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Brauerei Aying und die Burschen:Falscher Schaum im Mund

Andreas Ruhland von den Dürrnhaarer Burschen bringt am 1. Mai Schilder am neuen Maibaum an.

(Foto: Claus Schunk)

Dürrnhaarer Burschen gewinnen Freibier aus München - zum Ärger der lokalen Brauerei.

Von Michael Morosow, Aying

Und darauf ein erfrischendes bayerisches Mineralwasser. Die Burschen aus dem Ayinger Ortsteil Dürrnhaar treffen sich am kommenden Samstag an ihrem Maibaum zu einer Jubelparty.

Gefeiert wird der Sieg bei dem von der Kondrauer Mineral- u. Heilbrunnen GmbH & Co. KG veranstalteten Wettbewerb: "Wer hat den schönsten Maibaum Bayerns?" Unter den 110 Maibäumen, die in die Wertung kamen, überzeugte das Dürrnhaarer Stangerl, 36 Meter hoch, formschön und kerzengerade, die Jury am meisten, sodass am Samstag eine ganze Lastwagen-Ladung edler Tropfen der Sorten "Prickelnd", "Medium", "Sanft" und "Naturell" in Dürrnhaar eintreffen wird, wie auch die bayerische Mundart-Rockband "Da Rocka und da Waitler", deren Auftritt Teil des Siegerpreises ist.

Nicht nur der Rocka und der Waitler, sicher auch die Dürrnhaarer Burschen und ihre Gäste würden wohl dumm aus der Wäsche schauen, wenn sie tatsächlich mit einem Kracherl auf den Triumph anstoßen müssten. Wasser auf einer Party - das kennen die Burschen doch allenfalls vom Masskrugspülen, und würde einer von ihnen dazu gezwungen werden, einen ganzen Liter "Sanft" oder "Naturell" in sich hineinzugießen, wäre das für ihn an der Grenze zum Waterboarding. Aber gemach, das Mineralwasser-Unternehmen spendiert den Siegern auch noch 500 Liter Bier, Marke: "Hofbräu."

Fremdbier - ein veritables Sakrileg

Es versteht sich, dass der Bräu von Aying ein wenig schäumt ob der Bierfuhre aus München. Es sei bedenklich, wenn Bier von einem staatlichen Betrieb in einem Ort ausgeschenkt werde, in dem eine Brauerei steht, die internationale Preise einheimse, sagt Franz Inselkammer junior, während der alte Bräu, sein Vater gleichen Namens, sich darüber gar nicht mehr aufregen will, selbst wenn es auch für ihn ärgerlich sei. Mit den Ayinger Burschen wäre das nicht passiert, hätten sie am Wettbewerb teilgenommen und gewonnen. Haben sie aber nicht, und das in weiser Voraussicht, wie ihr Vorsitzender Johannes Adam, berichtet. Eine zünftige Feier mit Hofbräu-Bier am Ayinger Maibaum, einen Steinwurf von der alten Brauerei entfernt, das käme einem veritablen Sakrileg gleich. Laut einem Gerücht hatten auch die Ayinger Burschen vor vielen Jahren einmal "Fremdbier" gewonnen - und standhaft abgelehnt.

Die Dürrnhaarer Burschen aber denken gar nicht daran, die Bierlieferung vom Münchner Hofbräu auszuschlagen. Spätestens jetzt muss darauf hingewiesen werden, dass Dürrnhaar und einige andere ehedem selbständigen Gemeinden bei der Gebietsreform 1972 Aying zugeschlagen wurde, was einige der Eingegliederten bis heute nicht überwunden haben. Die Zeiten, da zwischen den Ayingern und den anderen regelmäßig die Fäuste flogen, sind zwar schon lange vorüber, aber mitunter flackern hie und da noch kleine Feindseligkeiten auf. Erinnert sei an die ritterliche Standhaftigkeit des Schneiderhuber aus Aying, der in Helfendorf einen Platten fuhr

und das Hilfsangebot eines Einheimischen mit den Worten ablehnte: "Du glaubst doch ned, dass i mit Helfendorfer Luft weiter fahr."

Freibier ist das beste Bier

Und die Dürrnhaarer Burschen, so hört man, "saufa koa Ayinger Bier." Laut ihrem Vorstandsmitglied Christian Lacek trinken sie gewöhnlich Augustiner und Tegernsee Hell, und diesmal halt Hofbräubier, "weil das beste Bier sowieso Freibier ist", wie Lacek erklärt. Aus diesem Grund kommt es den Dürrnhaarern gar nicht entgegen, dass jetzt auch noch in der Zeitung auf die Siegesfeier hingewiesen wird. 500 Liter Bier gehen schnell zur Neige, wenn die Burschen großen Durst mitbringen, und das tun sie eigentlich immer.

Da braucht es dann nicht auch noch die vielen "Freibierlätschn" von außerhalb, die einen mindestens genauso guten Schluck haben und auch nur in allerschlimmster Not zu Kondrauer "Prickelnd" greifen würden. Die 500 Liter Bier würde man schon runterkriegen, "aba des Wasser, des is scho sehr viel", sagt Lacek.

© SZ vom 31.08.2017/belo
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