In den kommenden Tagen werden sie sich in Sauerlach wieder auf zahlreiche ungebetene Gäste einstellen müssen. Denn der Wetterbericht glänzt nach zwei Wochen Dauerregen mit eigentlich guten Nachrichten: Der Sommer kehrt zurück, mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 30 Grad. In der Gemeinde im Münchner Süden aber wissen sie ganz genau, was diese Prognose zur Folge haben wird: Unzählige Ausflügler, die sich mit ihren Autos auf den Weg machen werden ins Oberland, an den Tegernsee oder Schliersee. Und viele von ihnen werden dabei über die Münchner Straße und Tegernseer Landstraße durch Sauerlach rollen.
Auch in Nachbargemeinden wie Brunnthal, Aying oder Holzkirchen erhöht sich der Druck durch die Verkehrsbelastung, wenn die Freizeitwelle aus München und dem Umland anrollt. „Wir haben schon zu normalen Zeiten mit viel Verkehr zu kämpfen“, sagt Ayings Bürgermeister Peter Wagner (CSU), durch dessen Gemeinde zwei wichtige Staatsstraßen führen. Und genau die müssen die entscheidende Last tragen, wenn noch ein weiterer Faktor hinzukommt: Stau auf der A8.
Die Salzburger Autobahn ist die zentrale Transitachse von München nach Österreich, Italien und Kroatien. Und besonders am Inntaldreieck sowie in der Verlängerung nach Salzburg ist der in die Jahre gekommene, nur zweispurig ausgebaute Highway besonders stauanfällig. Darunter leiden insbesondere Gemeinden wie Rohrdorf, Frasdorf oder Achenmühle, die den Ausweichverkehr aufnehmen müssen, wenn auf der Autobahn nichts mehr geht. Doch nun hat das Bundesverkehrsministerium Linderung in Aussicht gestellt, indem in bestimmten Ausnahmesituationen Durchfahrtsverbote für Gemeinden entlang der A8 gelten sollen. Zugeschnitten ist diese Regelung auf die Orte im südlichen Landkreis Rosenheim. Doch nicht wenige fragen sich nun, ob Fahrverbote auch für Gemeinden in den Landkreisen München und Miesbach eine Lösung sein könnten.

Markus Büchler, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, dämpft die Erwartungen. „Im Einzelfall ja, aber so ein Durchgangsverbot müsste dann auch gut begründet sein“, sagt der Oberschleißheimer. „Staatsstraßen sind übergeordnete Straßen, die genau dafür gebaut sind, den übergeordneten Verkehr aufzunehmen.“ Zudem seien Durchgangs- oder Abfahrtsverbote von Autobahnen auch ein „harter Eingriff in die Freiheit des Reisenden“, so Büchler, und der Ballungsraum München sei auch nicht mit deutlich ländlicheren Regionen zu vergleichen: „Hier fließt der Verkehr kreuz und quer.“
Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner (Unabhängige Bürgervereinigung) wohnt selbst an der viel befahrenen Münchner Straße in ihrer Gemeinde. „Ich erlebe ja selbst, was an Samstagen und Sonntagen los ist, bei Ferienbeginn- oder ende, wenn es zum Skifahren geht und wenn es auf der Autobahn kracht“, sagt sie. Für all jene, die von der A8 abfahren und den Weg übers Land suchen, hat die Rathauschefin wenig Verständnis: „Die stehen dann in Sauerlach im Stau und werden von gleich vier, fünf Ampeln ausgebremst.“
„In Österreich klappt das ja auch“, sagt die Sauerlacher Bürgermeisterin
Auch deshalb sei ein Durchfahrtsverbot absolut wünschenswert, sagt Bogner, gleichwohl es natürlich einen enormen Aufwand für Ordnungsdienste und Polizei bedeuten würde, die Einhaltung zu kontrollieren. „Aber in Österreich klappt das ja auch“, betont die Bürgermeisterin mit Verweis auf den südlichen Nachbarn. In den Bundesländern Salzburg und Tirol bestehen seit Jahren Abfahrtsverbote von den Autobahnen etwa an Wochenenden, Feiertagen oder zur Hauptreisezeit während der Sommerferien.
In Aying läuft bei Stau auf der A8 der Verkehr gleich auf zwei Staatsstraßen zusammen und quetscht sich dann durch die Gemeindeteile Aying, Peiß und Großhelfendorf Richtung Feldkirchen-Westerham und den Landkreis Rosenheim. Rathauschef Wagner sagt aber auch, dass seine Gemeinde ohnehin durch den regulären Liefer- und Individualverkehr belastet sei. Auch Wagner betont, dass die Staatsstraßen dafür gebaut worden seien, überregionalen Verkehr aufzunehmen; daher erhofft sich der Christsoziale Verbesserungen durch einen weiteren Ausbau der Salzburger Autobahn vom Kreuz München-Süd bis zum Inntaldreieck. Wagner räumt aber auch ein: „Wenn es auf der Salzburger richtig kracht, dann helfen auch drei oder vier Spuren oder mehr nicht.“
Wagner weiß, wovon er spricht, er wohnt an der Rosenheimer Landstraße, die bei Stau auf der A8 zur Transitroute wird. „Ich habe in den vergangenen Jahren miterlebt, wie stark der Verkehr immer weiter zugenommen hat“, sagt er. „Ein Stück weit müssen wir auch damit leben.“
Allerdings so, dass die Sicherheit der Menschen in den Orten gewährleistet bleibt, betont der Grünen-Landtagsabgeordnete Büchler. „Es gilt auch das Sicherheitsgut. Wenn Straßen verstopft sind, die Feuerwehr oder der Krankenwagen nicht mehr durchkommt, dann wird die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger gefährdet“, sagt er. Und wenn es regelmäßig zu solch gefährlichen Situationen komme, so Büchler, dann sei auch ein Durchfahrverbot ein „legitimes Mittel“.
Um so ein Verbot anordnen zu können, müssen grundsätzlich zwei Stellen einvernehmlich aktiv werden. Für die Ankündigung direkt auf der Autobahn zeichnet die Autobahn GmbH des Bundes verantwortlich. Schließt an die Ausfahrt eine Gemeinde, beziehungsweise Gemeindeverbindungsstraße an, liegt die Zuständigkeit bei der jeweiligen Kommune. Führt der Weg von der Autobahn über eine Staatsstraße wie an der Anschlussstelle Hofoldinger Forst zwischen Aying und Sauerlach, muss das Landratsamt das Durchfahrtverbot aussprechen.

