Bevölkerungsentwicklung Zuzug verhindert Überalterung

Im Landkreis München werden künftig mehr alte, aber auch mehr junge Menschen leben.

(Foto: imago)

Der Landkreis München zieht weiterhin viele jüngere Menschen an. Deshalb wächst nicht nur der Anteil der Senioren, sondern auch der der Kinder und Jugendlichen. Für beide Gruppen braucht es Infrastruktur.

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

Die Einwohnerzahl des Landkreises München wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen, allerdings nicht mehr so stark wie noch in den vergangenen Jahren. Und die Bevölkerung in den 29 Städten und Gemeinden von Unterschleißheim über Ottobrunn bis Grünwald wird - anders als etwa in der Landeshauptstadt - älter, wenngleich nicht im selben Maße wie im bundesdeutschen Trend.

Derzeit leben etwas mehr als 350 000 Einwohner im Landkreis München - bis ins Jahr 2037 wird diese Zahl Angaben des Statistischen Landesamtes zufolge um 12,1 Prozent, also nahezu 42 000 Einwohner anwachsen. Größer sind die prognostizierten Steigerungsraten im Freistaat nur noch in den Landkreisen Dachau (13,2 Prozent) und Ebersberg (13 Prozent).

Das Bevölkerungswachstum im Landkreis München wird seit Jahren begleitet von einer Alterung der Gesellschaft, die sich allerdings deutlich von jener in den allermeisten deutschen Landkreisen - vor allem den ostdeutschen - unterscheidet: Sie verläuft im Landkreis München langsamer. Das Institut der deutschen Wirtschaft mit Sitz in Köln hat in einer Studie das Älterwerden der Gesellschaft untersucht und dabei eklatante Unterschiedet zwischen Großstädten und dem ländlichen Raum festgestellt - sowie zwischen Ost und West. Die Bevölkerung in der kreisfreien Stadt Suhl in Thüringen etwa wies im Jahr 2017 ein mittleres Alter von 50,3 Jahren auf, im Jahr 1995 lag dieses noch bei 38,8 Jahren. In Frankfurt am Main indes lag das Durchschnittsalter 2017 bei 40,6 Jahren - damit sind die Frankfurter jünger als noch 1995 (41,3 Jahre).

Der Landkreis München freilich ist kein klassischer Landkreis, hier spiegeln sich viele Entwicklungen wider, die auch auf die Landeshauptstadt München zutreffen. Zwar ist im Landkreis die Gesellschaft von 1995 (40,3 Jahr im Mittel) bis 2017 (43 Jahre) älter geworden, der Prozess verläuft aber aufgrund des anhaltend hohen Zuzugs, einer zuletzt sogar gestiegenen Geburtenrate und der Zuwanderung deutlich langsamer als in Nachbarlandkreisen. Im viel ländlicher geprägten Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen etwa stieg der Wert von 39,8 Jahre auf 43,9 an.

In der Stadt München und den angrenzenden Landkreisen wird die Bevölkerung nach Angaben des Statistischen Landesamtes bis ins Jahr 2037 hinein besonders stark wachsen. Denn das für den gesamten Freistaat vorhergesagte Wachstum von etwa 480 000 Menschen wird vor allem in der Region München stattfinden - etwa 320 000 Menschen werden den neuesten Schätzen zufolge hier hinzukommen. Und der Landkreis München wird auf wohl auf etwa 400 000 Einwohner anwachsen. Große Zuwächse sind dabei in der Bevölkerungsgruppe bis 17 Jahre zu erwarten - der Anteil der Kinder und Jugendlichen im Landkreis München wird um mehr als 16 Prozent zulegen, das entspricht mehr als 10 000 Menschen.

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Um mehr als 30 Prozent wird die Gruppe derjenigen anwachsen, die dann 65 Jahre oder älter sind. Wirklich gravierende Auswirkungen auf das Durchschnittsalter aber wird das im Landkreis München nicht haben: Im Schnitt werden die Bürger dann 44,5 Jahre alt sein - knapp zwei Jahre älter als in der Landeshauptstadt.

Eine spürbarere Erhöhung des Durchschnittsalters hat den Forschern des Instituts für deutsche Wirtschaft zufolge in den vergangenen Jahren insbesondere die Zuwanderung aus dem In- und Ausland verhindert; für den Landkreis hatte diese dieselben Auswirkungen wie auf Großstädte. Etwas mehr als 3500 Menschen fanden seitdem den Weg in den Landkreis München - und wohnen größtenteils immer noch hier, viele sind mittlerweile auch auf dem Arbeitsmarkt integriert.

Christian Breu, Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands München, macht dazu deutlich: Die Verhältnisse im Altersaufbau in der Region München stellten sich positiver als in anderen Regionen dar - und zwar "ausschließlich aufgrund der selektiven Zuwanderung aus dem Ausland von jungen Menschen". Die Region werde im Jahr 2037 eine der jüngsten, nicht nur Bayerns, sondern ganz Deutschlands sein - und München im bundesdeutschen Großstadt-Ranking die Metropole mit der jüngsten Bevölkerung. Damit seien auch große Herausforderungen verbunden, so Breu. In der gesamten Region brauche es auf "allen Ebenen der Infrastruktur, der Versorgung und insbesondere im Wohnungsbau große Anstrengungen".