelastung. Die Baustoffe würden nach wie vor mit Lastwagen an- und abgeliefert, und nicht nur mit lautlosen Elektro- oder Wasserstofffahrzeugen. Denn die Anlieferung erfolgt durch Fremdfirmen. Der Abgleich der Zahlen habe ergeben, dass es nicht mehr Verkehr als heute werde, antwortete Wimmer, ein Verkehrsgutachten sei der nächste Schritt. "Es werden auch nicht immer Lastwagen fahren, in München liefern wir bis zu 300 Kilogramm mit E-Bikes aus", ergänzte Mosler. Während Robert Huber von der Parteifreien Wählervereinigung PWB appellierte, "wir dürfen jetzt nicht so lange rumeiern wie bei anderen Projekten und diese Chance vertun", es sei ein Schritt, die Umgehungsstraße anzubinden, wünschte Michael Lechner (Grüne), erst die Südzufahrt zum Ganser-Gelände oder beides zusammen zu bauen. Bis zur Umsetzung der südlichen Zufahrt vergingen jedoch zehn bis fünfzehn Jahre, warnte Kern. Die Firma Kraft brauche jetzt eine Halle, so Mosler, man möge sein Angebot prüfen. Es gehe um die Stiftung, Gewinnmaximierung sei nicht sein Ziel.

Eine Stiftung als solider, stabiler Eigentümer, die sich für Seniorenprojekte am Ort einsetzt, dazu ein Unternehmen, das stetig Gewerbesteuer zahlt, überzeugte letztlich. Die Planungen sollen vorangehen, der Hallenbau könnte 2024 beginnen. Bis 2035 sollen Kies- und Betonwerke verschwinden, dann laufen die Pachtverträge für die Biomüllvergärung aus. Das Ganser-Gelände könnte ein grüner Gewerbepark, der "Ganser 3.0", werden, so Matthias Ganser hoffnungsfroh.

© SZ vom 14.05.2021
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