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Garching:Stadt sucht Wirt für den Mühlenpark

Die Mühle, die dem Garchinger Mühlenpark ihren Namen gab, wurde 1975 abgerissen. Das Wasserrad im Mühlbach ist kein Relikt der Mühle, es wurde erst nachträglich zur Erinnerung an sie aufgestellt.

(Foto: Renate Schmidt)

Nach mehr als 40 Jahren gibt die Familie Schramm den idyllisch gelegenen Biergarten auf.

Mehr als 40 Jahre lang hat die Familie Schramm den Biergarten am Mühlenpark in Garching geführt. Nun muss die Stadt einen neuen Pächter für die Wirtschaft an diesem idyllischen Plätzchen mit Mühlrad und rauschendem Wasserfall suchen. Zum Start in die neue Biergartensaison hat das Rathaus den Gastromoniebetrieb ausgeschrieben.

Der mitten im Grünen gelegene Biergarten am Mühlenpark lädt seit den Siebzigerjahren nicht nur die Garchinger Bevölkerung und die Beschäftigten der örtlichen Betriebe und des Forschungscampus zum Verweilen ein, sondern auch Spaziergänger und Radler, die über den nahen Isarradwege kommen.

Die bisherige Pächterin Christa Schramm hat sich aus persönlichen Gründen zurückgezogen und im vergangenen Herbst gekündigt, wie Harald Jakesch von der Liegenschaftsverwaltung im Garchinger Rathaus berichtet. Man sei zwar schon ein bisschen überrascht gewesen, als die Kündigung am letztmöglichen Tag gekommen sei, sagt Jakesch. Er ist sich jedoch sicher, dass sich die bisherige Pächterin die Entscheidung, den Biergarten aufzugeben, nicht leicht gemacht habe.

Der Betrieb gehört der Stadt

Die Stadt ist Eigentümerin des Betriebs und möchte diesen wieder in gute Hände geben. Der neue Pachtvertrag beginnt laut Mitteilung aus der Verwaltung am 1. April. Den Garchingern ist wichtig, dass die über lange Jahre anhaltende Attraktivität des Biergartens erhalten werden könne, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. Ein preis- und leistungsgerechtes Angebot solle die Bedürfnisse der Gäste größtmöglich abdecken und die Erwartungen und Wünsche in hohem Maße erfüllen. Der neue Pächter soll nach Maßgabe der Stadt Getränke und Speisen anbieten, die dem üblichen Angebot in bayerischen Biergärten entsprechen.

Im Mühlenpark gibt es circa 650 Sitzplätze, von denen etwa 200 überdacht sind. Ansonsten spenden die alten Kastanienbäume Schatten. Für Kinder gibt es Spiel- und Freiflächen. Den besonderen Reiz des Biergartens macht das Mühlrad aus. Ansonsten sind die Wirtschaftsgebäude mit Küche und Kiosk gut in Schuss, wie es aus dem Rathaus heißt: Die Stadt habe in den vergangenen Jahren einiges investiert. Der neue Pächter brauche keine Kosten zu fürchten, betont Jakesch.

Weil der Biergarten der Kommune gehört, ist der Betrieb von einer Brauerei unabhängig zu bewirtschaften. Für das erste Betriebsjahr wird eine Staffelpacht vereinbart: im April, Mai und Juni sind jeweils 1700 Euro plus Mehrwertsteuer zu bezahlen, von Juli bis September 1800 Euro, von Oktober bis Dezember 1900 Euro. Der Vertrag mit dem neuen Wirt soll zunächst bis zum 31. Dezember 2021 laufen und verlängert sich dann jeweils um ein Jahr. Bis zum 7. Februar können sich Interessenten bei der Stadt um den Biergarten bewerben; über den Pächter entscheidet schließlich der Haupt- und Finanzausschuss des Garchinger Stadtrats.

An der Stelle des heutigen Biergartens stand bis zum Jahr 1975 eine Mühle. Urkundlich wurde diese bereits im Herzogsurban von 1229/37 erwähnt. Sie war seinerzeit eine wichtige Einrichtung der bäuerlichen Gemeinde, in der die hiesigen Landwirte ihr Korn mahlen ließen. Außerdem diente sie als Sägewerk und Pumpanlage für die Garchinger Wasserleitung. Die zwei Wasserräder wurden vom Mühlbach angetrieben, der aus einem der zahlreichen und vielverzweigten Nebenarme der Isar kommt. Von Großlappen aus nimmt er seinen Weg nach Garching und mündet heute nördlich des Forschungscampus in die Isar. 1930 wurden die Wasserräder durch Turbinen ersetzt. Später erhielt die Mühle noch einen Generator zur Stromerzeugung. Der Betrieb wurde 1970 eingestellt. Die Gebäude mussten schließlich wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

An ihrer Stelle errichtete die Gemeinde einen Freizeitpark mit dem Biergarten und dem Wasserrad als Symbol für die verschwundene Mühle. Auf einem Schild am Wirtschaftsgebäude können Besucher Wissenswertes über die Geschichte dieses Platzes nachlesen. Über eine Holzbrücke gelangt man zu einem Kinderspielplatz, einem Rollschuhplatz und einem kleinen Theatrum. Parkplätze befinden sich etwa 500 Meter entfernt, entweder im Ortsbereich nahe dem Gymnasium oder über die alte B 471 erreichbar, neben einem eingegrünten Sportplatz.

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