Es wird wohl auch in München noch einige Wochen dauern, bis Autofahrer den neuen Kraftstoff "E10" mit zehn Prozent Bioethanol tanken können. Weder Tankstellenbetreiber noch Sprecher von Mineralölkonzernen können derzeit mit Gewissheit sagen, wann das neue Benzin ausgeliefert und verkauft werden kann. "Der ADAC will Anfang des Jahres eine Umfrage unter den Konzernen machen, wann Autofahrer flächendeckend mit E10 rechnen können", erklärt Sprecher Maximilian Maurer.

Aufgrund des geänderten Immissionsschutzgesetzes muss zum Jahreswechsel in allen EU-Staaten der Bioethanol-Anteil in Kraftstoffen für Ottomotoren von fünf auf zehn Prozent angehoben werden. Dadurch verringert sich der Anteil fossiler Brennstoffe im Benzin, der Ausstoß an klimaschädlichem CO2 ist geringer. Trotzdem wird wohl kaum eine Münchner Tankstelle pünktlich am 1. Januar 2011 "E10" verkaufen können. "Wann es losgeht, wissen wir nicht", sagt Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen. "In den Lagern und Raffinerien, die den Kraftstoff nach DIN-Normen mischen, müssen die Produktionsprozesse geändert werden."
Womöglich, so Zieger, sei es mit der Umstellung des frostresistenteren Winter- auf den Sommerkraftstoff Ende März soweit. Doch wann genau - das weiß bei den Münchner Tankstellenbetreibern niemand. Das bestätigt auch Christian Amberger, Geschäftsführer der 35 Allguth-Tankstellen in München. "Rund um E10 ist noch vieles unsicher", sagt er. "Es gibt noch keine Preisnotierungen für den Einkauf, keine Preise für den Verkauf. Wir gehen davon aus, dass wir ab Mitte Januar bis in den März hinein das neue Produkt einführen können."
Zuvor müssen jedoch die Tankstellen auf das veränderte Angebot umgerüstet werden. "Die Zapfsäulen bleiben, die Tanks auch", sagt Judith Erdös vom Münchner Tankstellenbetreiber "Bavaria petrol". Künftig wird E10-Super der neue Hauptkraftstoff sein. Das bisherige Benzin mit nur fünfprozentigem Bioethanolanteil wird an wenigen Zapfsäulen für all jene Autofahrer angeboten, deren Fahrzeuge den neuen Kraftstoff nicht vertragen. Das ist bei rund zehn Prozent der Fall.
Die Umstellung bedeutet auch das Ende für das Normalbenzin, dem Kraftstoff mit der geringsten Oktanzahl. "Normalbenzin wird aus dem Verkehr gezogen", so Judith Erdös. Mit der Einführung des neuen Treibstoffs müssen an den Tankstellen nicht nur die Zapfsäulen neu beschriftet werden, sondern auch Kassen umgestellt und Preistransparente erneuert werden. "Da ist einiges zu tun", sagt Detlef Brandenburg, Sprecher von Aral. Ende Januar beginnt das Unternehmen mit der Umrüstung, erst dann können die Tankstellen beliefert werden. "Das kann sich in manchen Regionen bis März hinziehen", sagt auch er.
Dennoch sollten sich Auto- und Motorradfahrer rechtzeitig informieren, ob ihr Fahrzeug den neuen Kraftstoff verträgt. "Es wird viele geben, die ratlos vor den Zapfsäulen stehen", glaubt Christian Amberger. "Aber das Tankstellenpersonal kann da nicht helfen. Das Risiko bei einer falschen Auskunft ist zu groß." Amberger rät, sich bei einer Werkstätte oder in Internet zu erkundigen, ob das Fahrzeug E10 verträgt. Und sollte man aus Versehen doch falsch getankt haben, gilt: keinesfalls den Motor in Gang setzen. In einer Werkstätte muss erst das Benzin herausgepumpt und das Leitungssystem gespült werden. Andernfalls nimmt der Motor bleibenden Schaden.