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Brunnthal:Eine Hütte zum Feiern

Die Faistenhaarer Burschen dürfen am Sportplatz bauen

Von Angela Boschert, Brunnthal

Zu einem Burschenverein gehört eine zünftige Hütte. Der Maibaum soll schließlich nicht von einem flattrigen Zelt aus bewacht werden und "der Zusammenhalt eines Vereins braucht einen festen Treffpunkt", ist Jakob Hofer von den Faistenhaarer Burschen überzeugt. Er hat Grund zur Freude. Der Verein darf eine Hütte am Ortsrand in der Nähe des Sportplatzes errichten und die Gemeinde Brunnthal übernimmt einen großen Teil der Kosten.

Die Entscheidung des Gemeinderats fiel denkbar knapp aus. Mit elf zu zehn Stimmen, also der CSU-Mehrheit, entschied das Gremium, die Kosten für das Bauleitverfahren, den Bauantrag, die Planung, den Grunderwerb und die Erschließung der Fläche zu übernehmen. Die Gemeinde zahlt auch eine feste Bodenplatte für die Hütte, die vergangenes Jahr für 10 000 Euro von den Taufkirchner Burschen erworben wurde.

Dieser knappen Entscheidung ging eine kernige, höchst leidenschaftliche Diskussion darüber voraus, was Brauchtum soll, was es darf und was eben nicht. Einig war man sich, dass Brauchtum und damit auch der Burschenverein zu Faistenhaar gehören. Schließlich gibt es in Hofolding und Brunnthal bereits Burschenvereine mit festen Hütten. Nun haben auch die Faistenhaarer Burschen nach zweijähriger Suche nördlich der Tannenstraße, östlich des Grundstücks des Busunternehmens Geldhauser in Faistenhaar einen möglichen Standort für ihre gefunden. Allerdings ist es als Ausgleichsfläche vorgesehen und liegt direkt bei der geplanten Wasserstofftankstelle.

Sie sei Wohnhäusern zu nahe, warnten viele Gemeinderatsmitglieder. Wobei der Abstand für Bürgermeister Stefan Kern (CSU) auf dem Luftbild 300 Meter, für Hilde Miner (Grüne) und Matthias Amtmann von der Unabhängigen Brunnthaler Wählergruppe (UBW) hingegen nur 180 Meter betrug. Eine Burschenhütte habe "kulturellen Wert", warb Kern für den Bau. "Beim Maibaumtanzen werden Freundschaften fürs Leben geschlossen." Die parteifreie Ulla Gocke dagegen fand den Platz "ungünstig". Sie selbst gehe dort Stockschießen, doch kaum dass es 22 Uhr sei, beschwerten sich die Anwohner, obwohl es bei ihrem Spiel nur "klack" mache. Sonja Hahnel (UBW) berichtete, dass dort schon Kinder "störten", die auf dem Sportplatz Fußball spielen. "Überall, wo sich Jung und Alt begegnen, gibt es Probleme. In 40 Jahren sind wir froh, dass wir Brauchtum haben", hielt ihnen Zweiter Bürgermeister Thomas Mayer (CSU) entgegen.

"Mir wird himmelangst bei der Diskussion", rief sein Fraktionskollege Andreas Langner aus und fragte, ob man sich zum Feiern wie die Kelten zwischen den Ortschaften treffen wolle. Nach knapp einer Stunde Diskussion entschied das Gremium, dem Traditionsverein seine Hütte wie gewünscht zu genehmigen und ihre Mithilfe mit insgesamt circa 65 000 Euro zu unterstützen.

© SZ vom 08.12.2020
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