bedeckt München 17°
vgwortpixel

Bedrohte Natur im Isartal:Unke und Uhu müssen warten

In den Wäldern oberhalb der Isar zwischen Baierbrunn und Schäftlarn leben zahlreiche bedrohte Arten.

(Foto: Claus Schunk)

Vor fünf Jahren beschloss der Kreistag, das Isartal als Naturschutzgebiet auszuweisen. Seither ist nichts passiert. Für Kommunalpolitiker von SPD und Grünen sowie Umweltschützer ist das ein "Skandal".

Es klang nach einer guten Nachricht für die Gelbbauchunke, den Flussregenpfeifer, den Uhu und all die anderen zum Teil gefährdeten Arten im Isartal: Vor fünf Jahren rang sich der Kreistag, wenn auch mit knapper Mehrheit, dazu durch, den Flusslauf südlich und nördlich von München zum Naturschutzgebiet ausweisen zu lassen.

Entscheiden muss über eine solche Aufwertung allerdings die Regierung von Oberbayern. Doch dort liegt der Antrag des Landkreises seit 2013. Bearbeitet wurde er bislang noch nicht.

Wie jetzt aus einer Antwort des bayerischen Umweltministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Christian Magerl deutlich wurde: Es kann auch noch länger dauern. Der Grund: Personalmangel. Durchschnittlich zwölf Jahre liegen laut Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) zwischen Eingang eines Vorschlags und dem Inkrafttreten der Verordnung. Der Fraktionssprecher der Grünen im Kreistag, Christoph Nadler, ist empört: "Das kann doch nicht am Personal liegen, Naturschutzgebiete sind in Bayern politisch nicht gewollt." Er erinnerte daran, dass der Kreistag damals gegen die Stimmen der CSU dem Antrag der Grünen gefolgt war. Auch der Geschäftsführer der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe München, Rudolf Nützel, sagt: "Es ist ein Unding, dass es so lange dauert. Wir nehmen das mit Bedauern zur Kenntnis. Offenbar gibt es immer tausend Dinge, die wichtiger sind."

Keine Regeln für die Bevölkerung

Ganz schutzlos sind das nördliche und südliche Isartal nicht. Beide sind derzeit als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, zudem ist die Flusslandschaft als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet gemeldet. Das reicht aber nicht aus, finden Naturschützer sowie Kreispolitiker von Grünen und SPD und fordern daher eine Hochstufung zum Naturschutzgebiet, nach dem Naturpark der zweithöchste Status des Naturschutzes. Auch das Landratsamt hatte vor fünf Jahren - damals noch unter der Leitung von SPD-Landrätin Johanna Rumschöttel argumentiert, dass es mit dem jetzigen Status keine allgemein-verbindlichen, direkt an die Bevölkerung gerichtete Verhaltenregeln gebe. Das sogenannte Verschlechterungsverbot richte sich an den Staat.

Im Isartal aber gebe es eine Schutzbedürftigkeit durch den enormen Erholungsdruck, der von nicht naturverträglichen Trendsportarten, Veranstaltungen und massiven Eingriffen in den Hangwald, Zerschneidung und Bebauung ausgehe.

Zwar hatte die Regierung von Oberbayern noch im Jahr 2013 signalisiert, der Ausweisung des Isartals grundsätzlich positiv gegenüber zu stehen. Doch hieß es damals, man wolle noch abwarten, bis ein Lenkungskonzept erarbeitet sei, mit dem ein Ausgleich zwischen Freizeitsportlern und Naturschützern gewährleistet werde. Seit Oktober liegt das Konzept zum Biken im Isartal vor, die Ausweisung zum Naturschutzgebiet hat dies bei der Regierung aber noch immer nicht in Gang gebracht.

Die Erprobung des Konzepts habe Vorrang gegenüber der Eröffnung des formellen Verfahrens, heißt es dazu von Ministerin Scharf. Für Grünen-Kreisrat Nadler ist das "nicht nachvollziehbar". Es gebe keinen Grund, das zu verzögern. Schließlich sei das Isartal weiter südlich im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen seit vielen Jahren schon Naturschutzgebiet. Die Regierung setze sich über die Fachlichkeit hinweg. "Das ist ein Skandal", sagt Nadler. Die Ausweisung ständig zu verzögern, sei Taktik, meint auch Nützel vom Bund Naturschutz. Und wenn dann schließlich ein Naturschutzgebiet ausgewiesen werde, wie etwa in der Fröttmaninger Heide, dann werde der Schutz der Natur der Naherholung untergeordnet.

Auch SPD-Fraktionssprecherin Ingrid Lenz-Aktas ist dieser Ansicht: "Da wird möglicherweise bewusst verzögert." Wo ein Wille sei, sei auch ein Weg. Es könne nicht sein, dass die Regierung den Landkreis "an der ausgestreckten Hand verhungern lässt". In der nächsten Sitzung des Umweltausschusses will sie wissen, was das Landratsamt dagegen zu tun gedenke. Von diesem wurde am Donnerstag auf Anfrage der SZ nur auf das laufende Verfahren bei der Regierung verwiesen. Darüber hinaus hieß es: Das Projekt "Biken im Isartal" stehe aktuell kurz vor der Umsetzung.

© SZ vom 26.01.2018/belo

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite