TheaterproduktionDie spielen, die Helfendorfer

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Und: Action! Marcus Everding ist nicht nur Verfasser des neuen Stücks „Das Wirtshaus an der Via Julia“ der Ayinger Gmoa Kultur, sondern zeigt auch als Regisseur vollen Einsatz. Links vorne: Daniel Rasch als Quintus Centurio und rechts Patrick Messow als Gaius Metellus.
Und: Action! Marcus Everding ist nicht nur Verfasser des neuen Stücks „Das Wirtshaus an der Via Julia“ der Ayinger Gmoa Kultur, sondern zeigt auch als Regisseur vollen Einsatz. Links vorne: Daniel Rasch als Quintus Centurio und rechts Patrick Messow als Gaius Metellus. Claus Schunk
  • Die Ayinger Gmoa Kultur führt am Donnerstag die neue Komödie „Das Wirtshaus an der Via Julia" von Marcus Everding im umgebauten Brauerei-Stadl auf.
  • Das Stück spielt im Jahr 99 nach Christus in der römischen Provinz Rätien und handelt von Kelten und Römern in Helfendorf.
  • Für die Aufführung wurde der Stadl mit zwei 4,50 Meter hohen Wachtürmen und keltisch-römischer Atmosphäre in einen Theaterschauplatz verwandelt.
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Für ihre neue Komödie „Das Wirtshaus an der Via Julia“ hat die Ayinger Gmoa Kultur den Spielort in einen Theaterstadl mit römisch-keltischem Flair verwandelt. Das Stück stammt wieder aus der Feder von Regisseur Marcus Everding.

Von Udo Watter, Aying

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Die Not ist groß in der kleinen Siedlung an der Römerstraße Via Julia. Man schreibt das Jahr 99 nach Christus und es mangelt an Nachwuchs. Obwohl zwei junge Dirndl bereitstehen, dem abzuhelfen, ist die bayerisch-keltische Zukunft gefährdet. Der einzig infrage kommende Junggeselle gibt ihnen eine Abfuhr: Statt entweder die attraktive „Liabsamma“ oder die fesche „Scheesamma“ zu vögeln (keltisch: „für Nachwuchs sorgen“), träumt der Bursche „Abuascho“ lieber von einem Leben als Legionär. Seine Landsleute in dem Örtchen Isinisca alias Helfendorf in der Provinz Rätien reagieren entgeistert.

O mei. Wer jetzt denkt, die spinnen, die Römer, oder: die san ned ganz dicht, die Helfendorfer – der könnte recht haben. In dieser bayerisch-römischen Komödie, die der Regisseur und Autor Marcus Everding für die Ayinger Gmoa Kultur geschrieben hat, geht es aber nicht nur um Liebe, Triebe, Träume und die Frucht des Vögelns, sondern auch um Politik, Intrigen, Bier und ein geplantes Kastell. „Das Wirtshaus an der Via Julia“ heißt das Stück, das an diesem Donnerstag in einer eigens dafür arrangierten, von der Zeit der Handlung angeregten Theaterszenerie uraufgeführt wird – in und rund um den Brauerei-Stadl Aying.

Wie der Titel schon andeutet, liegt die Lösung für alles in dem Schauplatz begründet, welcher als Nukleus bayerischer Aufenthaltsqualität gilt: das Wirtshaus. „Das Thema ist ein Geschenk“, sagt Marcus Everding. Inspiriert von der antiken Militärstraße Via Julia, die von Augsburg nach Salzburg auch über Großhelfendorf im heutigen Landkreis München führte und deren Streckenverlauf durch archäologische Bodenfunde gut dokumentiert ist, entwarf er eine schwungvolle Handlung, in der die einheimischen Kelten bairisch sprechen und die römischen Besetzer hochdeutsch. „Es ist natürlich auch eine Paraphrase auf Asterix“, sagt der 62-Jährige, der 2018 mit dem Oberbayerischen Kulturpreis ausgezeichnet wurde.

Die Stücke haben immer einen lokalen historischen Bezug

Everding, der zudem etliche Jahre künstlerischer Leiter der Carl-Orff-Festspiele in Andechs war, arbeitet schon seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Ayinger Gmoa Kultur zusammen. Er schreibt für den Verein Theaterstücke, die auf historischen Begebenheiten basieren, und inszeniert diese alle zwei Jahre. Der lokale geschichtliche Bezug ist dabei entscheidend und dient als Inspirationsquelle für den Plot: vom Martyrium des heiligen Emmeram bei Kleinhelfendorf zur Premiere 2004 über die im Wald beim Weiler Rauchenberg vergrabenen Millionen des Oetker-Entführers Dieter Zlof bis zu einer Wilderer-Geschichte, die in der NS-Zeit spielte, oder zuletzt 2024 der Einfall der Schweden im Dreißigjährigen Krieg. Viel Drama also, aber heuer geht es wieder lustig zu auf der Bühne.

Die Bühne respektive die Kulisse hat es auch in sich: Gespielt wird erstmals im Brauerei-Stadl Aying, der für die Produktion in einen Theaterstadl mit gleichsam römisch-keltischer Atmosphäre verwandelt wurde: Zwei 4,50 Meter hohe Wachtürme, ein Eingangstor und ein im Stil eines Keltendorfs aufwartender Gastronomiebereich wurden errichtet, sie sollen den historischen Kontext atmosphärisch flankieren. „Wir haben uns vorgenommen, aus dem Stück ein richtiges Theatererlebnis zu machen“, sagt Alexander Brunner, Vorsitzender der Ayinger Gmoa Kultur. Mit Unterstützung von am Ort ansässigen Unternehmen wie etwa der Schreinerei Manfred Renk hat der Verein diese hölzerne Szenerie aufgebaut und zudem auch im Inneren den Spielort aufwendig gestaltet: mit Vorhang, Bühnenrückwand, Lichttechnik und rustikalem Wirtshausflair.

Zwei hölzerne Wachtürme und Palisaden flankieren den Theaterschauplatz in Aying.  Hauptverantwortlich dafür: Schreinermeister Manfred Renk (links) mit seinem Gesellen Valentin.
Zwei hölzerne Wachtürme und Palisaden flankieren den Theaterschauplatz in Aying.  Hauptverantwortlich dafür: Schreinermeister Manfred Renk (links) mit seinem Gesellen Valentin. Claus Schunk

Insgesamt wird es neben der (ausverkauften) Uraufführung am 23. Juli noch mindestens acht weitere Vorstellungen an dem speziellen Veranstaltungsort geben. „Das ist schon eine Leistung“, würdigt auch Marcus Everding die Aufbau-Aktionen. Sein Lob korrespondiert mit dem künstlerischen Respekt vor den Laien-Darstellerinnen und -Darstellern aus Aying und Umgebung, die ihm als Profi-Regisseur zur Verfügung stehen. Mittlerweile kann der Verein, der lange vom 2024 verstorbenen Gründer Michael Wöllinger geprägt wurde, auf rund 40 Schauspieler zurückgreifen.

Auch Alexander Brunner gehört dazu, er agiert diesmal als eine Art Interpret des Geschehens. „Salve spectatores!“, begrüßt er die Zuschauer und verknüpft coram publico (in aller Öffentlichkeit)  diverse Zeit- und Handlungsebenen mit temporeichen Erklärungen. Ja, neben Bairisch und Hochdeutsch erklingen auch allerlei lateinische Sentenzen, von „Manus manum lavat“ („Eine Hand wäscht die andere“) bis „Nihil nove sub sole“ („Nichts Neues unter der Sonne“). Die Römer spielen eine ebenso wichtige Rolle wie die Kelten, auch in Sachen Amore. Everding lässt Charaktere und Kulturen aufeinanderprallen, liebt das Spiel mit Namen und Zitaten, zeigt in der Entwicklung des „herrlichen Komplotts“ und der anderen Handlungsstränge die Zeitlosigkeit des Menschlichen, Allzumenschlichen.

„Bei einer Komödie kann viel mehr schiefgehen.“

So viel Spaß es ihm macht, sich als Autor komödiantisch zu entfalten, so sehr weiß er um die Gefahren des Genres auf der Bühne: „Bei einer Komödie kann viel mehr schiefgehen.“ Gerade in puncto Timing sind die Anforderungen enorm, die richtigen Anschlüsse, der richtige Zeitpunkt für das Setzen der Pointe – höchste Kunst. „Das ist ja schon für Profis schwierig“, sagt Everding. Bei einer der letzten Proben vor der Premiere passt auch erwartungsgemäß noch nicht alles – von vorschnellen Einsätzen bis zum klemmenden Vorhang –, aber man spürt definitiv die durch den Plot befeuerte Spielfreude der ambitionierten und großteils auch bühnenerfahrenen Laiendarsteller. Marcus Everding, 1964 als Sohn von Regisseur und Theaterintendant August Everding in München geboren, beobachtet und kommentiert kritisch, hat aber auch ein in vielen Jahren gewachsenes Vertrauen: „Ich habe Respekt vor den Schauspielern, auch weil ich ihnen vieles abverlange“, sagt er.

Seine Plot-Idee mit dem geplanten Kastell bei Helfendorf gründet im Übrigen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen: Luftbildarchäologische Aufnahmen aus den 2000er-Jahren lassen vermuten, dass es diese Pläne zum Bau damals gab. Auf der Bühne dürfte die Melange aus historischer Basis mit humorvoller Fiktion gut funktionieren. „Der Run auf die Karten ist groß“, sagt Brunner. Neben dem künstlerischen ist der kulinarische Anspruch besonders. So wird es über offenem Feuer gebratene Wildschweinwürstel geben. Da hätte sich auch der Junggeselle Obelix gefreut.

„Das Wirthaus an der Via Julia“ ist die 13. Uraufführung der Ayinger Gmoa Kultur, Schirmherr ist Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger. Weitere Informationen unter https://ayinger-gmoa-kultur.de, Tickets über info@ayinger-gmao-kultur.de und Telefon 0700/25 25 00 25. Die Premiere am Donnerstag, 23. Juli, ist ausverkauft, weitere Vorstellungen im Brauerei-Stadl am Siegertsbrunner Weg gibt es am 25., 26. und 31. Juli sowie 1., 2., 6., 7. und 8. August.

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