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Bierproduktion:Hopfen und Malz verloren

Braumeister Bernhard Neunhoeffer und sein Chef Helmut Erdmann (von links) sehen zu, wie Azubi Elias Izsak zwei Fässer Bier in den Ausguss kippt.

(Foto: Claus Schunk)

Die Brauerei Aying kippt wegen des Lockdowns derzeit fässerweise Bier weg, auch bei Remonte in Oberschleißheim bereitet man sich darauf vor.

Von Julius Baumeister

Bundesweit wissen Brauereien derzeit nicht wohin mit ihrem Bier, weil ihnen durch die Schließung der Gastronomie die Abnehmer fehlen und das Haltbarkeitsdatum abläuft. Mehrere Tausend Hektoliter Bier werden deshalb weggekippt. Auch in Aying. Das Bier der dortigen Brauerei landet aber nicht im Abwasserkanal, sondern wird in einem großen Behältnis aufgefangen und anschließend auf Feldern in der Umgebung verteilt. "Unser Bier ist ein biologisch abbaubares Produkt, das einem natürlichen Kreislauf folgt und schließlich auf den Äckern verregnet", sagt der Direktor der Brauerei in Aying, Helmut Erdmann.

Der finanzielle Schaden der Brauerei ist dabei enorm, das kann auch der Verkauf von Flaschenbier in den Supermärkten nicht ändern. "Wenn Sie aber einen Braumeister sehen, wie er sein Produkt wegschütten muss, ist das ein trauriges Bild", sagt Erdmann. Seit einigen Tagen sei man dabei, den Inhalt von Bierfässern zu vernichten. Zig Fässer der Brauerei, die noch im September und Oktober in der Hoffnung darauf produziert worden waren, sich ohne eine Schließung der Gastronomie in das nächste Jahr retten zu können, stehen unterdessen noch in den Kühlhäusern der Wirte.

Remonte droht das gleiche Los

Auch der Remonte-Brauerei in Oberschleißheim droht die Vernichtung ihres Bieres. "Das Mindesthaltbarkeitsdatum liegt bei den Fässern bei sechs Monaten, danach verändert sich der Geschmack", sagt Remonte-Vorstand Thomas Haselbeck. In den kommenden Tagen werden daher Proben derjenigen Fässer genommen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, denn das Bier sei mit dem Ablauf nicht pauschal schlecht, es entspreche nur nicht mehr der Qualität, für die die Brauereien stehen. Länger als vier Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sei das Bier allerdings kaum haltbar, sagt Haselbeck. Mit jedem weiteren Tag des Lockdowns werden damit Tausende Liter ungenießbar.

Doch in Aying wird die Produktion in den kommenden Tagen trotzdem wieder hochgefahren. "Es kann sein, dass wir in zwei Wochen gesagt bekommen, dass die Gastronomie bald wieder öffnen darf", so Erdmann. Darauf müsse man sich vorbereiten, denn die Produktion dauere zirka fünf Wochen. Brauereichef Erdmann hofft, dass die Gaststätten um Ostern herum öffnen können. Dann sei die Brauerei "mit einem dunkelblauen Auge davongekommen". Falls nicht? "Dann wird es spannend."

© SZ vom 26.02.2021/sab
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