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Boardinghaus:Ja, nein, vielleicht

Büropark Oktavian an der Feringastraße in Unterföhring

In zwei der drei Oktavian-Türmen soll nach dem Willen eines Investors aus Grünwald ein Boardinghaus eingerichtet werden.

(Foto: Florian Peljak)

Erst verhandelt Unterföhring mit dem Investor, um ein Boardinghaus in den Oktavian-Türmen klein zu halten. Dann stoppt der Gemeinderat das Bebauungsplanverfahren - und müsste nun wesentlich mehr Betten akzeptieren

Der Unterföhringer Gemeinderat hat bei einem Thema offenbar komplett den Überblick verloren - und auch die Rathausverwaltung tut sich mittlerweile schwer, den Lokalpolitikern die Umstände so zu erklären, dass alle zufrieden sind: Die Rede ist von der Umwandlung der drei Oktavian-Bürotürme in ein Boardinghaus, die den Gemeinderat seit fast zwei Jahren beschäftigt. Ein Ende der langwierigen Debatten ist nicht in Sicht. Im September wollen die Kommunalpolitiker ein weiteres Mal über das Vorhaben entscheiden, für das es bereits einen vom Landratsamt genehmigten Vorbescheid gibt. Und damit das gemeindliche Einvernehmen gar nicht mehr nötig ist, wie der Unterföhringer Bauamtsleiter Lothar Kapfenberger nicht müde wird zu erklären.

Im Mai hatte der Gemeinderat mit knapper Mehrheit das Bebauungsplanverfahren für das Vorhaben eines Investors aus Grünwald gestoppt, der in den Oktavian-Türmen an der Münchner Straße ein Boardinghaus plant. Zu diesem Zweck sollten zwei der drei markanten Bürotürme zu einem solchen Beherbergungsbetrieb umgebaut werden. Sehr zum Ärger der Unterföhringer Hoteliers, die Umsatzeinbrüche fürchten und in der Vergangenheit deutlich gegen das Projekt protestierten. Die Gemeinde wollte das Boardinghaus ursprünglich wegen seiner Größe ganz verhindern, musste einer Nutzungsänderung aber schließlich zustimmen, da das Projekt aus Sicht des Landratsamts alle Vorgaben des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet an der Feringastraße einhält.

Um das Bauprojekt für die Beteiligten möglichst verträglich zu gestalten, führte die Kommune seit vielen Monaten Gespräche mit dem Investor, das Verfahren für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan wurde eingeleitet. Demnach sollte das Boardinghaus etwa 850 Betten haben. Mit der knappen Entscheidung des Gemeinderats im Mai wurde alles wieder zurück auf Anfang gestellt. Den Lokalpolitikern lagen in der fraglichen Sitzung die Entwürfe für die Gestaltung der Fassaden vor - darüber hätte eigentlich abgestimmt werden sollen. Gemeinderat Günther Ernstberger von der Parteifreien Wählerschaft (PWU) allerdings beantragte einen Abbruch des Verfahrens - ein Vorschlag, den das Gremium mit zwölf zu zehn Stimmen annahm.

Wie vom Unterföhringer Bauamtsleiter erwartet, haben die Investoren daraufhin einen neuen Bauantrag gestellt, um das Projekt nun mit bis zu 1180 Betten in 776 Zimmern zu verwirklichen. Der Bauausschuss verwies das Vorhaben Anfang Juli an den Gemeinderat - angesichts der städtebaulichen Bedeutung der drei Türme am Ortseingang von Unterföhring. In diesem Gremium herrschte in der jüngsten Sitzung nur in einem Einigkeit: Man wolle doch viel lieber die lange verhandelte kleinere Variante, sagte etwa Thomas Weingärtner von der SPD, die gegen eine Einstellung des Verfahrens gestimmt hatte. Aus diesem Grund solle die Kommune das beendete städtebauliche Verfahren wieder aufnehmen. Das könne aber an diesem Abend nicht beschlossen werden, informierte Hauptamtsleiter Lothar Kipp den Gemeinderat, weil es nicht auf der Tagesordnung steht. Jetzt gehe es um die Nutzungsänderung der Bürotürme in einen Beherbergungsbetrieb - und um nichts anderes. "Das wäre nun ein Ladungsmangel", sagte Kipp, die Beschlüsse könnten deshalb ungültig sein.

Zweite Bürgermeisterin Betina Mäusel (CSU) äußerte ihr Unverständnis und plädierte für eine Vertagung. "Wir sollten nicht auf formaljuristische Dinge abheben", sagte sie. Rathauschef Andreas Kemmelmeyer (PWU) erinnerte das Gremium daran, dass jeder in der Mai-Sitzung gewusst habe, worüber er abstimmt, als das Verfahren gestoppt wurde. Nun müsse über den Bauantrag entschieden werden. Johannes Mecke (Grüne), der in besagter Sitzung nicht da war, stellte die Frage, ob nicht das Stoppen des Bebauungsplanverfahrens durch eben einen Ladungsmangel verursacht worden und damit ohnehin ungültig sei. Er habe Informationen von dem Investor, dass dieser die Sache ruhen lassen wolle, auch wenn er unabhängig von der Unterföhringer Entscheidung zur Nutzungsänderung die Genehmigung des Landratsamtes habe. Nach weiteren Wortmeldungen wurde das Thema schließlich abgesetzt.

Sebastian Koch, Architekt von Grundkontor Projekt GmbH in München, verließ den Unterföhringer Sitzungssaal kopfschüttelnd. Er betont jedoch, dass auch dem Investor an einer Umsetzung des städtebaulichen Verfahrens auf dem Oktavian-Areal gelegen sei. Seitens der PG Münchner Straße GmbH bestehe die Bereitschaft, das Bauleitplanverfahren weiterzuführen, heißt es in einer Stellungnahme: Zu diesem Zwecke "würden wir auch alle bis zur Einstellung des Verfahrens mit der Gemeinde getroffenen Vereinbarungen weiterhin mittragen".