Kommunalwahl im Isartal„Ich hätte mir schon mehr gewünscht“

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Baierbrunns Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) hätte sich seine Wiederwahl als einziger nominierter Kandidat schon etwas glanzvoller vorgestellt.
Baierbrunns Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) hätte sich seine Wiederwahl als einziger nominierter Kandidat schon etwas glanzvoller vorgestellt. Claus Schunk
  • Patrick Ott gewinnt die Baierbrunner Bürgermeisterwahl als einziger offizieller Kandidat mit nur 54,8 Prozent der Stimmen.
  • 45,2 Prozent der Wähler stimmten für andere Personen, darunter viele für Christian Ramet von "Bürger für Baierbrunn".
  • Jan Neusiedl gewinnt in Grünwald ohne Gegenkandidaten mit 84 Prozent, was deutlich weniger ist als vor sechs Jahren.
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Obwohl er keinen offiziellen Gegenkandidaten hatte, fällt Patrick Otts Sieg bei der Baierbrunner Bürgermeisterwahl nur knapp aus. Was ist da passiert?

Von Udo Watter, Baierbrunn

Wer das Amt des Bürgermeisters bekleidet, hat einen Spitzenjob der Demokratie inne. Gleichwohl muss sich manch (vor allem lang gedienter) Rathauschef mitunter den Vorwurf gefallen lassen, seine Amtsführung eher an einer anderen Staatsform auszurichten und sich wie ein kleiner, absolutistischer Sonnenkönig aufzuführen.  Auf Patrick Ott trifft das eigentlich nicht zu, aber der Absolutismus der Wirklichkeit hat ihm jetzt trotz absoluter Mehrheit in Form des Wahlergebnisses eine Watschn verpasst.

Obwohl einziger offizieller Kandidat, der auf dem Stimmzettel stand, hat der Baierbrunner Bürgermeister (ÜWG) nur 54,8 Prozent der Stimmen erhalten. Der Rest – 45,2 Prozent – entfiel auf sogenannte „Wählerbenannten Personen“, darunter zahlreiche auf Christian Ramet, ein Bewerber der Gruppierung „Bürger für Baierbrunn“ (BfB), der sich erst vor wenigen Wochen überhaupt zur Kandidatur bekannt hatte. „Er hat sehr gut vorgelegt“, freute sich Gemeinderätin Christine Zwiefelhofer, die im Herbst 2025 die BfB gegründet hatte.

Patrick Ott nahm’s am Montag sportlich („Mehr als 50, das reicht“), zeigt sich aber auch enttäuscht: „Ich hätte mir schon mehr gewünscht.“ Woran es gelegen haben könnte? „Zum einen haben wir es nicht wirklich geschafft oder waren nicht klug darin, unsere Erfolge darzustellen“, sagt er. Dazu zählt Ott die Etablierung des Wochenmarkts im Ortszentrum, diverse Investitionen (Feuerwehrautos, Kunstrasen) oder eine signifikant höhere Stabilität bei den Gemeindefinanzen. Zum anderen sei er ein Mann mit Ecken und Kanten: „Ein Bürgermeisteramt ist kein Popularitätswettbewerb.“ An seiner Kommunikation könne er freilich noch arbeiten, also auch, „die Leute von der Straße mitzunehmen“. Negativ zu Buche schlug für Ott, der sich gern als Macher sieht, vermutlich auch die Bauverzögerung beim Großprojekt „Grundschule“, über die jüngst wieder heftig debattiert wurde.

Das Gefühl, dass in Baierbrunn gar nicht so viel vorangehe und auch die Verwaltung mitunter etwas säuerlich auf Kritik reagiere, nennt Zwiefelhofer als einen der Gründe für das überraschende Ergebnis. „Wir haben so viele Projekte und dann kommt nie was zum Abschluss. Er tut immer so, als sei alles Chefsache und dann versandet es“, erklärt sie mit Blick auf Ott. Die von ihr gegründeten „Bürger für Baierbrunn“ haben auf Anhieb drei Sitze im Gemeinderat errungen und Zwiefelhofer selbst, die mit ihrer zupackenden und dialektsicheren Kümmerer-Mentalität gut in der Gemeinde ankommt, avancierte zur Stimmenkönigin in Baierbrunn.

Jan Neusiedls Sieg in Grünwald ist auch nicht triumphal

„Sie hat einen super Job gemacht“, gibt auch Ott zu. Immerhin kann der Amtsinhaber, der vor sechs Jahren noch deutlich mit 61,2 Prozent in der Stichwahl gegen Uwe Harfich (damals SPD) gewonnen hatte, nach der Wahl auf einen Gemeinderat blicken, mit dem er gut zusammenarbeiten dürfte: ÜWG (4 Sitze) und die ihm tendenziell gewogenen Grünen (3) und Liberalen von der FDP (2) haben eine Mehrheit.

Auf der anderen Seite der Isar hat Jan Neusiedl (CSU) zwar keine ähnlich enttäuschende Erfahrung wie Ott machen müssen, aber der Grünwalder Bürgermeister, der keinen Gegenkandidaten hatte, fuhr mit 84 Prozent auch keinen allzu strahlenden Triumph ein – zumal er vor sechs Jahren bei zwei Mitbewerbern auf vergleichsweise überragende 70,9 Prozent gekommen war. Ob unter den 16 Prozent, die dem seit 2002 im Amt befindlichen Neusiedl ihre Stimme verweigerten und stattdessen den Namen einer anderen Person auf dem Wahlzettel eintrugen, auch welche sind, die ihn für einen kleinen Sonnenkönig halten? Mag sein. Vielleicht befeuerte sie aber auch andere Motivationen: „Da gibt’s welche, die schreiben Pumuckl als Bürgermeister drauf“, konstatierte der Grünwalder Rathauschef.

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