KulturIntegration mit Saxofon

Lesezeit: 3 Min.

Der 16 Jahre alte ukrainische Saxofonist Peter Grigoryan spielt auf Einladung der Vereinsvorsitzenden Petra Bokowski in den Räumen des Vereins "Mittendrin in Baierbrunn".
Der 16 Jahre alte ukrainische Saxofonist Peter Grigoryan spielt auf Einladung der Vereinsvorsitzenden Petra Bokowski in den Räumen des Vereins "Mittendrin in Baierbrunn".
Claus Schunk

Die Vorsitzende von "Mittendrin in Baierbrunn" hat den jungen Ukrainer Peter Grigoryan in München auf der Straße spielen gehört und zusammen mit seiner Mutter für Musikworkshops engagiert. Jetzt gibt der begabte 16-Jährige ein Konzert in den Räumen des Vereins.

Von Franziska Gerlach, Baierbrunn

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Peter Grigoryan hat einen Trick, der erfahrungsgemäß selbst den ungläubigsten Zuhörer überzeugt. Manchmal stellt er ohne Vorwarnung den Verstärker aus. "Da sind die Leute immer überrascht", sagt der 16-jährige Ukrainer. In diesem Moment merken sie nämlich: Hoppla, die Musik kommt gar nicht vom Band. Der junge Mann beherrscht sein Instrument ja wirklich. Der spielt tatsächlich ganz hervorragend Saxofon, und zwar quer durch alle Stilrichtungen.

Manchem Münchner ist der Saxofonist aus Kiew vielleicht schon bei einem seiner Straßenkonzerte aufgefallen, am Stachus oder Odeonsplatz zum Beispiel, oft klatscht oder tanzt jemand zu seiner Musik. An diesem Samstag, 29. April, gibt Peter Grigoryan nun ein Konzert in Baierbrunn. Was genau er spielen wird, möchte er spontan entscheiden. Das hänge ja immer auch von den Zuhörern ab, erklärt er. Wünschen die sich eher etwas Klassisches, wird er vielleicht ein Stück des französischen Komponisten Claude Debussy spielen. Steht dem Publikum der Sinn nach Jazz, wird es wohl eher ein Cover von Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong.

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Das Konzert in der Isartalgemeinde hat der Verein "Mittendrin in Baierbrunn" organisiert, für den der junge Ukrainer und seine Mutter, eine Musikpädagogin, "internationale Musikworkhops" für Kinder und Jugendliche anbieten. Das formulierte Ziel des 2021 gegründeten Vereins ist, Begegnungen in Baierbrunn zu ermöglichen, Kunst und Kultur in der Gemeinde zu beleben und außerdem die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu fördern. "Die Idee des Konzerts ist, die Leute zusammenzubringen", sagt die Vorsitzende Petra Bokowski. Immerhin hätten rund 80 bis 90 Menschen aus der Ukraine in der Gemeinde Zuflucht gefunden.

Der Verein wiederum kann seit dem vergangenen Jahr die Räume einer ehemaligen Sparkassen-Filiale sein Zuhause nennen. Mit gespendeten Möbeln und anderen Dingen, die günstig erworben wurden, haben Ehrenamtliche dort eine sympathisch bunte Welt geschaffen. "Unser ganzer Stolz ist die Kaffeemaschine", sagt Bokowski. "Die mussten wir erst mühevoll reparieren." In den Räumlichkeiten an der Wolfratshauser Straße 44 gibt es dienstags einen "Lunch-Treff", ein "Mittwochscafé" sowie an jedem Donnerstag einen Spieletreff, dazu eine eigene Ecke für Kinder und an den Wänden präsentieren Künstlern aus der Region ihre Bilder.

Der Verein organisiert Lesungen und Frauentreffs, Töpferkreise und Hofflohmärkte, allein für das Jahr 2022 kommt das Team auf 230 Veranstaltungen. Nur musikalisch war noch nicht allzu viel geboten. Deshalb wolle man das Programm ausbauen, erklärt Bokowski. An dieser Stelle kommt Peter Grigoryan ins Spiel, der von den "300 CDs" erzählt, mit deren Hilfe er schon mit fünf oder sechs Jahren Beethovens Sinfonien voneinander zu unterscheiden lernte. Im März 2022 floh er mit seiner Mutter vor dem russischen Angriffskrieg, in München besucht er nun die zehnte Klasse eines Gymnasiums und studiert obendrein bereits an der Hochschule für Musik und Theater. Mit seinem zweiten Instrument, dem Klavier, hat er in diesem Jahr einen ersten Platz beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" belegt.

Wie die Zusammenarbeit mit dem Baierbrunner Verein zustande kam? "Die wunderbare Petra hat uns eingeladen, Workshops zu halten", sagt Grigoryan. Mit Petra ist natürlich Petra Bokowski gemeint, die jetzt neben ihm sitzt. Der junge Saxofonist war ihr das erste Mal bei einem seiner Straßenkonzerte aufgefallen, zufälligerweise besuchte dessen Mutter dann denselben Deutschkurs wie eine in Baierbrunn lebende Ukrainerin. Bokowski klingt begeistert, als sie von internationalen Musikworkshops für Kinder und Jugendliche von sechs bis 16 Jahren erzählt. Die seien toll, sagt sie. Es werde gesungen und getanzt, in unterschiedlichen Sprachen.

"Alle Lieder sind quasi meine Kinder"

Über ein breites Repertoire verfügt natürlich auch Peter Grigoryan an seinem Saxofon, auf einen Lieblingskomponisten will er sich aber nicht festlegen. "Alle Lieder sind quasi meine Kinder", sagt der junge Musiker, der der Kindheit selbst gerade erst entwachsen ist. Wer sich durch seine Youtube-Videos klickt, der sieht nicht nur einen Saxofonisten, der im Münchner Hofgarten swingt. Der darf sich auch zur Melodie der italienischen Ballade "Come vorrei" hinwegträumen oder an Grigoryans Darbietung von "Csárdás" erfreuen, dem bekannten Stück des neapolitanischen Komponisten Vittorio Monti.

Die Einnahmen seiner Straßenkonzerte spendet der junge Musiker an ukrainische Zentren in Bayern und Baden-Württemberg. Da sie in der Münchner Fußgängerzone bekanntermaßen nicht jeden sein Instrument auspacken lassen, musste auch er sein musikalisches Können zunächst bei der Stadt unter Beweis stellen. Für Grigoryan ein Klacks. "Komm und spiel!", habe es nur geheißen. Hat er dann auch gemacht.

Saxofon-Konzert mit Peter Grigoryan am Samstag, 29. April, 18 Uhr, Wolfratshauser Straße 44, Baierbrunn. Einlass gegen eine Spende für die Ukraine.

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