Weltraumforschung "Bavaria One":Söder rückt dem All ein Stück näher

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Weltraumforschung "Bavaria One": Vielleicht begibt Markus Söder sich 2041 selbst auf dem Weg ins All?

Vielleicht begibt Markus Söder sich 2041 selbst auf dem Weg ins All?

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Der Ministerpräsident eröffnet das erste Gebäude der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie am Standort Ottobrunn/Taufkirchen. Tausende Studierende sollen hier bald lernen und forschen.

Von Patrik Stäbler

Es wird Flugzeuge, Drohnen und Raketen zu sehen geben - vieles also, was das Herz des erklärten Raumfahrt- und Raumschiff-Enterprise-Fans Markus Söder höherschlagen lässt. Entsprechend dürfte der bayerische Ministerpräsident seinem Besuch bei der Technischen Universität (TU) München am Standort Ottobrunn/Taufkirchen an diesem Montag entgegenfiebern. Dort eröffnet Söder zusammen mit TU-Präsident Thomas Hofmann das erste eigene Gebäude der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie, die in den nächsten Jahren zur größten ihrer Art in ganz Europa werden soll.

Den Startschuss hierfür gab der Ministerpräsident 2018 in einer Regierungserklärung, als er die bayerische Weltraumstrategie "Bavaria One" präsentierte - inklusive Logo mit seinem Konterfei, was ebenso wie der Name reichlich Spott und Kritik auslöste. Dessen ungeachtet sorgte Söders Ankündigung vor allem in Taufkirchen und Ottobrunn für Aufregung, ist dort doch der Hauptstandort der neuen TU-Fakultät, die dereinst 55 Professuren und Tausende Studierende umfassen soll.

Vor gut einem Jahr sei es am Ludwig-Bölkow-Campus (LBC) losgegangen, sagt Mirko Hornung, der Dekan der neuen Fakultät. Sie zähle aktuell 22 Professuren, zum Jahresende sollen es 30 sein - "und auch danach geht es in dieser Geschwindigkeit weiter", versichert Hornung. Mehrere Forschungsbereiche wie das autonome Fliegen und der Hyperloop seien bereits umgezogen. Zum Wintersemester starte das englischsprachige Bachelorprogramm Aerospace, dessen Studierende im ersten Jahr jedoch in Garching unterrichtet würden, sagt Hornung. Schließlich gebe es am LBC derzeit noch kein Hörsaalgebäude - "das steht bei uns an oberster Priorität".

Das neue Fakultätsgebäude in der Lise-Meitner-Straße, dessen Eröffnung nebst Söder auch Wissenschaftsminister Bernd Sibler und Bauministerin Kerstin Schreyer beiwohnen, beheimatet vielmehr Büros und Labore. Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) sieht darin "den wirklichen Start der Fakultät". Dies sei ein Grund zur Freude, sagt der Rathauschef, nicht ohne zu erwähnen, dass die Eröffnung "tatsächlich in Ottobrunn stattfindet" - so wie es vor gut 60 Jahren auch bei Luftfahrtpionier Ludwig Bölkow der Fall gewesen sei, ehe sich dessen Wirken "auf das ganze Gebiet bis nach Taufkirchen ausgebreitet hat".

Was einen direkt zur Ausgangslage des Campus bringt, der ja sowohl auf Ottobrunner, vor allem aber auf Taufkirchner Flur entstehen soll. Wenn die Nachbarorte nun stets ihre jeweilige Bedeutung für die Raumfahrtpläne des Freistaats hervorkehrten, dann geschehe das "nicht aus Banalitäten", betont Loderer. Er ist überzeugt: "Diese Konstellation wird noch ein großer Hemmschuh sein. Deshalb braucht es umso mehr eine steuernde Hand von oben." Diese könnte dem Bürgermeister zufolge eine vom Freistaat gegründete Projektgesellschaft sein, "die den Campus zu ihrem Aufgabengebiet macht".

Diese Idee unterstützt auch Taufkirchens Rathauschef Ullrich Sander (parteifrei). Schließlich seien Campus und Raumfahrtprogramm "eine Sache von landesweiter Bedeutung - und dann ist es auf Landesebene auch richtig verortet". Von einer Rivalität zwischen den Nachbargemeinden, die das Projekt ausbremsen könnte, will Sander nicht sprechen. Wobei er anmerkt: "Man hört immer Verlautbarungen aus Ottobrunn, die etwas von einem Konfliktpotenzial wissen wollen. Ich bin der Meinung, dass die Gemeinden gemeinsam arbeiten sollten."

Einig sind sich beide Bürgermeister darin, dass die Campus-Entwicklung zwingend mit dem Bau der hierfür nötigen Infrastruktur einhergehen muss. Loderer spricht in dem Zusammenhang gar von der "großen Gefahr, dass man den dritten und zweiten Schritt vor dem ersten macht." Oder anders ausgedrückt: "Gebäude, mit denen man in der Öffentlichkeit auftrumpfen kann, lassen sich leicht hinstellen", sagt Loderer. "Aber wenn man erst danach anfängt, sich Gedanken über die begleitende Infrastruktur zu machen, dann ist es oft sehr spät."

Der Rathauschef meint damit den Wohnungsmarkt, der durch einen Campus samt umliegender Firmen und Startups zusätzlich unter Druck geraten würde. Vor allem aber bezieht er seine Mahnung auf den Verkehr und verbindet sie mit der Forderung nach einer schnellstmöglichen U-Bahn-Verlängerung. Denn gerade Ottobrunn könnte weniger die Vorteile einer Campus-Ansiedlung zu spüren bekommen, sondern vielmehr die Nachteile, fürchtet Loderer. "Es sei denn, die Infrastruktur und vor allem der Verkehr werden jetzt konsequent mitgedacht und miterledigt."

Ähnlich klingt das bei Ullrich Sander, der zur Frage der Erschließung aber anmerkt: "Ich teile nicht die zaudernde Haltung, die Herr Loderer an den Tag legt." Sander bezieht sich damit auf das Wortgefecht, dass sich sein Bürgermeisterkollege kürzlich mit dem Landrat lieferte, als es um mögliche Oberleitungsbusse und eine Magnetschwebebahn zum Ludwig-Bölkow-Campus ging. Seine Zurückhaltung bei derlei Überlegungen begründet Loderer damit, dass er sich "nicht mit Rückfalllösungen befassen", sondern auf die Hauptlösung fokussieren wolle - sprich: die U-Bahn. Ullrich Sander dagegen plädiert für eine zusätzliche Anbindung.

Abseits aller Herausforderungen bei der Erschließung sieht Sander in dem Campus eine große Chance für seine Gemeinde. "Gerade für junge Menschen wäre das ein unschlagbares Bildungsangebot kombiniert mit qualitativ hochwertigen Arbeitsplätzen vor der Haustür", sagt der Bürgermeister, der aber auch betont: "Noch ist ja vieles unklar, was da wirklich entstehen soll." Dass der Eröffnungstermin hier allzu viel Neues liefern wird, ist eher unwahrscheinlich. Jedoch bietet er für die Bürgermeister die Möglichkeit, ihre Hoffnungen in Bezug auf die bayerischen Raumfahrtpläne an oberster Stelle vorzutragen - sofern Markus Söder inmitten von Drohnen und Raketen ein Ohr dafür hat.

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