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Baierbrunn:Ein wenig Groll im Isartal-Idyll

Viele Baierbrunner kritisieren, dass viele Mountainbiker zur rücksichtslos unterwegs seien - es gibt aber auch gegenteilige Stimmen.

(Foto: Claus Schunk)

Rasende Mountainbiker und Ärger mit Pullach - bei der Baierbrunner Bürgerversammlung gibt es auch Misstöne

Von Michael Morosow, Baierbrunn

Die Gemeindefinanzen haben die Coronakrise bislang gut überstanden, mit den kommunalen Bauvorhaben geht es voran, die Sicherheitslage ist laut dem Grünwalder Polizeichef Andreas Forster zufriedenstellend, das Gemeindeleben kommt auf Touren und für Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) ist es jeden Tag eine Freude, ins Rathaus zu fahren, wie er am Ende der Baierbrunner Bürgerversammlung am Donnerstag im Festzelt auf dem Sportplatz den etwa 60 Besuchern zurief. Die Bilanz des Bürgermeisters, der vor knapp eineinhalb Jahren ins Amt gewählt wurde, ist weitgehend positiv ausgefallen und wurde von den Besuchern entsprechend goutiert. Sein Vorgänger Wolfgang Jirschik habe ihm aber auch ein schlüsselfertiges Haus übergeben, sagte Ott, ehe er zu einer Lobrede auf die Mitglieder des Gemeinderates und der Verwaltung ansetzte, "deren Arbeit oft untergeht".

Dennoch herrscht nicht in allen Bereichen eitel Sonnenschein in der kleinen, schmucken Gemeinde, es kamen auch Probleme zur Sprache - zum einen mit der Nachbargemeinde Pullach im Zusammenhang mit der Standortdiskussion für eine gemeinsame Mittelschule, zum anderen mit den Mountainbikern, deren wilde Fahrten abseits der Wege zum wiederholten Male beklagt wurden.

Er werde wegen der Mittelschule in der nächsten Woche ein sehr deutliches Schreiben an den Pullacher Gemeinderat schicken, "der tut so, als hätte er alleine zu entscheiden", sagte Ott. Der Diskussion um den Mittelschulstandort liegt eine sehr komplexe Gemengelage zugrunde. Die Idee, sie auf dem Wirthsfeld in Baierbrunn für alle Schülerinnen und Schüler aus Pullach, Baierbrunn, Grünwald, Straßlach und Schäftlarn zu errichten, kam aus Pullach, jetzt aber hat Straßlach den Schulverbund in Richtung Oberhaching verlassen und es ist auch nicht mehr sicher, dass Grünwald darin verbleibt. In Pullach wird deshalb inzwischen zweigleisig verfahren und darüber diskutiert, einen Schulcampus mit Gymnasium und Mittelschule auf eigener Flur zu errichten. "Eine Entscheidung, die Pullacher Befindlichkeiten lösen soll, wird Baierbrunn nicht mitgehen", kündigte Ott an. Im Schulverbund säßen vier Gemeinden, "in Pullach wird man sich daran gewöhnen müssen, dass auch andere Gemeinden mitreden", wetterte er in Richtung der Nachbargemeinde.

Ein weiteres Problem, ein Dauerärgernis gar für alle Isartalgemeinden, brachte eine Besucherin zur Wiedervorlage, als sie den stellvertretenden Landrat Ernst Weidenbusch (CSU) nach dem Sachstand bei den Planungen für einen Isartrail von Landkreis und Stadt München fragte und von ihm wissen wollte, ob es Planungen für die Ausweisung von Naturschutzgebiete an der Isar gebe. Den Sachstand erläuterte kurz und knapp Bürgermeister Ott: Zwischen Stadt und Landkreis gebe es immer noch Streit über die Haftungsfrage, sagt Ott und berichtete von der Erfahrung mit einem Mountainbikefahrer, der für sich mithilfe einer Akku-Motorsäge eine Rampe angelegt habe.

Eine Ausweisung von Naturschutzgebieten sei "derzeit nicht angedacht", sagte Weidenbusch und verwies auf Naturschutzwächter in großer Zahl, die entlang der Isar im Einsatz seien. Alt-Bürgermeisterin Christine Kammermeier wären freilich Gebietsbetreuer lieber, wovon es in Bad Tölz sechs bis acht gebe, "bei uns keinen". Weidenbusch berichtete von Mountainbikern, die mit 45 Stundenkilometern unterwegs seien. "Warum sollen wir Leute einstellen, die den Mountainbikern hinterherwinken", sagte er. Der erst im Juni in den Gemeinderat nachgerückte Ravindra Nath (FDP) brach dagegen eine Lanze für die Mountainbiker. Dieser pauschalen Verunglimpfung der Biker widerspreche er, man könne nicht von einem auf andere schließen, sagte er.

Auf dem Hin- und Rückweg passierten die Besucher eine Bühne. "Gestern aufgebaut für den Kultursommer 2022, zwischen Solln und Wolfratshausen sind wir die einzigen, die so etwas anbieten", sagte Ott stolz.

© SZ vom 17.07.2021
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