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Baierbrunn:Hier lässt es sich leben

Mehr als die Hälfte aller über 60-Jährigen beteiligen sich an einer Umfrage zur Situation der Senioren in der Gemeinde. Die meisten verteilen gute Noten

Von Udo Watter

Nicht nur junge Familien ziehen gern nach Baierbrunn, auch ältere Menschen scheinen sich generell in der kleinen Gemeinde am linken Isarhochufer wohl zu fühlen. Das kann als erstes Ergebnis einer breiten Seniorenumfrage festgehalten werden, welche die Kommune vor einiger Zeit vornahm - auch wenn es einige kritische Anmerkungen gibt, wie das Fehlen kultureller Angebote, eines attraktiven Treffpunkts von Jung und Alt, Informationsdefiziten in puncto Ansprechpartner oder ein Dorfladen.

Die Gemeinde Baierbrunn ist bekannt für die überdurchschnittliche Beteiligung ihrer Bürgerinnen und Bürger - sei es bei Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahlen oder dem Volksbegehren zur Rettung der Bienen. So nimmt es nicht wunder, dass auch die Seniorenumfrage, welche die Gemeinde im Dezember und Januar bei den über Sechzigjährigen organisiert hat, auf große Resonanz stieß. Dass gleich mehr als die Hälfte der Angeschriebenen (52,5 Prozent) teilnahm - insgesamt 827 Personen hatten Post mit einem sechsseitigen Fragebogen bekommen, der sowohl in Papierform, also auch online beantwortet werden konnte - überraschte die Seniorenbeauftragte und Gemeinderätin Christa Zwiefelhofer (Überparteilich Wählergruppe) denn doch. "Das hat mich sehr gefreut. Ich hatte so mit 20 Prozent gerechnet", sagt Zwiefelhofer, die die Umfrage mit Melanie Marganus von der Rathausverwaltung initiiert hat.

Ziel war es, die Lebenssituation und Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren in der Gemeinde am Isarhochufer genauer zu beleuchten. Der Fragenkatalog ging von "Was läuft gut in der Gemeinde und wo gibt es Verbesserungsvorschläge?" über "Wo trifft man sich? Wo kauft man ein?" und "Wie ist die Wohnsituation?" bis zu "Gibt es genügend Freizeit- und Sportangebote?". Speziell ging es natürlich auch um Wünsche der älteren Generation und ihre Erwartungen an die Gemeinde. Als vorläufiges Ergebnis kann man schon mal konstatieren: Vieles spricht dafür, dass die Bürger sich in Baierbrunn sehr wohl fühlen, über 90 Prozent wohnen schon seit mindestens zehn Jahren hier, manche schon seit ihrer Geburt. Auch mit ihrem Einkommen sind die meisten zufrieden, gut 80 Prozent gaben an, dass sie finanziell gut zurechtkommen. Jeder fünfte ist auch noch in Teilzeit, oder Vollzeit beschäftigt. Dass das Leben am Stadtrand von München teuer ist, beschäftigt aber auch gut ein Zehntel der Befragten und entsprechend die Frage, wohin das führen könnte.

Die meisten Älteren in Baierbrunn wohnen mit ihrem Partner zusammen, manche sogar mit den Kindern und Enkelkindern. Oftmals im eigenen Haus, oder der eigenen Wohnung. 21 Prozent wohnen laut Angabe allein. Gerade für diese sind nach Meinung Zwiefelhofers soziale Angebote wichtig, die man auch bekannt machen müsse: Jenseits von Nachbarschaftshilfe oder "Essen auf Rädern" geht es dabei um die Möglichkeit, sich in angenehmen Ambiente und zwanglos zu treffen, zu reden, oder auch mal eine ortshistorische Führung durch Buchenhain zu organisieren. "Es ist schön, wenn man einfach miteinander ratschen kann", sagt Zwiefelhofer.

Eine Hoffnung setzt die Seniorenreferentin in den Ausbau des Sport-und Bürgerzentrums mit einer möglichen kleinen Gastronomie, welche man als Treffpunkt nutzen könnte. Die umfangreichen Freizeitangebote der Vereine werden von Senioren (außerhalb der Corona-Zeiten) offenbar rege genutzt. Vermisst werden jedoch Angebote wie Vorträge, Theater, Film und Konzerte. Auch ein Dorfladen oder ein Minigolfplatz steht bei manchen auf der Wunschliste. Wichtig ist vielen auch, zuhause in der vertrauten Umgebung alt zu werden. Was die Mobilität angeht, sind ältere Baierbrunner insgesamt offenbar recht agil, Kritikpunkte sind hier die Taktung der S-Bahn, viele wünschen sich zudem einen Ausbau der Fahrradwege.

Nach Ostern, am 7. April, wird es im nächsten Arbeitsschritt einen Workshop geben, bei dem Vertreter der Gemeinde, aber auch Akteure der Seniorenarbeit und der Vereine konkrete Maßnahmen diskutieren und entwickeln. Begleitet wird dies durch das Institut "Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung" aus München.

Bei Fragen zum Thema Älterwerden in Baierbrunn oder zu anderen Angeboten vor Ort haben, kann man sich an Melanie Marganus von der Gemeindeverwaltung wenden (Telefon 089/74 41 50 16, melanie.marganus@baierbrunn.de) oder an die Seniorenreferentin Christa Zwiefelhofer (seniorenreferat@baierbrunn.de).

© SZ vom 30.03.2021
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