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Baierbrunn:Das Denkmalamt soll es richten

Gemeinderäte wollen Neubau in der Ortsmitte verhindern

Von Patrik Stäbler, Baierbrunn

Einstimmig hat der Baierbrunner Gemeinderat den Neubau eines Hauses mit elf Wohnungen und Tiefgarage neben dem Gasthof zur Post abgelehnt - und doch könnte sich dieser Widerstand als vergebens erweisen. Denn wie Bürgermeister Patrick Ott von der Überparteilichen Wählergruppe (ÜWG) in der jüngsten Sitzung des Gremiums darlegte, ist der Bauantrag für die betreffende Fläche rechtlich zulässig. "Klar können wir unser Einvernehmen verwehren", sagte der Rathauschef vor der Abstimmung. "Aber dann würde das Landratsamt unsere Zustimmung ersetzen."

Die Gemeinderäte störten sich vor allem an der Größe des Vorhabens. "Im Ortskern passt das nicht rein", betonte etwa Christine Kammermeier von der SPD. Ein solcher Neubau würde sich nicht in die Umgebung einfügen, sagte auch Robert Gerb von den Grünen mit Verweis auf die Kirche gegenüber und den benachbarten Gasthof zur Post.

Das Lokal ist seit Sommer 2019 geschlossen; das Gebäude steht unter Denkmalschutz. "Zum Gasthof zur Post wird nichts dargelegt", kritisierte Gerb mit Blick auf den Bauantrag. "Wahrscheinlich wird er runtergewirtschaftet, sodass man ihn irgendwann doch wegreißen darf. Das ist Spekulation, aber meine Befürchtung." Dieser Vermutung widersprach allerdings Bauamtsleiter Patrik Kohlert. Er berichtete in der Gemeinderatssitzung, dass die Besitzerfamilie "ein langfristiges Konzept" für den Gasthof habe. "Und das geht sehr wohl in Richtung Erhaltung", sagte Kohlert.

Dessen ungeachtet will der Gemeinderat einen Neubau im nördlichen Teil des Grundstücks verhindern, auf dem sich derzeit ein Parkplatz befindet. Nach Einschätzung des Baierbrunner Rathauses würde das dort geplante Wohnhaus den denkmalgeschützten Bestand des Gasthofs "massiv beeinträchtigen". Eine Stellungnahme des zuständigen Landesamts für Denkmalschutz liege bisher aber noch nicht vor. Genau hier biete sich womöglich eine Chance, das Vorhaben abzuwenden, sagte Alexander Lechner (ÜWG). "Das einzig scharfe Schwert, das ich jetzt noch sehe, ist der Denkmalschutz."

© SZ vom 04.11.2020

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