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Baierbrunn:Schneeweiß und rostrot

Zahlreiche Skulpturen großer internationaler Künstler sind von der Straße aus einzusehen

Nach kurzem föhnhaften Intermezzo ist der Winter wieder in den bayerischen Alltag hereingeschneit. Dieser Alltag scheint, abgesehen von den kleinen, ungezogenen Wetterkapriolen, aber ohnehin immer alltäglicher zu werden, um nicht zu sagen: öder. Was könnte Abhilfe und Erbauung schaffen? Nun, die Museen haben zwar immer noch geschlossen, allenfalls sind virtuelle Führungen möglich. Wen das nicht wirklich befriedigt und wer genug vom Home-Office hat, der könnte sich ja mal im öffentlichen Raum umsehen und sozusagen einen kleinen Open-Air-Museumsspaziergang gönnen.

Eine gute Chance, Körper und Hirn durchzulüften und den Schönheitssinn zu befeuern, bietet sich in Baierbrunn. In der Ortsmitte flankieren zahlreiche Skulpturen großer internationaler Künstler die Verlagsgebäude des Wort & Bild Verlags (Apothekenumschau). Ihre Präsenz in der Isartalgemeinde verdanken sie der Kunstliebe des Verlagsgründers und Mäzens Rolf Becker, der 2014 gestorben ist.

Etliche Werke sind von der Straße aus einzusehen, zum Beispiel "Großes gesockeltes Paar" von Lothar Fischer, der selbst lange in Baierbrunn lebte. Schön, wie hier die Kombination schneeweiß und rostrot wirkt: Die rund 2,80 Meter großen, aus Eisen gegossenen Figuren entfalten trotz ihrer Größe und archaischen Aura Eleganz und Fragilität. Die Skulptur "Besarkada" (baskisch für Umarmung) des spanischen Bildhauers Eduardo Chillida trägt schon im Titel eine sehr aktuelle Sehnsucht.

Lust auf Bewegung macht Magdalena Abakanowicz' Werk "Five Figures Running". Der in Bronze gegossene, von Eisenbändern umkränzte Kopf "Ariadna III" von Manolo Valdés ziert den Eingangsbereich eines neueren Verlagsgebäudes und Jaume Plensas "Ludwig's Dreams" ist dem berühmtesten Jubilar des vergangenen Jahres gewidmet: Beethoven.

© SZ vom 11.02.2021 / wat
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