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Bayerische Geschichte:Barocke Herrlichkeit

In Schloss Schleißheim wird das Churbayerische Freudenfest gefeiert. Damit soll vor allem an das glanzvolle kulturelle Erbe von Kurfürst Max Emanuel erinnert werden. 400 Besucher begleiten das Spektakel in prächtigem Ambiente.

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Die Turnierreiter versorgen ihre Pferde, die Bauernmusikanten stellen ihre Lauten und Trommeln ab und schmausen ein Commiß-Brod und etwas Rhabis-Kraut, das niedere Volk gönnt sich ein Bier. Im Großen Saal aber hebt nun die Kantate "Gia' dall' Isser ameno" an, von der lieblichen Isar her. Die bayerischen Kurprinzen haben sich gegen die Osmanen vor Belgrad Ruhm erworben. Flora, die römische Göttin der Pflanzen, befiehlt, ihnen Kränze zu flechten, wobei die blaue Hyazinthe und die weiße Narzisse - die Farben des bayerischen Wappens - in Wettstreit um diese Ehre geraten.

Der Streit wird in einem Turnier ausgetragen. Jungfrauen präsentieren die Ringe und die beiden blauen und weißen Pferdeattrappen preschen im Saal des Schleißheimer Schlosses im Trippelschritt mit ihren Lanzen, um den Ring zu stechen. "Valore", die Göttin der Tapferkeit, mit Engelsflügeln eingeschwebt, kränzt den Sieger. Die Posaunen schmettern, das Cembalo jubiliert.

Die Zeit des Barock definiert stark das bayerische Selbstwertgefühl mit ihren baulichen Relikten, insbesondere den Sakralbauten, historisch gab es bedeutende Weichenstellungen. Die Welt des Barock freilich, insbesondere die höfische Kultur mit ihren Inszenierungen, den allegorischen Bildern, der bizarren Mode oder den verkünstelten Riten ist uns maximal fern - und ihre Küche beispielsweise auch, wie mancher am Büffet erstaunt feststellte.

Das "Churbayerische Freudenfest" in Schleißheim will hier eine Lücke schließen, weil von der "populärsten" Geschichtsepoche des Landes gleichzeitig so wenig Kunde herrscht und es insbesondere kaum Festivitäten gibt, in denen diese Epoche authentisch präsentiert wird. Zum 350. Geburtstag von Kurfürst Max Emanuel, dem Erbauer des Schleißheimer Schlosses, gab es den Prototyp eines derartigen Freudenfestes; im Vorjahr sollte es in serientauglicher Form neu aufgelegt werden, wurde aber nicht recht fertig und dann auch noch vom Wetter zerzaust.

Am Samstag nun wurde um die erste Wiederaufführung der Kantate exakt 300 Jahre nach ihrer Entstehung ein "Freudenfest" konzipiert, das in dieser Form in einem barocken Monument jährlich den bayerischen Festkalender bereichern soll. Reiterspiele und militärische Demonstrationen im Schlosspark waren den gesamten Nachmittag über öffentliche Attraktionen, gegen Abend hin verlagerte sich das Fest eintrittspflichtig in das Schloss zu Modenschau barocken Gewändern, Tanztheater, Volksmusik im Vestibül und Konzertantem in oberen Gemächern und final dann zu einer Kampfinszenierung mit Kanonen und Gewehrsalven beim Kampf um die "Inselfestung" in der Kaskade im Schlosspark, die in ein Feuerwerk mündete.

Zwischendrin hat sich der Kurfürst höchstselbst schnell an den Bierbänken im Vestibül ein Remontebier genehmigt. "Ah", begrüßte er mit huldvoller Geste den Herrn im weißen Jackett, "mein Hofmeister!" Der renommierte Experimentalhistoriker Marcus Junkelmann, in Schleißheim bekannt als Impresario der 1250-Jahr-Feier der Gemeinde, hat auch das "Freudenfest" wieder kreiert und inszeniert. Pünktlich zum Fest hat er auch eine neue Biografie über den "Blauen Kurfürsten" Max Emanuel veröffentlicht, über den er dereinst promoviert hatte.

"Die Triumphe und die Katastrophen des Herrschers Max Emanuel sind vergangen wie seine Schulden", hatte Junkelmann dem Fest vorangestellt, "geblieben ist aber ein glanzvolles kulturelles Erbe". Dieses solle mit dem Freudenfest wieder mit Leben erfüllt werden. An die 400 Besucher interessierten sich für das Spektakel im prächtigen Ambiente und ließen sich zwischen den einzelnen Darbietungen treiben.

© SZ vom 01.10.2018/wkr
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