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Baierbrunn:Amphitheater und Allwetterplatz

Der Altbau der Baierbrunner Grundschule könnte wie auf diesem Modell dargestellt auf beiden Seiten durch Neubauten ergänzt werden.

(Foto: Architekturbüro Peck-Daam)

Die ersten Ideen für die Erweiterung der Grundschule kommen in Baierbrunn gut an

Von Udo Watter, Baierbrunn

Ein Forum, eine Art Amphitheater inmitten von Schulgebäuden: Am oberen Rang steht ein Mädchen aus Buchenhain, sieben, acht Jahre alt, erzählt mit kindlich-eleganter Gestik ein Märchen der Brüder Grimm, danach deklamiert ein Baierbrunner Bub mundartgerecht Dialoge aus "Kasperl und Seppel".

Gut, die Vorstellung, dass die Schüler der Grundschule Baierbrunn künftig in jeder Pause sich als Schauspieler, Erzähler oder Redner üben, ist wohl etwas idealisiert. Architekt Bernhard Peck hat das bei der Präsentation seiner Ideen zum Umbau und zur Erweiterung der Schule an der Hermann-Roth-Straße in der Baierbrunner Gemeinderatssitzung auch eher augenzwinkernd gemeint, als er sagte: "Ein Schüler spielt dann Theater, die anderen schauen zu." Das geplante "Forum", das er beschrieb, dürfte aber in jedem Fall eine wichtige Rolle spielen in der Schulgebäude-Landschaft, es soll einer von zwei Pausenhöfen werden, dazu soll es noch einen dritten Aufenthaltsbereich geben, einen Allwetterplatz, auf dem die Kinder Fußball spielen können. Weiterer Eckpunkt: Ein neuer Gebäuderiegel im Süden soll gebaut werden, der künftig "Lernwohnungen", also moderne Klassenraumwelten mit flexiblen Wänden beherbergen soll, aufgeständert, damit darunter Stellplätze für Autos entstehen können. "Ein dreigeschossiger Baukörper, in den Hang hineingeschoben", wie Peck erläuterte. Was steht sonst noch an? Der Abriss der alten Sporthalle im Norden des Komplexes und der Bau einer neuen Turnhalle, darüber auf dem Dach der Sportplatz. Und natürlich betrifft die Umgestaltung auch den Altbau als künftiges Herz der Ganztagsbetreuung, der jedoch nur maßvoll verändert würde. Generell viel Holz, viel Glas, eine Gebäudelandschaft, die durchaus mit einer Anmutung von Leichtigkeit aufwarten würde.

Peck vom Architekturbüro Peck-Daam betonte freilich, was er da zeige, sei eine erste Idee, "noch nicht mal ein Vorentwurf." Aber die Mitglieder des Gemeinderats waren schon mal recht angetan. "Optisch ist das sehr ansprechend", urteilte Bürgermeister Patrick Ott (Überparteiliche Wählergruppe, ÜWG). Auch Schulleiterin Konstanze von Unold, die in die bisherigen Überlegungen schon eingebunden war, freute sich über die präsentierten Erstergebnisse. "Wir haben jetzt schon ein schönes Schulgebäude und mit dem Neubau im Süden wird sich das weiter widerspiegeln." Mit dem "Forum als Herz" gibt es in der architektonischen Vision quasi auch eine Kommunikation und Transparenz zwischen den Gebäuden respektive den Menschen, die darin lernen, lehren oder spielen. Das Forum selbst soll sogar allgemein für Freiluftveranstaltungen nutzbar sein, selbstverständlich mit barrierefreiem Zugang. Wichtig sei zudem, dass "Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft" mitbedacht wurden, so Unold.

Die beiden Pausenhöfe, der zweite geht raus zum Schlittenberg, seien ein "differenziertes Angebot an die Schüler", sagte Peck. Im kommenden Schuljahr werden rund 200 Kinder die Schule an der Hermann-Roth-Straße besuchen. Die Gebäude seien im Übrigen auch so geplant, dass sie die Anwohner der Schule von allzu starken Lärm tobender Kinder abschirme, erklärte Peck.

Der Entwurf ist im Wesentlichen auch darauf ausgerichtet, das Angebot einer offenen Ganztagsbetreuung bis zum Schuljahr 2025/26 zu realisieren. Wichtig ist dabei auch die bauliche Abwicklung. Es gibt - so der Plan - drei, zeitlich aufeinander folgende Schritte: Erst wird der Erweiterungsbau im Süden in Angriff genommen, danach der Umbau und die Sanierung des Altbaus und als Drittes der Abriss und der Neubau der Sporthalle. Dass bei letzterem sowohl Schule als auch Vereine wohl rund zwei Jahre ohne Turnhalle auskommen müssen, schmeckte SPD-Gemeinderat Uwe Harfich nicht, der diesbezüglich nachgefragt hatte. Glücklich ist darüber natürlich niemand, indes scheint es wohl alternativlos. Oder wie Ott es ausdrückte: "Es gibt kein Omelett, ohne dass Eier zerschlagen werden."

Interessant wird sicherlich auch die Frage um die Erschließung der Hermann-Roth-Straße werden, die Felix Maiwald (CSU) noch mal stellte, die Schule kann mit dem Auto einzig von dieser schmalen Straße her angefahren werden, von der anderen Richtung her führt nur ein Radweg zum Gebäude. Freilich ging es bei der Vorstellung primär um eine erste bauliche Vision und die Resonanz darauf. Und die war generell positiv. "Mir gefällt das Konzept sehr gut", lobte Sascha Lechner (ÜWG) Besonders auch die Vorstellung eines Allwetterplatzes sage ihm zu: "Da können die Kinder immer super Fußball spielen" - ohne sich allzu dreckig zu machen. Christine Zwiefelhofer (ÜWG) verwies darauf, an den Schallschutz in den Räumen zu denken, da man hier schon mal mit Deckensegel habe nachbessern zu müssen. Ihre Bedenken wurden indes zerstreut. Schallschutz werde heutzutage immer stark mit berücksichtigt, sagte Peck. Zu sehr auf Details wollte er ohnehin nicht eingehen. "Wir sind jetzt erst mal der Frage nachgegangen, welches Potenzial hat der Standort", sagte er. Im nächsten Schritt nun gilt es für das Architekturbüro, eine erste, oberflächliche Kostenschätzung zu erarbeiten und formulieren. Eine Künstlergarderobe für schauspielernde Schüler wird wohl nicht dabei sein.

© SZ vom 09.04.2021
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