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Brunnthal:Drei an einem Strang

Brunnthal, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Hohenbrunn wollen die Gewerbeentwicklung vorantreiben und koordinieren

Von Bernhard Lohr, Brunnthal

Die Gemeinden Brunnthal, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Hohenbrunn wollen mit Unterstützung des bayerischen Bau- und Verkehrsministeriums die Gewerbeentwicklung in ihren Gemeinden vorantreiben und koordinieren. Bei einem Treffen der Bürgermeister mit Ressortchefin Kerstin Schreyer (CSU) im Ministerium wurde vereinbart, einen Planer damit zu beauftragen, Varianten für die Erschließung des 36 Hektar großen Geländes des Kiesunternehmens Ganser in Kirchstockach zu entwickeln. Zugleich soll es um geordnete Zufahrten zu Gewerbegebieten in Hohenbrunn und Höhenkirchen gehen. Auf dem Ganser-Areal sollen Aktivitäten im Bereich Wasserstoff-Technologie angesiedelt werden.

Die Firma Ganser hatte schon einmal einen Vorstoß in diese Richtung unternommen, was aber wegen der umstrittenen verkehrlichen Anbindung ins Stocken geriet. Nun aber tut sich offenbar etwas: So hat Ganser einen Partner der Technischen Universität München (TU) zur Seite, der in Kirchstockach mit Biogas Wasserstoff herstellen möchte. Ein entsprechendes Projekt wurde kürzlich im Brunnthaler Rathaus präsentiert. Zweiter Bürgermeister Thomas Mayer (CSU) sagte dabei seine Unterstützung zu und erklärte, das Vorhaben sei im Interesse der Gemeinde. Die Firma Ganser betreibt in Kirchstockach die Biomüllvergärungsanlage des Landkreises. Die Stadtwerke München bauen die dortige Geothermieanlage gerade aus und schaffen einen Fernwärmeanschluss nach Ottobrunn und weiter nach München. Der Standort gilt nicht zuletzt wegen seiner Nähe zur Autobahn als attraktiv, um dort Wasserstoff herzustellen. Vision wäre, in einem ersten Schritt Biomüll-Lastwagen mit Brennstoffzelle mit CO₂-frei hergestelltem Wasserstoff zu betanken.

Der Knackpunkt ist aber, die An- und Abfahrt so zu regeln, dass Anwohner nicht belästigt werden und die Lastwagen sicher verkehren können. Während die Firma Ganser zuletzt auf einen Ausbau der bestehenden Taufkirchner Straße setzte, ist nun laut Bürgermeister Stefan Kern (CSU) ein Umbau der Kreuzung der Rosenheimer Landstraße und Münchner Straße in Richtung Höhenkirchen im Gespräch. An der laut Kern unfallträchtigen Kreuzung geht es auch über die Luitpoldstraße weiter in Richtung Hohenbrunn und zu dortigen Gewerbegebieten. Verfolgt werden soll nun Kern zufolge die Idee, diese Abzweigung kreuzungsfrei auszubauen und von dort durch den Wald das Ganser-Areal anzubinden. Aus Sicht des Bürgermeisters könnte bei diesem ehrgeizigen Vorhaben ein übergeordnetes Planfeststellungsverfahren helfen, weil das bei den betroffenen Bürgern in Kirchstockach, aber auch in Hohenbrunn in der Luitpoldsiedlung Vertrauen schaffen würde. Es gelte, die Anwohner vor Belastung zu schützen, sagt Kern.

Das Verkehrsprojekt steht in engem Zusammenhang mit dem seit Jahren umstrittenen Ausbau der Unterführung in der Luitpoldstraße, der wiederum mit dem Wunsch einhergeht, die Bahntrasse mit einem zweiten Gleis zu ertüchtigen. Das Treffen im Ministerium habe im Beisein von Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) aus Höhenkirchen und Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) aus Hohenbrunn einer "ersten Abklärung der Möglichkeiten" gedient, heißt es in einer Mitteilung aus dem Brunnthaler Rathaus. Nun soll der Planer, der für Ganser Überlegungen zur Taufkirchner Straße angestellt hat, mögliche Varianten erarbeiten, die Freistaat und Landkreis fördern könnten. Weitere Treffen wurden vereinbart. Die Planungsansätze sollen dann Ministerium und Landratsamt sowie den Gemeinderäten vorgelegt werden.

© SZ vom 09.07.2020

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