Baierbrunn:Gaubenbekenntnis

Lesezeit: 1 min

Baierbrunn: Gauben sind nicht überall erwünscht. Aber der Wunsch, den Dachraum zu nutzen, ist bei vielen Hausbewohnern groß.

Gauben sind nicht überall erwünscht. Aber der Wunsch, den Dachraum zu nutzen, ist bei vielen Hausbewohnern groß.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Verträgliche Verdichtung: Baierbrunn ermöglicht in einer Siedlung westlich der S-Bahn Dachaufbauten und schafft so Wohnraum.

Von Udo Watter, Baierbrunn

Einen Bebauungsplan zu ändern, ist keine kommunalpolitische Petitesse. Dementsprechend hat es sich der Baierbrunner Gemeinderat auch nicht leicht gemacht, einen Antrag, der künftig für das Wohngebiet südlich der Oberdiller Straße und westlich der S-Bahn ("Ziegelei") die Möglichkeit der Errichtung von Dachaufbauten vorsieht, grundsätzlich zu befürworten. Dabei ging es nicht nur um die konkret genannte Thematik - und die damit verbundene Intention, Wohnraum in der Höhe, also ohne zusätzliche Flächenversiegelung, zu schaffen -, sondern auch um rechtliche Fragen. Der Antragsteller, Gemeinderatsmitglied Ravindra Nath (FDP), ist nämlich selbst Anwohner des betroffenen Gebiets, und lief daher Gefahr, als befangen eingeschätzt zu werden. Nach einer kürzeren Debatte wurde denn auch im Gremium entschieden, den Liberalen in diesem Fall von Diskussions- und Stimmrecht auszuschließen.

Nath konnte es verschmerzen, der Gemeinderat entschied mit 10:3 Stimmen in seinem Sinne und der anderen anwesenden Anwohner des Wohngebiets. Durch die Änderung soll dort die Errichtung von Dachaufbauten wie Gauben und eventuell Zwerggiebel ermöglicht werden. Allerdings gab es durchaus kritische Stimmen: "Ich fürchte, dass das Begehrlichkeiten weckt", sagte etwa Robert Gerb (Grüne), der auch das Bild von der "Büchse der Pandora" gebrauchte, die damit geöffnet werde. Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) unterstrich die Berechtigung dieser Bedenken, zumal ja die Käufer den Bebauungsplan beim Kauf kannten. Allerdings gebe es inzwischen "neue Realitäten". Da wäre etwa die Pandemie und ihre Konsequenzen: gerade die Wohnsituation kinderreicher Familien habe sich auch dadurch geändert, wenn etwa beide Elternteile im Home-Office arbeiteten.

Dass etliche Familien in besagtem Wohngebiet mit einem Kind einzogen und inzwischen drei haben, macht die Frage der möglichen Wohnraumerweiterung und Wohnqualitätsverbesserung dringender. Auch dürften sich Dachgauben in die Umgebung einfügen, sagte Ott, zumal in der Nachbarschaft, wo es teilweise bereits flächendeckend Dachgauben gibt, offenbar eine breitere Akzeptanz dafür herrsche. "Wir wollen lieber eine Entwicklung in die Höhe als in die Breite", erklärte Ott. Und die dürfte wegen der erwarteten steigenden Einwohnerzahl weiter gehen. Sascha Lechner (ÜWG), der sich wie die Mehrheit des Gemeinderats zuletzt noch gegen eine Änderung des Bebauungsplans ausgesprochen hatte, stimmte diesmal dafür und betonte die Wichtigkeit der "Nachverdichtung."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema