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Baukostensteigerung:Striche auf der Streichliste

Das neue Unterföhringer Feuerwehrhaus an der Münchner Straße soll eine Klinkerfassade erhalten. Illustration: KPlan Architekten

Unterföhring will beim Feuerwehrhaus nicht zu sehr geizen

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Die veranschlagten 17,5 Millionen Euro für das neue Feuerwehrhaus in Unterföhring lassen sich nicht halten. Noch ehe die ersten Bagger zwischen Münchner Straße und Straßäckerallee anrollen, muss die Kommune bereits mit einer Kostensteigerung um mehr als fünf Millionen Euro rechnen. In einer mehrstündigen Sondersitzung hat der Gemeinderat am Mittwochabend die "Armada von Planern", wie es Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) ausdrückte, intensiv befragt und sich am Ende auf ein Einsparpotenzial von nur 264 000 Euro geeinigt.

Planer und Ingenieure stellten dem Gremium eine mögliche Streichliste vor, die in den vergangenen Wochen in Gesprächen zwischen Rathaus, Fachplanern und Feuerwehr erstellt worden war. Insgesamt hätten sich die Ausgaben für das Gerätehaus samt Feuerwehrwohnungen so um knapp 780 000 Euro reduzieren lassen. Doch bei einigen Vorschlägen wollten Bürgermeister und Gemeinderat nicht mitgehen.

So soll zum Beispiel nicht an Stellplätzen in der Tiefgarage gespart werden, was 245 000 Euro ausgemacht hätte und ebenso wenig bei der Ausstattung des Feuerwehrhauses mit einer Einbruchmeldeanlage (31 000 Euro). Die Tiefgarage wird zudem so ausgeführt, wie sie das Architekturbüro Kplan in seinem Siegerentwurf des Wettbewerbs präsentiert hatte: Durch eine unterschiedliche lichte Höhe soll es möglich sein, dass dort auch Feuerwehrautos einen Platz finden. Bei einem Verzicht wären 105 000 Euro weniger angefallen. Doch man dürfe nicht am falschen Ende sparen, so die übereinstimmende Meinung im Gremium, das sich die Preissprünge einzeln erklären ließ. Offenbar erweisen sich vor allem die Beschaffenheit des 8800 Quadratmeter großen Geländes, das tiefer liegt als die Münchner Straße, und die wegen des lehmigen Untergrunds aufwendige Entwässerung als Kostentreiber.

Im vergangenen Oktober hatte eine Jury den Vorschlag der Abensberger Planer für das neue Feuerwehrhaus mit dem ersten Platz des Architektenwettbewerbs ausgezeichnet, was vom Gemeinderat bestätigt wurde. In dem lang gezogenen Gebäude entstehen eine Fahrzeughalle, Büros, Schulungsräume, Werkstätte und Wohnungen. Ursprünglich war von elf Einheiten die Rede, nun sollen es auf Wunsch der Feuerwehr nur neun werden, dafür mit anderem Zuschnitt: So wird es drei Vierzimmerwohnungen geben, zwei mit drei Zimmern, drei mit zwei Zimmern und eine Einzimmerwohnung.

Die Einsatzkräfte, bislang mitten im Wohngebiet an der St.-Florian-Straße beheimatet, können sich nun auf ein neues Domizil weiter im Süden der Gemeinde freuen: Der Haupteingang liegt im dreistöckigen Gebäude an der Münchner Straße. Die Wohnungen werden auf das Dach der Fahrzeughalle gestellt. Die Fassade des Kopfbaus wird mit Klinkern ausgeführt, die Wohnungen in Holzbauweise.

Terrassen und Dächer werden im Sinne der Biodiversität begrünt. Während es für den Bürgermeister auch einfache Gräser getan hätten, sprach sich die Mehrheit im Gemeinderat für eine insektenfreundlichere Variante aus. Die mögliche Einsparung wäre hier mit 7000 Euro auch nur gering gewesen.

Wenn es nach dem Unterföhringer Rathaus geht, dann soll die Feuerwehr bereits im November 2022 ihren neuen Standort nutzen können. Laut dem Projektsteuerungsbüro Hitzler Ingenieure "ein sehr sportlicher Zeitplan". Vermutlich werde es eher Anfang 2023, hieß es am Mittwochabend.

© SZ vom 24.07.2020

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