Doppelgänger:Bürgermeister in Bayern oder Wirtschaftsminister im Norden?

Lesezeit: 2 min

Bürgermeister Patrick Ott (rechts) und der neue schleswig-holsteinische Minister Claus Ruhe Madsen. (Foto: dpa/unk)

Baierbrunns Bürgermeister sieht dem Dänen Claus Ruhe Madsen so ähnlich, dass man sich fragt, wer nun wirklich Minister in Schleswig-Holstein geworden ist.

Interview von Iris Hilberth, Baierbrunn

Wer in diesen Tagen Nachrichten schaut und aus der kleinen Gemeinde Baierbrunn im Süden von München kommt, fragt sich womöglich: Nanu, was macht denn unser Bürgermeister in Kiel? Der Mann mit dem Rauschebart, dem schwungvollen Seitenscheitel und der markanten Brille, der am Mittwoch als Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein vereidigt worden ist, ist aber nicht Patrick Ott. Auch wenn er so aussieht. Claus Ruhe Madsen, der Däne von der Ostseeküste, der bislang Rostocker Oberbürgermeister war, könnte aber glatt als dessen Zwillingsbruder durchgehen. Einen Rollentausch würde sicher keiner merken. Wer weiß, vielleicht sitzt Madsen schon längst im Baierbrunner Rathaus.

SZ: Hallo Herr Ott, sind Sie es wirklich?

Patrik Ott: Ja, klar. Was dachten Sie?

Na, vielleicht ihr Doppelgänger Claus Ruhe Madsen.

Nein, der wird meines Wissens heute in Kiel vereidigt.

Baierbrunns Bürgermeister Patrick Ott - oder doch der neue Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein? (Foto: Sebastian Berger)

Können Sie denn auch Dänisch?

Leider überhaupt nicht. Es beschränkt sich auf ein paar Wörter aus der Muppet-Show. Da gab es ja den dänischen Koch. Also höchstens " Smørrebrød, Smørrebrød røm, pøm, pøm, pøm".

Waren Sie schon mal in Schleswig-Holstein?

Sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Dänemark.

Das heißt also, Claus Ruhe Madsen hat Ihnen da einen attraktiven Job als Minister in Kiel weggeschnappt?

Neee. (lacht) Ich sag' es mal so: Dass der Mann für Höheres vorgesehen ist, war - glaube ich - schon klar, als er als Bürgermeister von Rostock angetreten ist. Ich freue mich, seine Entwicklung zu sehen. Ich habe über mich von vornherein gesagt, ich bin zwölf Jahre lang gerne Bürgermeister in Baierbrunn und dann schauen wir weiter, wenn ich 65 bin. Also, den Job gönne ich ihm gerne. Und wenn, dann würde ich natürlich hier in Bayern was machen wollen und nicht im hohen Norden.

Aber eine Urlaubsvertretung wäre doch möglich. Das merkt doch keiner.

Wenn er jetzt einen Look-alike braucht, damit keiner mitbekommt, wenn er sich zwischendurch mal ausklinkt - das kriege ich, glaube ich, hin.

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Wie würden Sie sich denn auf eine Urlaubsvertretung in Kiel vorbereiten?

Ich würde mir erst nochmal einige seiner Videos anschauen, damit ich ihn im Ton treffe. Dann muss ich blöderweise meine Haare genau andersherum kämmen, also von rechts nach links. Bei mir ist es genau umgekehrt. Und am Bart müsste man minimale Veränderungen vornehmen, aber das reicht dann, glaube ich, auch schon.

Sind Sie schon mal auf die Ähnlichkeit angesprochen worden. Haben Sie vielleicht sogar den gleichen Stilberater?

Stilberater? (lacht) Also mein Barber in München kennt Herrn Madsen nicht persönlich. Ich bin tatsächlich Ende 2018 über Facebook von Freunden angesprochen worden, was es damit auf sich hätte, dass ich da im hohen Norden als Bürgermeister kandidiere. Ich habe zwar klargestellt: Das ist so nicht. Aber ab dem Zeitpunkt habe ich den Kollegen Madsen im Wahlkampf und auch danach sehr intensiv verfolgt. Und ich werde immer noch regelmäßig, wenn etwas aus Rostock kommt, von Freunden angeschrieben: Guck mal, was dein Look-alike gerade macht. Das zieht sich bis heute durch.

Aber getroffen haben Sie ihn noch nie?

Leider nicht. Ich habe ihm nach meiner Wahl mal ein Kärtchen geschrieben. Aber ich gehe davon aus, dass das in der großen, großen Post, die er als Bürgermeister von Rostock erhält, untergegangen ist. Ich hatte zwei Bilder von uns nebeneinandergestellt und ihn eingeladen, wenn er mal Urlaub im Süden macht, im kleinen Baierbrunner Rathaus vorbeizuschauen. Das wäre sicher ein lustiger Termin. Abgesehen davon: Alles, was ich bisher von ihm gelesen habe, lässt mich glauben, dass wir uns auch in einem gemeinsamen Gespräch sehr schnell wirklich gut verstehen.

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