Im Idealfall ist das Dorfwirtshaus ein öffentliches Wohnzimmer, in dem man gut essen kann und sich ein zeitloses Flair der Gemütlichkeit entfaltet. Baierbrunn ist seit der Schließung des Gasthofs "Zur Post" im Sommer 2019 ein Ort ohne Wirtshaus. Und ein bisschen zu gemütlich haben es sich aus Sicht zahlreicher Gemeinderäte die Rathausverwaltung und Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) gemacht, was das Bemühen angeht, diese Situation zu ändern.
Konkret geht es es darum, den Weg zu ebnen für die Einrichtung einer professionellen Gastronomie im Sport- und Bürgerzentrum am Wirthsfeld - ein Begehren, das allgemein goutiert wird und das die Gemeinderäte bereits in einer Sitzung am 18. Januar in einem Beschluss befürwortet hatten. Da sich seitdem allerdings nicht viel getan hat, wurde die Gemeindeverwaltung jetzt verpflichtet, bis zur März-Sitzung 2023 eine konkrete Projektablaufplanung zu erarbeiten und eine Machbarkeitsstudie für das Gesamtgebäude vorzulegen. Die für die Umsetzung erforderlichen Mittel sollen im Haushalt 2023 eingestellt werden.

"Vielen Dank für die klare Definition der Hausaufgaben an Bürgermeister und Verwaltung", sagte Ott. Es handelt sich dabei unter anderem um die Klärung rechtlicher und baulicher Möglichkeiten der Umnutzung, um Fragen des Brandschutzes, der Statik und energetischen Ertüchtigung. Christian Kaldenbach (ÜWG) war es wichtig zu betonen, dass es nicht nur um den bisher vom SC Baierbrunn genutzten Mittelteil des Sport- und Bürgerzentrums gehen könne, sondern ein Konzept für das gesamte Gebäude erarbeitet werden müsse. Die Kosten für die erforderlichen Umbauten - als Voraussetzung für die behördliche Genehmigung der Umnutzung - bewegen sich je nach Qualität und Anzahl der Maßnahmen derzeit geschätzt zwischen 350 000 und 600 000 Euro. Die bisherige Küche muss etwa deutlich ausgebaut werden. Zudem soll geklärt werden, wie die neben dem SCB im beheimateten Vereine - Trachtler und Altschützen - eingebunden werden können und deren Bedenken wegen der Umnutzung zerstreut.
Der Waldgasthof Buchenhain bleibt vorerst die einzige Gastronomie in der Gemeinde
Anlass für die Diskussion im Gemeinderat, bei der quer durch alle Fraktionen kritische Worte in Richtung Verwaltung fielen, war ein Antrag von Peter Tilmann und Robert Gerb (beide Grüne) sowie Sascha Lechner (ÜWG), der auf den Beschluss von der Januar-Sitzung verwies, die zeitnahe Realisierung eines runden Tisches forderte und die Einstellung von Haushaltsmitteln. "Unsere Motivation war es, Schwung in die Sache zu bringen", sagte Tilmann. Das ist - auch wenn etwa die Idee des runden Tisches unter Beteiligung der Vereine erst einmal verworfen wurde - gelungen.
Ott nahm die Kritik generell an, verwies aber darauf, dass die Forcierung der Umnutzung auch wegen schwieriger Haushaltsverhandlungen und Einsparwünschen von Seiten des Gemeinderats am Anfang des Jahres zurückgestellt worden sei. "Wenn ich keine entsprechenden Mittel habe, kann ich auch keine Planungsaufträge vergeben", sagte er der SZ. Er hatte, was das Finanzielle anging, indes auch gute Nachrichten: Die Gemeinde hat jüngst durch Grundstücksverkäufe rund 470 000 Euro eingenommen, weitere Verkäufe stehen im Raum. Es wird aber dennoch wohl ein längerer und vermutlich nicht gerade gemütlicher Weg werden, bis Baierbrunn ein Wirtshaus im Sport- und Bürgerzentrum haben könnte. Bis dahin bleibt der Waldgasthof im Ortsteil Buchenhain die einzige Gastronomie in der Gemeinde.

