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Bildungszentrum Unterföhring:Mehr feucht als fröhlich

Wasser gibt es in Unterföhring nicht nur vor dem neuen VHS- und Musikschulgebäude.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde feiert die Eröffnung des 31 Millionen Euro teuren Neubaus. Doch wegen eines Wasserschadens kann die Musikschule voraussichtlich bis Jahresende nicht dort unterrichten.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Was für ein Malheur: Im neuen Gebäude für die Unterföhringer Volkshoch- und Musikschule, das am Freitag mit großem Brimborium eröffnet wurde, hat es einen kapitalen Wasserschaden gegeben - mit erheblichen Konsequenzen für die Nutzung des Hauses für den Musikunterricht. Wie Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) vor den Feierlichkeiten am Donnerstagabend im Gemeinderat sagte, sind die Räumlichkeiten voraussichtlich bis Ende des Jahres nicht benutzbar. Sie müssen erst getrocknet und wieder hergerichtet werden.

Die Beschädigung hat seinen Worten zufolge bereits in der Nacht von 4. auf 5. August ihren Lauf genommen, was aber weder von der Gemeinde noch von der Volkshochschule kommuniziert worden war. Im ersten Stock des sogenannten Hauses 3 hatte sich laut Kemmelmeyer offenbar der Ventilkopf eines im Boden verlegten Heizungsrohres gelöst. Die Folge: Tausende Liter Wasser strömten aus.

Der Hausmeister habe den Schaden bei seinem Rundgang am Morgen bemerkt, doch da war schon "vieles kaputt", so der Bürgermeister in seinem Bericht vor dem Gemeinderat. Das Wasser sei vom ersten Stock nach unten gelaufen, bis in die Tiefgarage. Die Wände hätten sich vollgesogen und auch das Haus 4 sei deswegen arg in Mitleidenschaft gezogen worden. In allen Etagen seien Wände, Parkett und Estrich betroffen. Und das ausgerechnet in der Urlaubszeit, was das Rathaus vor erhebliche Herausforderungen stellte, um auf die Schnelle Handwerker zu finden, damit diese die Räume reparieren.

Ursache muss noch geklärt werden

Johannes Mecke, Grünen-Gemeinderat und Vorsitzender der Musikschule, berichtete, er habe im Urlaub von dem Schaden erfahren und diesen daraufhin sogleich abgebrochen. Er sei den Tränen nahe gewesen, als er das Ausmaß gesehen habe, sagte er in der Sitzung. Zusammen mit den Lehrern der Musikschule wurden Instrumente in Sicherheit gebracht. Auch wurde überlegt, wie und wo Teile des Unterrichts nun stattfinden könnten. So werden Schlagzeug und Klavier im alten Hort an der Schulstraße gelehrt. Das Tonstudio, heißt es, sei vollkommen zerstört.

Als großes Glück bezeichnet Mecke, dass der Veranstaltungssaal vom Wasser verschont geblieben ist. Auch mit dem zweiten Nutzer des neuen Gebäudes, der VHS Nord, habe sich die Musikschule verständigen können, sagte der Bürgermeister. "In so einem Fall muss man zusammenrücken." Der Schaden wird von der Gemeinde auf mehrere hunderttausend Euro geschätzt. Ob Materialfehler, ein technischer Defekt oder menschliches Versagen die Ursache für die Überschwemmung waren, kann bisher nicht beurteilt werden. Gutachter sollen die Ursache klären.

Herzstück ist eine Brunnenanlage

Die Schäden und ihre Folgen haben zudem die Pläne von Gemeinde und Nutzern durcheinander gewirbelt, was die Feierlichkeiten am Freitag zur Eröffnung des VHS- und Musikschulzentrums am Bahnhof anbelangt. Das große Fest auf dem Brunnenplatz, zu dem bei strahlendem Sonnenschein zahlreiche Unterföhringer kamen, hat zwar stattfinden können, die geplanten Führungen im Haus selber sind wegen der laufenden Trocknungs- und Sanierungsarbeiten ausgefallen. Auch beim Programm für das nächste Wochenende, 20. und 21. September, mit dem VHS und Musikschule gemeinsam feiern wollen, gibt es angesichts des Wasserschadens Einschränkungen.

Das 31,4 Millionen Euro teure Bildungszentrum wurde von den Münchner Architekten und Stadtplanern Martin Hirner und Martin Riehl entworfen. Es bietet ein großes Potpourri an Möglichkeiten: unter anderem einen großen Vortragssaal, großzügige Kurs-, Turn- und Gymnastikräume, eine Lehrküche und ein Audio- und Videostudio. Herzstück des autofreien Außenbereichs ist eine Brunnenanlage des Münchner Künstlers Kai Winkler. Sie trägt - kurioser Zufall - den Namen "Wasser für Alle".

© SZ vom 14.09.2019/hilb
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