KonzertMehr als klangschönes Wellenrauschen

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Die Mitglieder des Quartetts "Quadro Nuevo" sind gewissermaßen die Lokalmatadoren in Dorfen.
Die Mitglieder des Quartetts "Quadro Nuevo" sind gewissermaßen die Lokalmatadoren in Dorfen.
Florian Peljak

Mulo Francel begeistert mit der Weltmusik-Formation Quadro Nuevo in seinem Heimatort Baierbrunn.

Von Udo Watter, Baierbrunn

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Vor der violett illuminierten Fensterfront im abgedunkelten Saal hebt ein lässig dahinfedernder Groove an. Das Stück, das die vier Musiker da als rhythmisch reizvollen Anfangszauber gewählt haben, ist gleich mal dazu angetan, jede Schwere und Herbsttristesse klangschön aus den Köpfen zu swingen. Musik gewordenes Wellenrauschen? Die mediterrane Leichtigkeit des Seins? Nun, Quadro Nuevo, die wohl erfolgreichste deutsche Weltmusik-Formation, weiß nicht nur musikalisch zu begeistern, sondern auch Worte zu prägen, und das von Bassist Didi Lowka komponierte Einstiegstück "Sambadi Didi" passt schon ganz gut zu dem Motto, das sie ihrem Album "Mare" beigegeben haben: "The Mediterranean Lightness of Being".

Dem Publikum in Baierbrunn, welches das Vergnügen hatte, dem Konzert von Quadro Nuevo im Irenensaal des Wort & Bild Verlags zu lauschen, wurde freilich nicht nur Klangräume mit sanft welligen Nebenwirkungen geboten. Das Ensemble präsentierte eine feine Melange ihrer aus großer musikalischer Neugierde geborenen Songs und Arrangements: von Jazz über Tango und brasilianischem Chôro bis zu ägyptischen Klängen und einer unaufgeregt entzückenden Version von "Maria durch ein Dornwald ging".

Auch einige Ukrainer verfolgen den Auftritt im Irenensaal

Nach dem zweiten Stück, dem jazzig-verspielten "Adas Song", schien nicht nur das Publikum mitgerissen, auch der Komponist desselbigen war angetan: "Der Saal klingt toll, oder?", sagte Mulo Francel und strahlte. Für den 55-jährigen Saxofonisten und Klarinettisten war der Auftritt ein Heimspiel. Seit vielen Jahren lebt Francel, der als Kopf des 1996 gegründeten Ensembles gilt, in Baierbrunn. Im Irenensaal, der auch aufgrund der Pandemie für die Öffentlichkeit jetzt für einige Zeit nicht zugänglich war, hatte er zuvor noch nie gespielt. Dass dieses Konzert zustande kam, ist neben ihm auch der Kooperation des Vereins "Mittendrin in Baierbrunn" als Organisator und dem Verlag zu verdanken, der den Saal zur Verfügung stellte. "Wir haben gesagt, wir wollen die Baierbrunner mal wieder zum Köcheln bringen", erklärte Meinolf Ramsel von "Mittendrin in Baierbrunn". Und die ließen sich nicht lange bitten: Die Karten waren jedenfalls recht schnell ausverkauft, zudem waren am Dienstagabend auch einige in der Isartal-Gemeinde untergebrachte Ukrainer zu Gast, die zuvor schon im Irenensaal eine Adventsfeier abgehalten hatten.

Diejenigen, die danach dem abendlichen Konzert in der "Baierbrunner Philharmonie", wie Francel den architektonisch in der Tat sehr gelungenen und mit einer guten Akustik gesegneten Saal scherzhaft nannte, sollten es nicht bereuen. Das Ensemble, bei dem neben der etablierten Stammbesetzung Francel, Lowka (Bass und Perkussion) und Andreas Hinterseher (Akkordeon, Bandoneon) auch der junge Gitarrist Philipp Schiepek beeindruckend virtuos aufspielte, zeigte seine ganze Klasse als Live-Band. Schiepek, 2020 mit dem renommierten "BMW Welt Young Artist Jazz Award" ausgezeichnet, hatte immer wieder Gelegenheit, solistisch zu glänzen, seine klangschöne Handschrift zu demonstrieren und dabei eine sublime musikalische Spannung zu bewirken.

Dass auch seine drei älteren Partner Könner ihres Fachs sind, braucht nicht extra betont zu werden: Francel ist ein großartiger Saxofonist, ein eleganter Melodiker, der auch mit der Klarinette viel Sinnlichkeit entfaltet. Lowka pflegt nicht nur zu seinem Kontrabass eine lässig-zärtliche, mitunter scharf-rhythmisch ausgetragene Liebesbeziehung, sondern ist auch auf verschiedenen Perkussions-Instrumenten ein Meister. Hinterseher übernimmt als Akkordeonist oder beim Tango Nuevo à la Piazzolla mit dem Bandoneon oft die melodische Hegemonie - oder untermalt dann auch mal mit der Trompete die leise Melancholie eines Arrangements. Schön ist zudem, wie die vier trotz ihrer solistischen Qualitäten zusammen agieren, sich rhythmisch versiert die Bälle zuspielen, meist dieses Lächeln auf den Lippen, das so charakteristisch ist für Live-Musiker, die innerlich in der eigenen Improvisations- und Spielfreude surfen.

Dass der typische, oft mediterran angehauchte Weltmusik-Sound von Quadro Nuevo vielleicht auch mal recht eingängig daherkommt, mag mancher Kritiker bemängeln. Gleichwohl ist das Programm an diesem Abend, bei dem auch Stücke der neuesten Alben "Odyssee" und "December" gespielt werden, so abwechslungsreich, kontrastiv und packend, dass es definitiv keinen Grund für diesen Vorwurf gab. Ja, Heimspiele sind nicht immer leicht, wie Didi Lowka mit Blick auf seinen Kollegen Francel zwischendurch verschmitzt bemerkte. Aber der brauchte nach diesem Auftritt keine Angst zu haben, am nächsten Morgen zum Bäcker in Baierbrunn zu gehen.

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