BilanzierungEinfache Rechnung

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Landkreis und Stadt schreiben sich CO₂-Einsparungen gut

Wenn die Stadtwerke München (SWM) im Landkreis in die Energiewende investieren, dann profitieren auf den ersten Blick alle. Die Stadtwerke sehen sich dadurch erklärtermaßen auf gutem Weg, bald so viel Ökostrom in eigenen Anlagen zu produzieren, wie ganz München benötigt. Darüber hinaus soll München, wie es heißt, bis 2040 die erste deutsche Großstadt werden, in der Fernwärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Beides werde durch die Investitionen in Kraftwerke im Umland und auch in Fernwärmenetze eben dort vorangebracht, heißt es.

Unabhängig davon schreibt sich eine Kommune wie Ottobrunn auf die Fahnen, durch diese Aktivitäten ihre Klimabilanz zu verbessern. Wird da also etwas doppelt als Gewinn auf den Klimakonten angerechnet?

Tatsächlich sehen sich wie bei den SWM auch die Verantwortlichen im Ottobrunner Rathaus bei der Energiewende auf einem gutem Weg. Martin Thorn, Leiter des Bereichs Umweltschutz, schreibt regelmäßig die CO₂-Bilanz der Kommune fort. Für das Jahr 2016 kam er im Vergleich zum Ausgangswert 1990 auf einen Rückgang der Kohlendioxid-Emissionen um 34,05 Prozent. Einen Rückgang um 43,2 Prozent prognostiziert er für 2020 und einen um 51,8 Prozent für das Jahr 2025. Die Fernwärme-Effekte sind dort eingerechnet. Thorn sagt, Ottobrunn liege damit, wenn auch ohne großes eigenes Zutun, nicht schlecht. Er schätzt die Effekte ähnlich groß ein wie im Stadtgebiet München. Aber er gibt auch zu, dass es angesichts der Herausforderung des Klimawandels "mehr sein könnte". Die Gemeinde hätte bei ihren Liegenschaften und etwa bei der Umstellung der Straßenbeleuchtung noch Einflussmöglichkeiten.

Die Gefahr, dass Dinge doppelt angerechnet werden, sieht Thorn grundsätzlich gegeben. Er verweist allerdings auf klare, einheitlich im Landkreis bei den Kommunen angewandte Berechnungsgrundlagen für die kommunale Klimabilanz. Das Landratsamt konkretisiert auf Anfrage, dass für den Gesamt-Landkreis und für die einzelnen Kommunen nach dem verursacherbasierten Territorialprinzip gerechnet werde. Das heißt: Es wird ein im Auftrag des Bundesumweltministeriums entwickeltes standardisiertes Verfahren angewandt, um eine bundesweit einheitliche Bilanzierung zu ermöglichen.

Territorialprinzip bedeutet demnach, dass alle Emissionen innerhalb des betrachteten Territoriums berücksichtigt werden, wobei nicht nach dem Ort der Entstehung der Energie gerechnet wird, sondern nach dem Ort des Verbrauchers.

Die CO₂-Bilanz einer Kommune ergebe sich damit aus der Summe aller Energieverbräuche von kommunalen Einrichtungen, Unternehmen und Privatpersonen innerhalb eines Gemeindegebiets. Das heißt aber auch: Die Stadtwerke können eigene Ziele benennen und Erfolgskriterien festschreiben. Der Technische Leiter der SWM, Helge-Uve Braun, sagt, für ihn zähle zunächst alles, was an Energieproduktion physikalisch den Stadtwerken zugeordnet werden könne, egal wo das Kraftwerk sei. Die negative Umweltbilanz des unter anderem mit Kohle betriebenen Heizkraftwerks, das in Unterföhring stehe, werde ja auch den Stadtwerken angerechnet.

Wenn die SWM anstreben, so viel Ökostrom zu produzieren, wie die Stadt verbraucht, kann das also durch ein Solarkraftwerk in Spanien, einen Offshore-Windpark oder durch Stromproduktion in Kirchstockach erreicht werden. Eine bis 2040 angestrebte Wärme-Abdeckung für München, wie nach der Bilanzierungsformel berechnet, hängt von Wärme-Abnehmern in der Landeshauptstadt ab. Die SWM streben laut Braun an, produzierte Wärme über Leitungen in die Stadt zu bringen.

© SZ vom 29.12.2018 / belo - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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