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Wirtschaft in Bayern:Was bringt die Senkung der Biersteuer den Brauereien?

Für die Bauerei in Aying ist es durch den Lockdown wie für alle Bierhersteller in diesem Jahr nicht so rund gelaufen.

(Foto: Claus Schunk)

Größere Brauereien wie die Ayinger können so einen Teil der Corona-Verluste kompensieren. Doch nicht alle Betriebe jubeln über die Maßnahme - und in der Gaststätten hat sich die Lage "unangenehm verschärft".

Von Michael Morosow, Aying

Darauf einen kühlen Schluck Bier: Für Helmut Erdmann, den Direktor der Brauerei Aying, ist nach den Umsatzeinbußen durch die Corona-Pandemie bedingte Schließung der Gaststätten die Welt wieder einigermaßen in Ordnung, nachdem die Bundesregierung jüngst eine Senkung der Biersteuer für kleine und mittlere Brauereien mit einem Ausstoß von weniger als 200 000 Hektoliter beschlossen hat. Während sich für sein Unternehmen die Steuersenkung spürbar rechnet, ist sie für Kleinstbrauereien wie die Brauereigenossenschaft Oberhaching oder den Stadlbräu im gleichen Ort allerdings nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die prozentuale Senkung der Biersteuer ist gestaffelt und richtet sich nach dem Bierausstoß der Brauereien. Die Traditionsbrauerei im Südosten des Landkreises muss danach nun nicht mehr 84 Prozent des Regelsteuersatzes in Höhe von 0,787 Euro pro Hektoliter Bier und Grad Plato bezahlen, sondern nur noch 75 Prozent. Das bedeutet eine Ersparnis von etwa 1,10 Euro pro Hektoliter. "Da kommt schon was zusammen", sagt Brauereidirektor Erdmann.

Die Hälfte der kleinen und mittleren Brauereien steht in Bayern

Relevant für den ermäßigten Steuersatz ist der Bierausstoß im Inland, und der beträgt aktuell in Aying circa 90 000 Hektoliter, sodass die Brauerei auf das Jahr gerechnet knapp 100 000 Euro weniger an den Fiskus abführen muss. Laut Helmut Erdmann ist die Steuerermäßigung zwar sehr erfreulich für den Ayinger Familienbetrieb und die vielen anderen Brauereien, die seit mehr als einem Jahr darben. Die Tatsache allerdings, dass die niedrigere Besteuerung zwar rückwirkend zum 1. Januar 2020 gilt, aber bis Ende 2022 begrenzt ist, gefällt ihm weniger. "Wünschenswert wäre, wenn die Regelung unbefristet gelten würde", sagt Erdmann und erinnert daran, dass der Regelsteuersatz bis 2004 jenes niedrige Niveau gehabt habe, das nun für zwei Jahre wieder eingeführt wird.

Der Brauerverband fordert eine Steuersenkung schon seit langem, um den Fortbestand der kleinen und mittleren Brauereien zu sichern. "Die Hälfte davon steht in Bayern", sagt Erdmann. Nun aber blicke er doch recht optimistisch in die Zukunft, sagt er. Seine Zuversicht gründet sich dabei insbesondere auf die Wiedereröffnung der Gaststätten, die Bier in Aying ordern. Und das sind nicht wenige. Etwa 300 Wirtschaften beliefert die Brauerei aus dem Landkreis, und als diese im Vorjahr schließen mussten, erließen die Ayinger ihren Pächtern sogar vorübergehend die Pacht.

Viele Mitarbeiter haben inzwischen die Branche gewechselt

"Toi,toi, toi, bis jetzt hat noch kein einziger Pächter die Flinte ins Korn geworfen", freut sich der Brauereidirektor. Dafür aber hätten viele Gaststätten während der Pandemie Personal verloren. Circa 30 Prozent der Mitarbeiter hätten sich verabschiedet und dauerhaft die Branche gewechselt, was ein großes Problem sei. Auch die Situation in den eigenen Gaststätten habe sich "unangenehm verschärft". Besonders erfreulich sei, dass die Gastronomen jetzt endlich wieder die für eine ordentliche Geschäftsführung wichtige Planungssicherheit hätten und ebenfalls zuversichtlich in Richtung Sommer blickten. Man spüre die Erleichterung, sagt Erdmann.

Was den Ayingern zur Freude gereicht, entlockt den ganz Kleinen in der Branche indes nur ein müdes Lächeln. Kleinvieh macht wohl auch Mist, aber bei Kleinstbrauereien fällt dieser kaum ins Gewicht. "Ein paar Pfennigfuchser mit ähnlichem Ausstoß wie wir werden sich vielleicht freuen über die Steuerermäßigung, aber die ist für uns nun wirklich nicht die Welt", sagt Robert Prinz, der Chef des Oberhachinger Stadlbräus. Die Brauerei stößt weniger als 1000 Hektoliter pro Jahr aus. Ob er jetzt 4,60 Euro oder 4,30 Euro pro Hektoliter Steuern bezahlen müsse, das falle nicht ins Gewicht, erklärt Prinz, der am Dienstag damit beschäftigt war, Porter-Bier zu brauen. Kein Jubelschrei kommt auch von Florian Schärpf, dem Chef der Brauereigenossenschaft Oberhaching. "Für die Großen ist das super, für die Kleinen bringt es nichts", lautet sein Urteil. Da kämen nur ein paar Cent zusammen.

© SZ vom 09.06.2021/fpol
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