Brunnthal:Strom aus Biomüll - nicht mehr in Kirchstockach

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Biomüllvergärungsanlage in Kirchstockach, 2011

Die Vergärungsanlage war 1997 neuester Stand der Technik.

(Foto: Angelika Bardehle)

Der Landkreis und die Entsorgungsfirma unterzeichnen einen Aufhebungsvertrag über den Betrieb der Anlage. Die Sammelstelle bleibt, vergärt wird aber woanders.

Von Bernhard Lohr, Brunnthal

Seit bald 25 Jahren hat der Landkreis München in Kirchstockach gezeigt, dass Bananenschalen, verwelkte Blumen und Grünschnitt ein wertvoller Rohstoff sein können. Die dort im Jahr 1997 in Betrieb gegangene Biomüllvergärungsanlage war zu Beginn ein weithin bestauntes Pilotprojekt. Aus dem Inhalt der Biotonnen entsteht bis heute in gewaltigen Reaktoren Biogas, aus dem in Blockkraftwerken direkt Strom erzeugt wird. Doch damit ist Ende 2021 Schluss. Der Betrieb der Anlage wird eingestellt. Der Biomüll wird künftig außerhalb des Landkreises verwertet und wohl auch für die Gewinnung erneuerbarer Energie genutzt. Wie es vom Landratsamt heißt, werden die bestehenden Standards weiter gelten.

Viel mehr ist allerdings nicht zu erfahren. Landrat Christoph Göbel (CSU) und Matthias Ganser, der Chef der Betreiberfirma in Kirchstockach, verweisen auf ein vereinbartes Stillschweigen. Auch was die Gründe für die Stilllegung der Anlage angeht. In der Vergangenheit war sie mehrmals technisch nachgerüstet worden. Erst kürzlich wurde ein neuer Reaktor aufgestellt und Generatoren an ein Fernwärmenetz angeschlossen, um über die Stromproduktion hinaus Restwärme zu nutzen. Zuletzt war wegen des Auslaufens der Vergütung durch das Erneuerbare Energiengesetz über technische Alternativen in Kirchstockach diskutiert worden. Eine notwendige Aufrüstung der technisch veralteten Anlage, um weiter EEG-Mittel zu erhalten, galt als aufwendig. Eine Idee, die Ganser eine Zeitlang favorisiert hat: Wasserstoff-Produktion aus Bioabfällen nach einer innovativen Methode einer Firma aus Peißenberg. Daraus wurde offenbar aber nichts.

Sicher ist, dass zwischen dem Landkreis und der Ganser Entsorgung GmbH ein Aufhebungsvertrag unterzeichnet worden ist. Wie Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) am Dienstag im Gemeinderat sagte, läuft derzeit ein Ausschreibeverfahren, wer in Zukunft den Biomüll zur Verwertung übernimmt. In Kirchstockach wird von kommendem Jahr an der Biomüll aus den Landkreis-Kommunen nur noch angeliefert, gewogen, gelagert und schließlich umgeladen, um dann, wie es heißt, in einer Anlage außerhalb des Landkreises weiterverarbeitet zu werden. Derzeit werden laut Landratsamt 30 000 Tonnen Biomüll aus dem Landkreis und auch aus der Stadt München in Kirchstockach in den Reaktoren zur Biogasproduktion genutzt. Mit der produzierten Strommenge können etwa 3000 Haushalte versorgt werden. Die Gärreste werden als Torf an Gartenbauunternehmen abgegeben.

Das Auslaufen des Betriebs in Kirchstockach hat der Umweltausschuss des Kreistags in nichtöffentlicher Sitzung im Juli beschlossen. Bekannt wurde das jetzt, weil damit für die Kommunen, die für das Einsammeln und den Transport des Biomülls zu einer Verwertungsanlage zuständig sind, auch Veränderungen einhergehen. Der Haarer Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, diese Aufgabe an den Zweckverband München Südost (ZVMSO) zu übertragen, in dem unter anderem mit Unterhaching Taufkirchen, Ottobrunn, Grünwald und Feldkirchen zehn weitere Kommunen aus dem Osten und Süden des Landkreises diese Aufgabe organisieren wollen. Dem Vernehmen nach hält der Landkreis bis 2035 in Erbpacht das Grundstück in Kirchstockach. Die weitere Entwicklung dort ist offen. Ganz abgeschrieben hat es der Landkreis, wie es heißt, womöglich nicht, selbst wieder Biomüll in einer Anlage energetisch hochwertig zu nutzen, wie man es von 1997 an gemacht hat. Die CSU-Kreistagsfraktion hat einen Prüfantrag gestellt, die Möglichkeit einer Wasserstoff-Produktion aus Biomüll zu untersuchen.

Der Landkreis München bildet mit dem Landkreis Ebersberg und Landshut seit 2019 die "HyLand-Wasserstoffregion", in der mit Hilfe von Bundesmitteln erprobt werden soll, wie Wertschöpfungsketten ausgehend von der Produktion von Wasserstoff bis hin zum Einsatz in Wasserstoff-Bussen im Nahverkehr aufgebaut werden können. In Pfeffenhausen bei Landshut entsteht ein Wasserstoffzentrum, dessen Aufbau vom Bundesverkehrsministerium mit etwa 100 Millionen Euro finanziert wird.

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