Wochenlang musste in Baierbrunn das Trinkwasser abgekocht und gechlort werden, weil Anfang August der Grenzwert für Coli-Bakterien überschritten worden war. Eine aufwändige Suche nach der Ursache der Verunreinigung begann. Erste Untersuchungen der beauftragten Fachfirma wiesen auf die rechte Kammer des Hochbehälters hin. Nun weiß man Genaueres: Schuld ist eine Fuge, die dort nicht hingehört, wie am Dienstag im Gemeinderat mitgeteilt wurde.
Das Problem sei offenbar bei der Sanierung des Bauwerks im Jahr 2011 entstanden, erläutert Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) auf telefonische Nachfrage. Wie sich bei der Überprüfung zur allgemeinen Überraschung herausgestellt habe, weise die beanstandete Kammer am Boden eine verfüllte Fuge auf. „Keiner weiß, wofür sie da ist, und in der anderen Kammer gibt es das auch nicht“, sagt Ott.
Der Teufel steckt dabei im Detail: In dem Zwischenraum sei ganz unten ein Hohlraum entdeckt worden. Dort hätten sich über die Jahre coliforme Bakterien ansiedeln können. Ein Trostpflaster gibt es dabi: „Immerhin sind die Keime nicht, wie anfangs befürchtet, über Tiere oder Pflanzen eingeschleppt worden“, sagt Ott.
Nun will die Kommune handeln. In einem ersten Schritt fällte der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss, den Wasserhochbehälter zu sanieren. Da erst Angebote eingeholt werden müssen, waren genaue Zahlen in der Sitzung noch nicht Thema. Eines aber ist klar: „Da kommt eine umfangreiche Sache auf uns zu“, sagt Ott. Wegen des fortgeschrittenen Alters des Ende der Fünfzigerjahre errichteten Bauwerks sei es sinnvoll, gleich beide Kammern zu überholen und auf den neuesten technischen Stand zu bringen.
Damit ist es aber nicht getan. Um die Zukunft des Baierbrunner Trinkwassers zu sichern, denkt die Gemeinde über die Anschaffung einer UV-Desinfektionsanlage nach, wie sie auch in anderen Kommunen im Einsatz ist. Diese würde eventuell auftretende Bakterien durch ultraviolettes Licht abtöten.
Ein Notverbund mit Pullach soll Sicherheit schaffen
Wegen Krankheitsfällen in der Rathausverwaltung musste die für die Sitzung angekündigte Vorstellung einer solchen Desinfektionsanlage jedoch entfallen und soll nachgeholt werden. „Wir müssen uns für die Zukunft wappnen“, sagt Ott. Dazu soll auch ein Notverbund mit der Gemeinde Pullach beitragen, um über deren Leitungssystem an frisches Trinkwasser zu kommen.
Doch bevor das greifen kann, müssen erst einmal Fachleute die Rohre der beiden benachbarten Hochbehälter so verlegen, dass ein Rückfluss des Baierbrunner Wassers verhindert wird. Damit soll im Fall einer Kontaminierung eine Verschleppung ins Pullacher Leitungssystem ausgeschlossen werden.
Mittlerweile ist das Baierbrunner Trinkwasser wieder sauber. Im September ist das Abkochgebot aufgehoben worden, die Chlorung wurde bereits schrittweise zurückgefahren. Allerdings fehlt noch die offizielle Freigabe des Landratsamtes München. Diese lässt auf sich warten, weil nach einer Chlorung routinemäßig noch einmal das gesamte Netz auf Auffälligkeiten überprüft werden muss.

