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Hundert Tage im Amt:Vorbereitung ist alles

Die erste Trauung für Bürgermeister Peter Wagner war die des Gemeinderatskollegen Mathias Neumair.

(Foto: Claus Schunk)

Der neue Ayinger Bürgermeister Peter Wagner von der CSU war anfangs bei öffentlichen Auftritten sehr nervös. Doch je mehr er sich in die Verwaltung und die Themen einarbeitet, desto sicherer wird er.

Von Michael Morosow

Bei der konstituierenden Sitzung im Mai legten beide ihren Amtseid ab, der neugewählte Bürgermeister der Gemeinde Aying, Peter Wagner (CSU), und Gemeinderat Mathias Neumair von der Freien Wählergemeinschaft. Exakt 100 Tage danach stehen sich beide schick gewandet im Trauungszimmer im Rathaus gegenüber. Neumair als Bräutigam neben seiner Franziska, Wagner als Standesbeamter. Der Zufall hat es so gewollt. Mit Esprit bringt der neue Bürgermeister das Paar unter die Haube. "Es ist eure erste Trauung, wie auch meine. Ich hoffe, dass es bei euch die einzige bleibt und ich noch viele haben werde", sagt er verschmitzt.

Der 35 Jahre alte Betriebswirt hat seine anfängliche Nervosität bei öffentlichen Auftritten weitgehend abgelegt. Vier Gemeinderatssitzungen hat er inzwischen schon geleitet, bei der ersten sei er schon etwas zittrig gewesen, bekennt er, aber von Mal zu Mal werde es besser.

"Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit - das ist nicht meins. Ich will gut vorbereitet sein", sagt Peter Wagner. Seine Maxime, von der er sich seit seiner Vereidigung leiten lässt, lautet: Kenntnisse geben Sicherheit. Von Beginn an, so der im Ayinger Ortsteil Peiß lebende Rathauschef, habe er insbesondere verwaltungstechnisches Wissen wie ein Schwamm aufgesogen, seine Lehrmeister waren dabei seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die ersten Wochen etwa habe er täglich mit Kämmerer Thomas Winklmann gesprochen.

"In der Verwaltung bin ich jetzt drin, aber ich lerne jeden Tag dazu", sagt Wagner. Das kleine Einmaleins für Bürgermeister hat er bereits in Tageskursen in München gelernt; Haftungsfragen, Organisation und der Aufgabenbereich eines Bürgermeisters standen dabei auf dem Stundenplan. Im Herbst besucht er ein weiteres Seminar. Von dieser Nachhilfe hält er viel, nicht nur was den Wissenszuwachs anbelangt. Man kriege vieles von den anderen Bürgermeisterfrischlingen im Kurs mit. "Als neuer Bürgermeister musst du nicht alles neu erfinden, sondern das Beste für deine Gemeinde rausziehen", erklärt er.

Wie es aussieht, hat sich Peter Wagner mit Haut und Haaren seiner neuen Aufgabe verschrieben, die er als recht anspruchsvoll bezeichnet. Jedenfalls sperrt er frühmorgens als Erster das Rathaus auf und freut sich nach eigenen Worten auf die Abendveranstaltungen, die derzeit wegen der Corona-Pandemie aber überwiegend ausfallen, zu seinem Leidwesen. "Der frühe Vogel fängt den Wurm", sagt der 35-Jährige, schickt indes nach: "Aber nur die zweite Maus kriegt den Käse." Wagner also will der erste Vogel sein, aber keineswegs als erste Maus in einer Falle zappeln. Und Fallen gibt es genügend für einen Bürgermeisterneuling.

Von seinem Vorgänger, dem inzwischen zum Altbürgermeister erhobenen Hans Eichler (Parteiunabhängige Wählergemeinschaft Helfendorf), hat er als Gemeinderat einiges lernen können, einmal aber auch, wie man es in Aying besser nicht macht: Die bereits fortgeschrittenen Pläne für die Dorferneuerung mussten in die Tonne getreten werden, nachdem Grundbesitzer sich dagegen sperrten. Ihnen missfiel, dass die Gemeinde die erste Strecke des Vorhabens ohne sie geplant hatte, sie sahen sich vor vollendeten Tatsachen gestellt. Demnächst steht ein für die Gemeinde ebenso bedeutsames Thema auf der Tagesordnung: die Windkraft.

"Die Bürger wollen mitreden, wir werden sie mitnehmen", verspricht Wagner. So etwa werden die Bürger am 30. September in einer Online-Veranstaltung die Möglichkeit bekommen, sich zu informieren. "Da haben welche Angst vor den Windrädern, wir werden auf ihre Fragen und Sorgen eingehen", sagt Wagner. Die Gemeinde Aying sitzt dabei in einem Boot zusammen mit Aying, Brunnthal und Otterfing sowie den Landkreisen München und Miesbach, die sich in der "Arbeitsgemeinschaft Windenergie Hofoldinger Forst" zusammengeschlossen haben. Wichtig sei, dass man das Heft nicht aus der Hand gebe, etwa an fremde Konzerne, betont der Rathauschef. Der große Wunsch der Bevölkerung sei, dass sich die Bürger finanziell an den Windkraftanlagen beteiligen können, deshalb sei es wichtig zu klären, ob und welche Rendite für sie möglich sei. Ende des Jahres soll eine wirtschaftliche Berechnung vorliegen.

Bei allen anstehenden Projekten wie etwa den Planungen für die Ortsmitte oder dem geplanten Neubau eines Feuerwehrhauses zwischen Peiß und Aying muss wie andernorts auch die Corona-Krise berücksichtigt werden. Die Gemeinde plant mit Einnahmen durch die Gewerbesteuer in Höhe von 2,75 Millionen Euro. "Wenn nur eine Million fehlt, ist das gut ein Drittel", gibt Wagner zu bedenken. Einige Firmen hätten bereits Stundungen ihrer Vorauszahlungen beantragt, was verständlich sei. "Besser, wenn es die Firmen in zwei Jahren noch gibt", sagt der Bürgermeister.

© SZ vom 20.08.2020/wkr

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