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Brunnthal:Dem Alter eine Chance

Gemeinde überarbeitet Kriterien für Wohnungsvergabe

Als die acht Kommunalwohnungen in Brunnthals neuer Ortsmitte vergeben waren und sich die Gemeinderäte anschauten, wer jetzt dort wohnt, wunderte sich mancher. Denn es hatten sich vor allem junge Bewerber etwa wegen ehrenamtlicher Tätigkeit durchgesetzt. Lediglich eine Brunnthalerin im Rentenalter konnte eine der modernen, günstigen Mietwohnungen ergattern, die in einer Größe zwischen 46 und 83 Quadratmetern angeboten worden waren. Als Grund waren schnell die Vergaberichtlinien ausgemacht. Nun wurden diese geändert, damit bei den wohl im Mai 2020 bezugsfertigen neun Gemeindewohnungen in der Ayinger Straße 6 in Faistenhaar auch andere zum Zug kommen.

Bei den Vorberatungen war Bürgermeister Stefan Kern (CSU) jedenfalls dafür, die für die Ortsmitte getroffenen Kriterien auch für Faistenhaar anzuwenden, "damit nicht der Nasenfaktor" bestimmt, wie er sagte. Allerdings schlug er vor, nach der Erfahrung mit der Ortsmitte Senioren ab dem Alter von 70 Jahren zusätzliche Punkte gutzuschreiben. Ulla Gocke (CSU) pflichtete bei und argumentierte, dass die Zahl der Senioren, die auf Beistand der Gemeinde angewiesen sind, in Zukunft weiter steigen werde und sie machte den Vorschlag, abgestuft im Fünf-Jahres-Rhythmus für 70-, 75- und 80-Jährige zehn, 15 und 20 Punkte gutzuschreiben. Hilde Miner (Grüne) riet dazu, bereits mit dem Ausstieg aus dem Berufsleben Seniorenpunkte zu vergeben. Und ehe sie sich versahen, waren die Brunnthaler am Feilschen, wie Gerechtigkeit ins System zu bringen sei. Bis Geschäftsleiter Siegfried Hofmann warnte, das gesamte, genau austarierte System könnte in Schieflage geraten.

Die Sorge rührt daher, dass mittlerweile wegen EU-Vorgaben und möglicher Diskriminierung bei Wohnungsvergaben genau hingeschaut wird. Einheimischenmodelle wie früher funktionieren nicht mehr. Bürgermeister Kern erinnerte daran, dass 50 Prozent der Punkte nach sozialen Aspekten vergeben werden müssten. Ob nun das Alter ein soziales Kriterium ist oder nicht, schon darüber herrschte im Gemeinderat Uneinigkeit. Schließlich setzte man sich auf Vorschlag von Thomas Mayer (CSU) in kleinerer Runde noch einmal zusammen. Dies geschah und als am Mittwoch die neuen Kriterien dem Gemeinderat vorgelegt wurden, waren alle dafür. Jetzt bekommt 30 Punkte oben drauf, wer auf barrierefreien oder seniorengerechten Wohnraum angewiesen ist. Das Rathaus behält sich vor, in sachlich gerechtfertigten, sozialen oder anderen begründeten Ausnahmefällen vom Punkteergebnis abweichend zu entscheiden.