Basler Hooligans:Polizei rechtfertigt Großeinsatz

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1100 Beamte bewachten 5000 Fußballfans: Während die Polizei den friedlichen Ablauf als Erfolg ihrer Strategie sieht, kommen aus der Schweiz ganz andere Töne.

K. Riedel und S. Wimmer

Es war ein Großaufgebot, wie es in München nicht alle Tage zu sehen ist: 1100 Polizisten begleiteten den ganzen Tag die etwa 5000 Fußballfans des FC Basel, die zum Champions- League-Spiel gegen den FC Bayern nach München gekommen waren. Doch die befürchtete Randale durch gewaltbereite Schweizer Ultra-Fans blieb aus.

FUSSBALL Champions League FC Bayern (FCB) - FC Basel / Reportage Polizei + Fan-Ausschreitung

Mit einem Großaufgebot begleiteten 1100 Polizisten die Fans des FC Basel.

(Foto: JOHANNES SIMON)

Während die Polizei den friedlichen Ablauf als Erfolg ihrer massiven Präsenz sieht, kommen aus der Schweiz ganz andere Töne. Kenner der dortigen Fußballszene zweifeln an, dass der von der Münchner Polizei prognostizierte Ansturm von Hunderten gewaltbereiter Fans realistisch war. Der gefährliche Kern von Hooligans und Ultras bestehe aus höchstens 200 Leuten. Das werfe Fragen nach der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes auf.

Es wäre nicht das erste Mal. Auch beim sogenannten Heldengedenkmarsch von Rechtsradikalen im November war es weit ruhiger geblieben als erwartet. Damals war ein kleiner Haufen von höchstens 120 Neonazis durch die Münchner Innenstadt gezogen - abgeschirmt von etwa 2000 Polizisten. Gerechnet hatten die Sicherheitskräfte mit 200 bis 400 Extremisten. Später hatte es Kritik am Verhalten der Polizei gegeben - und an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes.

Die Polizei war von ihrer Strategie auch am Tag nach dem Champions-League-Spiel vollkommen überzeugt. Ziel sei es gewesen, "auf das Gegenüber deeskalierend einzuwirken", sagte Polizeivizepräsident Reinhard Kopp. Der Einsatz sei "in vollem Umfang und bestens gelungen" - gerade weil verhindert worden sei, dass eine gewaltbereite Gruppe der Basler auf Fans der Münchner "Schickeria" treffen konnte. Gegen 39 Personen werde strafrechtlich ermittelt, unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Beleidigung sowie Delikten nach dem Betäubungsmittelgesetz.

Dass rund 800 Fans der Basler Ultra-Szene nach München unterwegs seien, erfuhr die Münchner Polizei von ihren Kollegen aus Basel. "Die Schweizer haben uns offiziell mitgeteilt, dass sie den Großteil dieser Fußballanhänger als Problemfans einstufen, die durch zahlreiche Straftaten auf dem Weg zwischen Bahnhof und Stadion auffallen", sagt Polizeisprecher Peter Reichl. Die Maßnahmen seien deshalb "mehr als gerechtfertigt". Auch der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Helmut Bahr, hält das Großaufgebot für berechtigt, auch wenn solche Einsätze an die Substanz der Beamten gingen. "Wenn gewaltsame Auseinandersetzungen zu befürchten sind, ist eine starke Polizeipräsenz aber unerlässlich", sagte er.

Aus der Schweiz waren indes auch andere Töne zu hören. Szenekenner Daniel Ryser, der ein Buch über Gewalt im Schweizer Fußball veröffentlicht hat, zeigte sich überaus verwundert über die erwartete Zahl gewaltbereiter Fans, die die Münchner Polizei mit etwa 800 beziffert hatte. Ryser zufolge ist das Zentrum der Schweizer Hooligans zwar Basel, es gebe aber in keinem Fall mehr als 50 bis 100 Hooligans und nicht mehr als 200 gewaltbereite Ultras.

Da gegen acht Hooligans ein Einreiseverbot verhängt worden war und auch diejenigen, die in Basel Stadionverbote haben, nicht in die Allianz Arena eingelassen wurden, sei eine nochmals kleinere Zahl zu erwarten gewesen. Ryser hegt deshalb Zweifel an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes. So wie auch betroffene Fans. Gerade viele normale Fußballfans waren geschockt und verärgert, dass sie bei ihrer Ankunft am Hauptbahnhof am ganzen Körper durchsucht und den Tag über begleitet wurden. Deeskalierend habe dies auf sie nicht gewirkt, sagten Betroffene der SZ.

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