Baseball:Out für die Disciples

Baseball: Freunde des amerikanischen Sports in Haar müssen in absehbarer Zeit woanders trainieren.

Freunde des amerikanischen Sports in Haar müssen in absehbarer Zeit woanders trainieren.

(Foto: Claus Schunk)

Haars Baseball-Mannschaft muss sich voraussichtlich ein neues Trainingsgelände suchen, weil die Gemeinde das zentral am Bahnhof gelegene Spielfeld als Gewerbestandort verkaufen will. Unmittelbar angrenzend baut ein Technologiekonzern seine Firmenzentrale

Von Bernhard Lohr, Haar

Die Durststrecke scheint überwunden zu sein. Im Haarer Rathaus melden sich wieder mehr Unternehmer, die sich in der Gemeinde ansiedeln wollen. Gewerbeflächen werden dringend benötigt. Aus diesem Grund soll ein sportlich genutztes Grundstück in bester Lage für Gewerbe freigemacht werden. Das Baseball-Team der Haar Disciples steht deshalb wohl vor einem Umzug. Eine Machbarkeitsstudie soll zeigen, wie diese in einem nach Westen erweiterten Sportpark ein Spielfeld bekommen können.

Das zentral am Bahnhof gelegene Baseballfeld ist seit längerem Gegenstand von Spekulationen. Manche sahen es bereits als Standort für eine Grundschule oder gar eine neue Realschule in der Gemeinde. Doch solche Überlegungen wurden auch bald verworfen, weil es dafür zu klein erschien. Nun will die Gemeinde dort ein anderes Problem lösen und Platz für neues Gewerbe schaffen. Das steht im Rathaus auf der Prioritätenliste ganz oben, seit mit der Bayerischen Versicherungskammer und der Sparkassen-Informatik mehrere große Unternehmen der Gemeinde den Rücken gekehrt haben und die Gewerbesteuer eingebrochen ist.

Gerade in dem neuen, attraktiven Bürostandort in Eglfing, gleich neben dem Sportpark herrschte in der Folge gähnende Leere. Mit der Kampagne "Workside Haar" versucht die Gemeinde, die Leerstände wegzubekommen und die Vorzüge Haars als stadtnaher und verkehrsgünstiger Standort für gehobenes Gewerbe anzupreisen. Mittlerweile gibt es auch Bewegung. Das im Bereich der Nanotechnologie tätige, forschungsintensive Unternehmen Attocube will direkt am Bahnhof das sogenannte Haarer Dreieck erwerben und dort eine Firmenzentrale errichten. Die Geschäftsführer stellten ihre Pläne vor einiger Zeit im Rathaus vor. Nach den Worten von Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) steht man kurz vor dem Abschluss eines Kaufvertrags für das Grundstück.

Gleich in der Nachbarschaft liegt das Baseballfeld, auf dem sich Müller am besten ein ähnliches Unternehmen vorstellen könnte. Konkrete Interessenten gebe es dafür aber noch nicht. Aber die Zahl der Anfragen wegen freier Gewerbeflächen sei deutlich gestiegen. Viele Firmen ziehe es raus aufs Land. "Ich sehe, die Stadt München wird voll." Laut Ute Dechent, die im Rathaus die Workside-Haar-Kampagne steuert, ist vor allem das Interesse an bebaubaren Gewerbeflächen gestiegen. Die günstigen Zinsen hätten zur Folge, dass Unternehmen expandierten und am liebsten gleich ins selbst gebaute Firmengebäude ziehen. Dennoch hat sich auch bei den Leerständen in Haar etwas getan. So ist das sogenannte Pagodum, ein Bürogebäude in Eglfing, nach Müllers Worten mittlerweile wieder voll belegt. Unter anderem hat sich das Verkehrstechnik-Unternehmen Swarco Traffic Systems GmbH in der Richard-Reitzner-Allee 1 nieder gelasssen. Auch im Gewerbegebiet an der Hans-Pinsel-Straße mit seinen laut Müller "schwer zu vermittelnden" Flächen hat sich viel getan. In dem Gebäude, aus dem im vergangenen Jahr der japanische Elektronikkonzern Panasonic ausgezogen ist, sind allerdings keine neuen Jobs mehr entstanden.

Lange war unklar, ob der Bau Flüchtlingsunterkunft werden würde oder ob dort nicht ein Low-Budget-Hotel für Rucksacktouristen eingerichtet werden könnte. Eigentümer und potenzielle Investoren verfolgten unterschiedliche Ziele. Die Gemeinde ist nun nicht gerade unglücklich darüber, dass dort voraussichtlich 200 Flüchtlinge einziehen werden. Wie Bürgermeisterin Müller sagt, wird das Gebäude bereits für diesen Zweck umgebaut.

Damit hat die Gemeinde nun zumindest ein Jahr lang Luft, um sich nach Möglichkeiten für neue Flüchtlingsunterkünfte umzusehen. Kürzlich wurde die Traglufthalle an der Vockestraße von 300 Menschen bezogen, dieser Tage werden an der Vockestraße, Ecke Brunnerstraße drei Feel-Home-Holzhäuser mit 96 Personen belegt. Insgesamt 540 Flüchtlinge muss Haar nach der Quotenregelung im Landkreis unterbringen.

© SZ vom 05.03.2016
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