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Berichte und Anträge:Taufkirchner halten Abstand zur Gemeindepolitik

Um die Infektionsgefahr gering zu halten, ist die Bürgerversammlung auf zwei Termine aufgeteilt worden. Doch zu beiden kommen nur etwa 30 Leute, denen vor allem Verkehrsthemen am Herzen liegen

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Das Gros der Sitze ist mit schwarz-gelben Bändern abgeklebt, am Eingang steht Desinfektionsmittel bereit und ein freundlicher Herr wischt jedem Besucher mit einem Thermometer über die Stirn - zum Fiebermessen. Doch nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich steht die Bürgerversammlung in Taufkirchen am Mittwochabend ganz unter dem Vorzeichen der sich wieder zuspitzenden Coronakrise.

Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) geht in seinem Vortrag ausführlich auf die Herausforderungen ein, die das Rathaus infolge der Pandemie meistern müsse. Zudem berichtet er von aktuell vier Infizierten im Ort, seit März seien es 113 gewesen. "Das ist wirklich nicht viel", betont Sander. Gleichwohl seien nicht die Werte der Gemeinde, sondern jene im Landkreis entscheidend. Und nachdem hier die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt über die Grenze von 35 geklettert sei, würden auch für Taufkirchen neue Einschränkungen gelten.

Dass die Menschen unabhängig davon in Zeiten von Corona vorsichtiger sind, das zeigt sich auch bei der Bürgerversammlung. Vorsorglich hat das Rathaus zwei Termine angeboten, um ja nicht zu viele Menschen gleichzeitig im Kultur- und Kongresszentrum zu versammeln. Doch die Sorge erweist sich als unbegründet: Statt der 200 bis 250 Besucher in den Vorjahren sind diesmal bloß jeweils 30 Personen zu den Veranstaltungen gekommen. Dessen ungeachtet ist der Bürgermeister spürbar bemüht, seinen Vortrag möglichst zügig durchzuziehen.

Sogar auf die erfreulichen Ereignisse im zurückliegenden Jahr geht er nur kurz ein. Etwa die Neueröffnung des Edeka-Markts an der Tegernseer Landstraße, dem demnächst ein Aldi und ein Rossmann an der Karwendelstraße folgen sollen. Oder dass es "tatsächlich gelungen ist", so Sander, die Firma Frieser ins neue Gewerbegebiet an der Tegernseer Landstraße umzusiedeln, wodurch der bisherige Standort am Bahnhof "deutlich vom Schwerlastverkehr entlastet wird". Überdies werde die leer stehende Gaststätte im Sportpark wieder einen Pächter bekommen, sagt Sander. "Ende dieses, Anfang nächsten Jahres" werden dort die Brüder Ferdinand und Sebastian Zinner ein Lokal eröffnen, die bereits die Gastronomie im Ritter-Hilprand-Hof betreiben.

Doch auch Unerfreuliches muss der Rathauschef berichten. So sei 2020 das Jahr gewesen, "in dem so ziemlich die letzte Hoffnung auf Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn ins Nirwana verschwunden sind", sagt er mit Blick auf die vom Landtag abgelehnte Petition der Gemeinden Unterhaching und Taufkirchen. Und dennoch wird dieses Thema - so wie stets in den Vorjahren - von den Bürgern noch mal aufgegriffen. So regt eine Anwohnerin mehr Tempokontrollen auf der Autobahn an. Ein anderer Bürger fordert das Rathaus auf, stärker gegen Lastwagen vorzugehen, die in Wohngebieten abgestellt werden.

Einen konkreten Antrag gibt es derweil zur Einbahnstraße im Kiefernweg, die für Radfahrer in beide Richtungen geöffnet werden solle - so wie es die Gemeinde zuletzt mit mehreren Straßen getan hat. Mit diesem Wunsch wird sich nun der Gemeinderat beschäftigen - ebenso wie mit einem zweiten Antrag, der die südliche der zwei Wiesen zwischen Dorfstraße und Postweg betrifft. Sie solle "dauerhaft von jeglicher Bebauung freigehalten werden", fordert ein Bürger. Schließlich sei in dem Gebiet eine umfangreiche Wohnbebauung geplant. "Die Leute brauchen auch was fürs Auge und zum Spazierengehen. Da sollte nicht alles dem Bauwahn zum Opfer fallen", erklärt der Antragsteller.

Der Bürgermeister erwidert, dass das Grundstück der Gemeinde gehöre, es aber noch keine Planung dafür gebe. Prinzipiell zeichne sich jedoch ab, dass die nahe Grundschule an der Dorfstraße künftig an ihre Kapazitätsgrenze stoßen werde, so Sander. Entsprechend könnte eine Erweiterung der Einrichtung nötig werden.

© SZ vom 16.10.2020
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