Die einen nehmen Familien bei sich zuhause auf, die anderen fahren Hilfslieferungen zur Grenze, wiederum andere glauben, der ukrainischen Sache am besten als Söldner im Kampfeinsatz zu dienen. Mulo Francel spielt Saxofon. Es ist seine Art zu helfen, mit den Mitteln eines Profimusikers. Gelegenheit, das auf Benefizkonzerten zu tun, gibt es derzeit nicht gerade selten. "Wenn es Leute gibt, die das organisieren, dann bin ich dabei", sagt er. Am vergangenen Mittwoch hat er etwa mit anderen bekannten Musikern und Ensembles wie dem Rudi Zapf Trio und Nicole Heartseeker ein Konzert in Ebersberg gegeben, dessen Erlös ukrainischen Kriegsopfern zugute kommt, unter anderem wird die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" unterstützt.
Am Montag, 2. Mai, wird Francel wieder ein Benefizkonzert geben, in seiner Heimatgemeinde Baierbrunn. Zusammen mit dem Jazz-Pianisten Chris Gall spielt der vielfach ausgezeichnete Saxofonist und Klarinettist, vornehmlich Stücke aus dem Album "Mythos", welches die beiden 2019 veröffentlichten. Organisiert wird die Veranstaltung im Pfarrsaal St. Peter und Paul vom Verein "Mittendrin in Baierbrunn". Der wollte ursprünglich den renommierten Künstler aus dem Ort für ein kleines, feines Kammerkonzert in den neuen Vereinsräumen an der Wolfratshauser Straße gewinnen. Der Musiker zeigte sich angetan von den Avancen ("Ich finde den Verein gut"), wandelte die Idee aber dahingehend um, dass man das Ganze etwas größer aufzuziehen und dem Auftritt einen Benefiz-Charakter verleihen sollte.
Jetzt wird der Pfarrsaal St. Peter und Paul zum Konzertort, er bietet Platz für immerhin rund 120 Besucher. Die Akustik dort ist zwar nicht optimal, aber Francel, der als Mitglied und Kopf der Weltmusik-Formation "Quadro Nuevo" unter anderem zweimal den Echo-Jazz gewonnen hat, freut sich auf die eher seltene Gelegenheit, im Heimatort sein Können zu zeigen - und bringt noch einen Lichttechniker mit. Einen Flügel gibt es dort bereits, und so lag es nahe, Chris Gall einzuladen, der mit Francel und auch "Quadro Nuevo" schon häufiger zusammengearbeitet hat. Der 1975 in Bad Aibling geborene und unter anderem am renommierten Berklee College of Music ausgebildete Jazz-Pianist ist ein Grenzgänger zwischen den musikalischen Genres und auch als Komponist erfolgreich. Das Zusammenspiel zwischen Francel und Gall in "Mythos" zeichnet sich durch feinsinnige Grooves aus, unaufdringlich impressionistische Klangfarben, eigenwillig dahin tänzelnde Melancholie - und vor allem dadurch, dass sich beide im Dialog genügend Raum geben, gekonnt zwischen Temperament und Zurücknahme changieren. Die Arrangements und Eigenkompositionen sind von mythologischen Figuren und Geschichten inspiriert wie der karthagischen Königin Dido oder Palinurus, dem nicht ganz so bekannten Steuermann des Aeneas, schöpft aber auch aus der Bibel (Bachs Vertonung "Jesu bleibet meine Freude"). "Ich liebe Geschichten und Persönlichkeiten, die über Jahrtausende hinweg die abendländische Geschichte geprägt haben", so Francel.
Der Erlös kommt zur Hälfte auch Flüchtlingsprojekten im Libanon zugute
Mythen und Legenden handeln nicht selten von Reise und Flucht, von Abenteuer und Gefahr, aber auch von fremder, unverhoffter Hilfe. Im Zeichen der Flüchtlingshilfe steht nun auch das Konzert in Baierbrunn, der Erlös wird zum einen ukrainischen Kriegsopfern zugute kommen und dem Partnerschaftenverein "Pullach-Baryschiwka-Beresan" aus der Nachbargemeinde übergeben. Die andere Hälfte wird an den Münchner Verein "Zeltschule" gehen, der vor allem im Libanon tätig ist und dort Geflüchtete nachhaltig unterstützt. "Wir wollen ein bisschen daran erinnern, dass es auch noch andere Brennpunkte in der Welt gibt", sagt Stefan Erbacher vom Verein "Mittendrin in Baierbrunn", und weist darauf hin, dass 95 Prozent der Weizenimporte im Libanon normal aus der Ukraine kämen - die jetzt natürlich fehlen. Der 2021 gegründete Verein, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Ort lebendiger zu machen, verschiedene Generationen und Milieus zusammenzubringen und generell das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, will sich beim Konzert noch mal vorstellen. Kulturförderung am Ort gehört da auch dazu. "Wir ergreifen die Gelegenheit, uns bekannter zum machen", erklärt Erbacher.
Man hofft vor allem, noch den ein oder anderen Baierbrunner als Mitglied zu werben, um die auf den Verein zukommenden künftigen Ausgaben bewältigen zu können. Bisher darf man die Vereinsräume in der Ortsmitte mietfrei nutzen, aber das wird sich im Sommer ändern und soll unter anderem über Mitgliedsbeiträge geschafft werden. Am Montag beim Konzert - der Pfarrsaal steht kostenfrei zur Verfügung - wird zudem ein Sprecher des Pullacher Partnerschaftenverein sprechen. Hauptsächlich spricht aber die Musik. Von zwei musikalischen Größen aus der Region.
Karten für das Benefizkonzert, Beginn 20 Uhr, gibt es für 18 Euro im Vorverkauf bei der Apotheke Peter & Paul in Baierbrunn sowie in den Filialen der Buchhandlung Isartal in Pullach und Ebenhausen.
